Eintauchen in Geschichte und Natur – auf dem Rundweg Niederdielfen

Kapelle der Wallfahrtsstätte Eremitage

Eintauchen in Geschichte und Natur – auf dem Rundweg Niederdielfen

Von Andrea Klasen

Die Natur genießen und noch etwas über die Kulturgeschichte der Region erfahren: Eine tolle Kombination für einen Sonntagsspaziergang. Der Rundweg Niederdielfen führt uns vorbei an einer Eremitage, am letzten Förderturm des Siegerlandes, außerdem ist eine Simultankirche in Sichtweite.

Eintauchen in Geschichte und Natur

WDR 4 Spaziergang 07.02.2021 02:30 Min. Verfügbar bis 06.02.2022 WDR 4 Von Andrea Klasen


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Der Rundweg Niederdielfen ist insgesamt 4,3 Kilometer lang. Man kann einen lohnenswerten Abstecher zum Förderturm Grube Grimberg machen. Dann biegt man kurz vor dem letzten Anstieg rechts ab. Ein Pfahl mit Wegezeichen weist die Richtung. Von außen kann der Turm ganzjährig besichtigt werden, das Museum darin ist von Mai bis Oktober jeden zweiten Sonntag von 14-17 Uhr geöffnet. Führungen sind – in normalen Zeiten – nach Vereinbarung jederzeit möglich.

Ein weiterer Höhepunkt dieses Spazierganges ist die Wallfahrtsstätte Eremitage auf dem Rödgen. Die Eremitage ist vollständig erhalten: mit einer Kapelle aus dem 17. Jahrhundert, einem Heiligenhäuschen, dem Grab des ersten dort lebenden Einsiedlers, mit Waldaltar und Kreuzgang (in Coronazeiten nur durch ein Tor zu sehen, der Garten ist geschlossen) sowie der Eremitenklause.

Von der Einsiedelei zum Förderturm

Von Andrea Klasen

Der etwa vier Kilometer lange Rundweg in Niederdielfen mag kurz sein, aber er hat jede Menge zu bieten: Während man durch eine schöne Natur mit beeindruckenden Fernsichten spaziert, erzählen am Wegesrand Kirchen, eine Eremitage und Relikte des Bergbaus von der lebendigen Vergangenheit des Siegerländer Ortes Wilnsdorf.

Kapelle der Wallfahrtsstätte Eremitage

Kapellen am Wegesrand sind immer schön – um inne zu halten und um zu entschleunigen. Die Kapelle der Wallfahrtsstätte Eremitage in Obersdorf-Rödgen stammt aus dem Jahr 1684. Im Innern befindet sich ein Barockaltar. Der letzte Eremit hat vor 250 Jahren hier gelebt. Die Kapelle ist für Besucher geöffnet.

Kapellen am Wegesrand sind immer schön – um inne zu halten und um zu entschleunigen. Die Kapelle der Wallfahrtsstätte Eremitage in Obersdorf-Rödgen stammt aus dem Jahr 1684. Im Innern befindet sich ein Barockaltar. Der letzte Eremit hat vor 250 Jahren hier gelebt. Die Kapelle ist für Besucher geöffnet.

Das gesamte Ensemble der Eremitage. In dem geschieferten Gebäude befand sich von 1953 bis 1966 ein Klarissenkloster. Zwischen diesem Gebäude und der Kapelle erkennt man die noch immer erhaltene Eremitenklause. Das kleine Haus ist eines der ältesten Fachwerkbauten des Siegerlandes. Heute dienen beide Gebäude der Caritas. Hinter dem Gebäudekomplex befinden sich der Kreuzgang und ein Waldaltar. Zur Zeit ist dieser Garten aufgrund der Pandemie-Beschränkungen für Besucher leider nicht zugänglich. Man kann durch ein Tor hineinschauen.

Im Heiligenhäuschen steht Ignatius von Loyola, ein wichtiger Mitbegründer des Jesuitenordens. Davor, eingefasst in ein Geländer, befindet sich das Grab des ersten Eremiten, der von 1700 bis 1733 hier gelebt hat.

