Wo die Natur sich entfalten darf: das Weißbachtal

Durchs Weißbachtal zwischen Rudersdorf und Wilgersdorf

Wo die Natur sich entfalten darf: das Weißbachtal

Von Andrea Klasen

Im Weißbachtal können wir eine besondere Natur erleben, der Weg durch das Naturschutzgebiet hat kaum Steigungen und am Wegesrand liegt ein ungewöhnlich interessanter Bauernhof, der im Sinne der Natur wirtschaftet.

Es gibt zwei Rundwanderwege durchs Weißbachtal: Einmal folgt man dem fünf km langen Wanderweg A 3 oder man geht die längere, 6,4 km lange, Wegstrecke (A 4) und nimmt noch den empfehlenswerten Schlenker nach Wilgersdorf mit.

Dort liegt der Birkenhof, ein tolles Ausflugsziel. Hier wird dynamisch-biologisch gewirtschaftet. Auf dem Demeter-Hof gibt es einen großen Hofladen und (in normalen Zeiten) ein Café, wo sich der Wanderer mit gesunden saisonalen Lebensmitteln stärken kann.

Wo die Natur sich entfalten darf: das Weißbachtal

WDR 4 Spaziergang 04.04.2021 02:27 Min. Verfügbar bis 03.04.2022 WDR 4 Von Andrea Klasen


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Die Natur bahnt sich ihren Weg – durchs Weißbachtal zwischen Rudersdorf und Wilgersdorf

Die Weiß durchmisst das Tal und gibt ihm seinen Namen. Das Naturschutzgebiet "Weißbachtal" ist ein Kleinod und seit die Weiß nicht mehr in eine begradigte Form gezwängt wird, sondern mäandern darf, nutzen wieder seltene Pflanzen und Tiere die vielfältigen Lebensräume an ihren Ufern.

Durchs Weißbachtal zwischen Rudersdorf und Wilgersdorf

Am liebsten mäandrieren Bäche und Flüsse. In früheren Zeiten ist die Weiß begradigt worden. Durch eingebaute Wehre hat man das Wasser gestaut und auf die Flächen geleitet, um sie zu bewässern. Heute werden Wasserbau-Ingenieure damit beauftragt, Bächen und Flüssen wieder in ein natürliches, kurviges Bett zu verhelfen.

Am liebsten mäandrieren Bäche und Flüsse. In früheren Zeiten ist die Weiß begradigt worden. Durch eingebaute Wehre hat man das Wasser gestaut und auf die Flächen geleitet, um sie zu bewässern. Heute werden Wasserbau-Ingenieure damit beauftragt, Bächen und Flüssen wieder in ein natürliches, kurviges Bett zu verhelfen.

An dieser Stelle im Tal sieht man einen begradigten Abschnitt der Weiß. Früher gab es eine Wiesenbau-Schule im Siegerland, an der Ingenieure ausgebildet wurden, die sich mit Be- und Entwässerung in der Wiesenbewirtschaftung beschäftigt haben. Diese Schule war der Vorläufer des heutigen Fachbereichs "Wasserbau" an der Universität Siegen.

Heute lernen Wasserbauingenieure das Gegenteil: wie man begradigte Bäche und Flüsse renaturiert. Sie graben Ufertaschen aus, nehmen von einem Ufer Boden weg oder legen Totholzbäume quer ins Flussbett, um dem Wasser andere Richtungen vorzugeben. Das Gewässer beginne dann zu pendeln, sagen sie, beginne wieder damit, Ufer auszuwaschen, zu erodieren, und in die Flächen hineinzugehen.

Weiden und Erlen säumen das Ufer der Weiß. Diese Bäume bevorzugen feuchte Standorte und befestigen mit ihrem Wurzelwerk die Ufer. Die unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten mäandrierender Gewässer sind wichtig für bestimmte Insektenlarven und Fische. Um wandern und um laichen zu können.

Die Natur ist dieser Tage in den Startlöchern. Es lohnt sich, beim Spazierengehen den Blick auch einmal zu senken. Hummeln krabbeln aus ihren Erdhöhlen oder Insekten wie der Waldmistkäfer, dessen spektakuläre Farben in der Frühlingssonne schimmern, kreuzen unseren Weg. 

Im Weißbachtal läuft der Wanderer auf Wiesen- und auf befestigten Wegen. Das Tal ist geprägt von Feucht- und Nasswiesen auf denen beispielsweise Binsen wachsen. Ab Mai erwacht hier die komplette Flora und Fauna und wir können viele Pflanzen und Tiere bewundern, die unter Schutz stehen.

Die Tümpel im Weißbachtal sind Laichplatz vieler Amphibien. Im Moment sind nur Wasserläufer zu sehen, die leichtfüßig über das Nass tanzen. Auf den weiten Wiesen im Tal leben außerdem Wasseramsel, Braunkehlchen und Wiesenpieper. Wer großes Glück hat, kann hier einen Eisvogel bei der Jagd beobachten.

Die ersten, die jedes Jahr die Köpfe aus der Erde stecken, sind neben den Schneeglöckchen die Krokusse.

Wer den Spaziergang durchs Weißbachtal in Rudersdorf beginnt, der quert das Viadukt. Güter- und Personenzüge nutzen die historische Brücke. Ganz still ist es hier nicht. Wer jedoch weiter ins Tal hineingeht, vielleicht sogar bis nach Wilgersdorf, der wird nicht mehr gestört von Zügen oder Autos.

Wer durchs Weißbachtal wandert, dem zeigt sich eine interessante Natur, die nur entstehen kann, wenn keine intensive Landwirtschaft betrieben wird, sondern die Natur sich entfalten darf.

Startpunkt der Wanderung

Wer die kürzere Wegstrecke gehen möchte, der kann am Viadukt in Rudersdorf einsteigen:

57234 Wilnsdorf-Rudersdorf
Von der A 45 kommend Richtung Rudersdorf fahren, unter dem Viadukt hindurch, dann rechts und sofort wieder rechts. Eine Allee führt zum Parkplatz. Dort beginnt der Weg A3.

Wer die längere Variante laufen möchte, der kann vom Birkenhof aus losgehen:

Birkenhof
Birkenhof 1
57234 Wilnsdorf-Wilgersdorf

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Übersichtskarte der Spaziergänge durch NRW

Stand: 31.03.2021, 14:05