Die Tanne als Zukunftsbaum? – Unterwegs auf dem Tannenpfad Hohenroth

Tannen auf dem Tannenpfad Hohenroth

Die Tanne als Zukunftsbaum? – Unterwegs auf dem Tannenpfad Hohenroth

Von Andrea Klasen

Die letzten beiden trockenen Sommer zeigen ganz deutlich, dass die Zukunft eine andere sein wird – auch im Wald. Die Forstwirtschaft muss weiter umdenken, mit klimastabileren Bäumen planen. Die Tanne gehört zu diesen "Bäumen der Zukunft".

Unterwegs auf dem Tannenpfad Hohenroth

WDR 4 Spaziergang 01.09.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 30.08.2020 WDR 4

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Der Wald lehrt uns so viel. Auch der Borkenkäfer. Er zeigt uns ganz deutlich, wie krank und schwach die Fichten tatsächlich sind. Jahrzehntelang ist die Monokultur gut gegangen. Nun schaffen es zwei trockene Sommer, ganze Fichtenwälder niederzustrecken. Ein Umdenken ist gefragt. Auf dem Tannenpfad kann man vielleicht ein wenig in die Zukunft schauen. Dort steht ein Bergmischwald. Der ist stabil und vielfältig. Zu ihm gehören Ahorn, Douglasie, Fichte, Eberesche und eben die Tanne. In Mischung!

Die Tanne will mit genau diesen Nachbarn leben. Sie will Vielfalt um sich herum. Denn Vielfalt bedeutet Stabilität. Auf dem Tannenpfad auf Hohenroth bei Hilchenbach im Siegerland kann der Wanderer das sehr gut beobachten. Der Tannenpfad ist nicht lang, aber man kann sich lange dort aufhalten, wenn man die Bäume in diesem Bergmischwald eingehend betrachtet. Am besten ein Bestimmungsbuch mitbringen.

Auf dem Tannenpfad Hohenroth in die Zukunft spazieren

Die Tanne ist mehr als nur ein hübscher Baum aus Märchen und Sagen. Sie könnte in Zeiten des Klimawandels einer der Zukunftsbäume sein. Auf dem Tannenpfad im Siegerland bei Hilchenbach zeigt sie, wie sie leben möchte und welche vielen guten Eigenschaften sie hat.

Eine junge Tanne im Wald

Überall hat sich die Tanne (links im Bild) hier schon verjüngt. Sie kann im Gegensatz zu anderen Bäumen sehr gut mit Schatten umgehen. Während sie unter dem Dach der anderen auf Licht und ihre Chance emporzukommen wartet, sich duckt und die Situation erträgt, steckt sie alle Kraft in ihre Wurzeln, um dann zur rechten Zeit schnell aufzuschließen.

Überall hat sich die Tanne (links im Bild) hier schon verjüngt. Sie kann im Gegensatz zu anderen Bäumen sehr gut mit Schatten umgehen. Während sie unter dem Dach der anderen auf Licht und ihre Chance emporzukommen wartet, sich duckt und die Situation erträgt, steckt sie alle Kraft in ihre Wurzeln, um dann zur rechten Zeit schnell aufzuschließen.

Wer auf dem Tannenpfad nach unten blickt, sieht überall ganz kleine Tannentriebe, die einmal hoch hinauswollen. Im Wald gelten eben andere Zeitdimensionen. "Im Bergmischwald hat die Tanne eine große Zukunft", sagt Forstamtsleiter Diethard Altrogge.

Einer der wenigen Nachteile der Tanne ist, dass sie als junge Pflanze sehr gut schmeckt. "Sie ist wie Marzipan am Bett", sagt Förster Diethard Altrogge. Um sie vor dem Wild zu schützen, ist das Areal des Tannenpfades eingezäunt. Sonst hätten diese Bäume keine Chance. Doch Zäune sind teuer. Viele Waldbesitzer wollen das nicht investieren. Aber angesichts des Klimawandels ist ein Umdenken nötig.

Der Wanderer, der auf dem Tannenpfad unterwegs ist, muss wegen der Umzäunung diese Übergänge benutzen. Sie sind mit Kaninchendraht bespannt, sodass man bei feuchtem Wetter nicht ausrutscht. Auf dem Pfad selber helfen schmale Holzpfähle, sich zu orientieren.

In Zeiten des Klimawandels fragen sich die Förster, welche Bäume eine Zukunft haben. Die Tanne gehört dazu. Sie ist viel klimastabiler als andere Bäume, sie ist ein Pfahlwurzler, deren Wurzeln tief in die Erde gehen, weshalb sie länger Wasser ziehen kann. Sie wächst gut und ihr Holz lässt sich gut vermarkten.

Die Tanne mag keine Monokulturen. Sie fühlt sich am wohlsten in der Mischung mit anderen Bäumen. Teile des Tannenpfades auf Hohenroth sind bereits ein Bergmischwald mit Tanne, Ahorn, Buche, Douglasie und Eberesche. Förster Altrogge und seine Kollegen propagieren schon seit dreißig Jahren, die Tanne mit in die Wälder "einzubauen". Der Tannenpfad führt mitten durch den Wald. Blicke nach oben und nach unten lohnen sich, weil es überall Tannen zu entdecken gibt. Außerdem die Bäume, die die Tanne gerne als Nachbarn hat. Am besten ein Bestimmungsbuch mitbringen.

Auf der anderen Seite des Tannenpfades sind die kranken Fichten zu sehen. Jahrzehntelang wurden sie in Monokulturen angebaut. Zwei trockene Sommer vernichten nun ganze Wälder. Die Borkenkäfer haben leichtes Spiel: Den Fichten fehlt Wasser, um Harze zu bilden, damit sie sich gegen den Käfer schützen können. Die Trockenheit verdeutliche, auf was für einem dünnen Brett wir gesessen haben, so Förster Altrogge. Der Wald gäbe nun das klare Signal: Macht es ab sofort besser!

Lage & Umgebung

Der Tannenpfad liegt in der Nähe des Forsthauses Hohenroth. Der Wanderer folgt einfach den Wegzeichen des fünf Kilometer langen Rundweges. Ein Schild weist dann auf den Einstieg in den Tannenpfad, der mitten durch den Wald führt. Wer hinten wieder rauskommt, der kann dem Rundweg weiter folgen oder direkt zurückgehen. Auf dem Tannenpfad sind feste Schuhe nötig. Für Kinderwagen oder Rollstühle ist der Weg nicht geeignet.

Auf Hohenroth gibt es zahlreiche Themenwege. Auch der Kyrillpfad ist interessant, da dort die Sturmfläche auf einem Areal von drei Hektar liegengelassen wurde, um zu sehen, wie der Wald sich nach einem solchen Orkan selbst wieder aufbaut – eben als Mischwald.

Anfahrt:

Forsthaus Hohenroth
Eisenstraße/Kohlenstraße 
57250 Netphen

Wer sich nach dem Spaziergang stärken will, der kann das im Café Waldland im Forsthaus Hohenroth tun. Öffnungszeiten sind freitags bis sonntags und feiertags jeweils von 14 bis 18 Uhr.

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Stand: 28.08.2019, 12:52