Auch die Natur kommt auf den Rundweg Niederdielfen keinesfalls zu kurz. Der Wanderer kann auf der Höhe laufend schöne Panoramen genießen, Weite spüren und durch dichte Wälder streifen. Der Rundkurs ist sehr abwechslungsreich mit kleinen Steigungen.

Am Wegesrand steht eine Bank mit einem Hinweisschild, das den Siegerländer Humor widerspiegelt.

Die Simultankirche St. Johannes Baptist in Obersdorf-Rödgen ist vom Rundweg aus zu sehen. Sie ist eine Siegerländer Besonderheit: Gleich zwei Kirchen sind um den Turm herum gebaut. Eine katholische und eine evangelische. Der Glockenturm in der Mitte wird von beiden Konfessionen genutzt. In der Zeit, als es nur die evangelische Kirche dort gab, kam es immer wieder zum Streit. 1788 konnte der mit einer zweiten – katholischen – Kirche aus dem Weg geräumt werden.

Oberhalb von Niederdielfen steht ein Wegekreuz, "Fahler Stern" genannt. Das Kreuz ist ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen. Von hier oben schaut man auf die Dörfer Niederdielfen und Oberdielfen. Unsere Begleiterin, die Historikerin Corinna Nauck, empfindet so etwas wie Frieden, wenn sie auf diese alten Orte schaut und die ursprünglichen Dorfkerne und alten Straßenverläufe betrachtet. Das sei so vertraut, das sei Zuhause, sagt sie.

Kurz vor dem Ende des Rundweges gibt es die Möglichkeit, einen Abstecher zu machen (eine Beschilderung an einem Pfahl weist darauf hin). Ein Stichweg führt zum sehenswerten Förderturm Grimberg. Das Siegerland war bis in die 60er Jahre Erzbergbaugebiet. Das Haus rechts vom Turm, heute ein Wohnhaus, war damals das Maschinenhaus des Förderturms.

Der Förderturm der Grube Grimberg hat von 1807 bis 1911 seinen Dienst getan. Nach der Stilllegung der Grube wurde er abgerissen und auf ein Schachtgelände nach Bensberg transloziert. 1995 ist er zurückversetzt worden an seine alte Stelle. Er ist heute der einzig erhaltene Förderturm im Siegerland, somit wertvolles technisches Denkmal und Siegerländer Wahrzeichen. 2000 Jahre lang wurde in der Region Erz abgebaut.

Im Förderturm befindet sich heute eine Ausstellung, die die Sozialgeschichte des Siegerländer Bergbaus dokumentiert, von der Historie der Grube Grimberg erzählt und die Arbeit des Markscheiders, des Vermessers im Bergbau, erklärt. Die Ausstellung ist normalerweise von Mai bis Oktober geöffnet.

Einkehrmöglichkeiten

Außerhalb der Pandemie-Zeit gibt es eine Einkehrmöglichkeit direkt neben der Eremitage. Außerdem zahlreiche in Wilnsdorf oder Siegen (hier seien besonders das Naschwerk und die Vernaschbar genannt).

Anfahrt

Wallfahrtsstätte Eremitage (direkt an der B54 zwischen Obersdorf-Rödgen und Abzweig Niederdielfen)
57234 Wilnsdorf

In unmittelbarer Nähe der Eremitage gibt es nur wenige Parkplätze, besser ist es, am Sendemast zu parken. Diese Zufahrt geht rechts von der B54 zwischen Rödgen und Niederdielfen ab (ein gelbes Verkehrsschild weist nach Oberdielfen).

Ein Besuch im nicht weit entfernten Museum Wilnsdorf lohnt sich auch (zur Zeit leider geschlossen).

Wer sich die Simultankirche in Obersdorf-Rödgen ansehen möchte – sie ist nur wenige Autominuten von der Wallfahrtsstätte Eremitage entfernt.

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Stand: 05.02.2021, 11:42