Den Blick einmal senken – Moose entdecken in einem Wald bei Siegen

Moose rund um einen Waldbach

Den Blick einmal senken – Moose entdecken in einem Wald bei Siegen

Von Andrea Klasen

Gerade bei regnerischem Wetter, wenn keine Fernsichten möglich sind und man trotzdem an der frischen Luft Neues und Interessantes entdecken möchte, lohnt es sich, im Wald nach Moosen Ausschau zu halten.

Moose entdecken in einem Wald bei Siegen

WDR 4 Spaziergang 23.02.2020 02:19 Min. Verfügbar bis 21.02.2021 WDR 4 Von Andrea Klasen

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Ohne Moos nix los – Ein spannender Spaziergang für nasses Wetter

Meist suchen wir auf Spaziergängen die Weitsicht, Ausblicke, schöne Panoramen. Doch es lohnt sich, während eines Spaziergangs den Blick auch mal zu senken und in die verborgene Welt der Moose einzutauchen. Moose sind Überlebenskünstler, wichtig in der Waldgemeinschaft, gerade in Zeiten des Klimawandels. Unterwegs in einem Wald bei Siegen.

Moos auf einem Baumstumpf

Moose sind knapp 400 Millionen Jahre alt. Meist breiten sie sich als eine große Fläche aus. Mit Vorliebe bekleiden sie aber auch den Stumpf eines abgeholzten Baumes. Moose haben keine Wurzeln, sondern nur ein Haargeflecht, mit dem sie sich an Mauern, Steine oder Bäume heften.

Moose sind knapp 400 Millionen Jahre alt. Meist breiten sie sich als eine große Fläche aus. Mit Vorliebe bekleiden sie aber auch den Stumpf eines abgeholzten Baumes. Moose haben keine Wurzeln, sondern nur ein Haargeflecht, mit dem sie sich an Mauern, Steine oder Bäume heften.

Einst kamen die Moose aus dem Wasser. Im Gegensatz zu den Algen, die dort geblieben sind, haben die Moose das Land erobert. Sie lieben feuchte Stellen, können aber auch gut mit Trockenheit umgehen. Moose sind fast überall zu finden.

Viele der Fichten in der Wickersbach bei Siegen sind mit Moosen bewachsen. Einen gesunden Baum stört das nicht. Lediglich das Moos muss mit dem sauren Wasser, das von den Baumkronen herabläuft, zurechtkommen, denn das hat einen niedrigen pH-Wert, ist also sauer. Moose ertragen solche sauren Verhältnisse.

Das Haarmützenmoos heißt auch Goldenes Frauenhaar. Es hat auf der Spitze der Kapsel eine kleine goldgelbe Mütze, wenn man genau hinschaut. Es lohnt sich, eine Lupe mitzunehmen, will man den Spaziergang den Moosen widmen.

Das Zypressen-Schlafmoos ist eine weit verbreitete Moosart bei uns. Die Moose sind die Wasserspeicher unserer Wälder: Sie geben das Wasser in ihren Zellen nur langsam wieder ab und sorgen so für Luftfeuchtigkeit. Im Winter, wenn die Laubbäume keine Blätter tragen, nehmen sie das Sonnenlicht auf, produzieren Sauerstoff und absorbieren Kohlendioxid.

Hier haben sich Fichten verjüngt. Da könnten Moose ihre Finger im Spiel gehabt haben, denn auf ihrer Unterseite bilden Moose Humus. Damit bereiten sie den Samen anderer Pflanzen eine gute Kinderstube, denn im Moosteppich herrscht ein Mikroklima, in dem Samen sehr gut keimen.

Im Wald mag man sich die Moose gerne anschauen, doch für viele sind sie ein rotes Tuch im eigenen Garten. Mit Salzen, Flämmen und Kratzen rückt man ihnen dort zu Leibe. Doch warum muss ein Garten immer ordentlich sein? Warum stören Moose viele von uns? Artenschutz und Biodiversität sollten im eigenen Garten beginnen.

Moose sind vielseitig und anpassungsfähig. Sie siedeln sich im Schatten an, dort, wo andere Pflanzen nicht überleben würden. Moose sind sogenannte Pionierpflanzen, Erstbesiedler, die an unwirtlichen Standorten zu finden sind. Auch am und im Wasser wachsen Moose. Vor allem Torfmoose lieben feuchte Untergründe.

Besonders schön ist das Tamarisken-Thujamoos. Moose sind schützenswert und viele von ihnen stehen auf der roten Liste. Wer durch Mooswälder geht, der sollte das sehr vorsichtig tun, um die Pflanzen nicht zu gefährden.

Moose sind auch Herberge für viele Kleinstlebewesen. Insektenlarven finden hier Schutz und ein Winterquartier. Moose tun also insgesamt sehr viel für die Waldgemeinschaft, man könnte auch sagen: ohne Moos nix los.

Im Grunde kann man in jedem Wald nach Moosen suchen und sie bestimmen. Für unseren Spaziergang waren wir in der Wickersbach, in Siegen-Trupbach unterwegs.

Wer Moose einmal eingehender betrachtet, der entdeckt, wie schön sie sind. Und sie haben oft sehr interessante Namen: Mannagras, Gabelzahnmoos, Sternmoos, Tamarisken-Thujamoos oder welliges Katharinenmoos, weil die alten Botaniker damit ihre Wertschätzung den Moosen gegenüber ausgedrückt haben. Moose kommen oft unscheinbar daher, sind aber wichtig für die Waldgemeinschaft. Es lohnt sich, sich mit ihnen zu beschäftigen und über ihre Fähigkeiten zu staunen. Bitte achtsam durchs Gelände gehen, um die Pflanzen nicht zu zerstören. Am besten eine Lupe mitnehmen, um diese kleinen Pflanzen besser studieren zu können.

Anfahrt

Wickersbacher Weg
Siegen-Trupbach

Am Ende des Weges parken und in den Fichtenwald gehen. Weiter hinten trifft man auf einen der Bäche.

Der Biologe Ulrich Banken bietet dort Führungen an: 0271 35 11 67.

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Stand: 19.02.2020, 11:50