Bizarr schön – das Littfelder Grubengelände bei Kreuztal

Bizarr schön - das Littfelder Grubengelände bei Kreuztal

Bizarr schön – das Littfelder Grubengelände bei Kreuztal

Von Andrea Klasen

Wer Naturschätze entdecken will, der ist im ehemaligen Grubengebiet in Littfeld gut aufgehoben. Hier ist genaues Hinsehen gefragt und die Bereitschaft, sich auf eine eigentümliche Landschaft einzulassen.

Bizarr schön - das Littfelder Grubengelände bei Kreuztal

WDR 4 Spaziergang 28.06.2020 02:19 Min. Verfügbar bis 27.06.2021 WDR 4 Von Andrea Klasen

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Rückzugsort für Spezialisten - seltene Arten im Littfelder Grubengelände

Jahrhundertelang wurden Eisenerze bei Kreuztal-Littfeld im Siegerland abgebaut. Die Böden sind noch heute mit Schwermetallen wie Zink, Blei oder Quecksilber belastet. Ein unwirtlicher Ort? Keineswegs. Hier haben sich Tiere und Pflanzen angesiedelt, die mit extremen Lebensbedingungen klarkommen. 

Bizarr schön - das Littfelder Grubengelände bei Kreuztal

Wo einst schwer gearbeitet wurde, findet sich heute ein Kleinod. Die Gewässer der ehemaligen Gruben sind nun ein spezielles Biotop. Die gelben Teichrosen und die Schwertlilien sorgen für einen ganz besonderen Naturzauber. Viele Libellen schwirren durch die Luft und Frösche hüpfen von Blatt zu Blatt.

Wo einst schwer gearbeitet wurde, findet sich heute ein Kleinod. Die Gewässer der ehemaligen Gruben sind nun ein spezielles Biotop. Die gelben Teichrosen und die Schwertlilien sorgen für einen ganz besonderen Naturzauber. Viele Libellen schwirren durch die Luft und Frösche hüpfen von Blatt zu Blatt.

Die Geburtshelferkröte steht europaweit unter strengem Schutz. Im Littfelder Grubengebiet findet sie ideale Lebensbedingungen: Gewässer und vegetationsfreie sonnige Halden, in die sie ihre Höhlen gräbt, wo sie tagsüber ruht. Bei den Geburtshelferkröten tragen die Männchen die Eier erst circa sechs Wochen auf ihrem Rücken, bevor sie die schlupfbereiten Kaulquappen in den nahe gelegenen Teichen und Tümpeln absetzen.

Eine Abraumhalde. Orte, an denen sich Reptilien wie die Zauneidechse wohlfühlen. Auch sehr anpassungsfähige Pflanzen siedeln sich auf diesen Schuttbergen an, weil sie hier nicht in Konkurrenz mit anderen stehen und deshalb überleben können. Das ist das Prinzip der Spezialisten im Pflanzen- und Tierreich. Im Littfelder Grubengelände gibt es viele von ihnen.

Zum Beispiel das Taubenkropf-Leimkraut. Es kann auf steinigen Böden wachsen, da, wo fast nichts mehr ist. Dieses Nelkengewächs ist tolerant gegenüber den Schwermetallen, die hier im Boden lagern. Es gibt Pflanzen, die diese Metallkonzentrationen wieder ausscheiden können oder sie in bestimmten Organen akkumulieren. So verhindern sie, toxischen Schaden zu nehmen.

Neben kleinen Wäldchen, Gewässern und Halden als Lebensraum, kommt der Spaziergänger an sogenannten Schwermetallrasen vorbei. Diese Flächen müssen offen gehalten werden, damit Pflanzen wie die Grasnelke ihre Nische finden. Tiere können zum Kurzhalten der Wiesen nicht eingesetzt werden, zu groß ist die Schadstoffbelastung der Futterpflanzen. Diese Flächen werden teilweise von Hand entbuscht und gemäht. Die Mahd muss entsorgt werden und kann nicht als Heu dienen.

Die Grasnelke ist auch eine Spezialistin, die mit Schwermetallen zurecht kommt. Sie braucht Magerwiesen und offene Flächen. Die Grasnelke mag unscheinbar daher kommen, aber sie ist eine Pflanzenart von europäischem Interesse. Seit 1991 ist das Littfelder Grubengelände Naturschutzgebiet, darüberhinaus sogar FFH-Gebiet (spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz).

Diese Kostbarkeit findet nur derjenige, der weiß, wonach er suchen muss. Das gefleckte Knabenkraut gehört zu den Orchideen und wächst hier im Straßengraben. Selbstverständlich ist es verboten, Pflanzen in Naturschutzgebieten zu pflücken. Bewundern aber dürfen wir sie.

Auch das Wollgras ist hier zu Hause. Es wächst entlang der vielen kleinen Bäche, die sich durch das Gebiet schlängeln. In den sogenannten Bergbaufolgelandschaften gibt es immer Tümpel, Weiher und kleine Bäche, die heute Refugium für seltene Arten sind.

An manchen Stellen ist das Wasser rötlich gefärbt. Wegen der Eisenerze im Boden. Spaziergänger sollten in diesem Gebiet weder Wasser aus Bächen trinken, noch Beeren pflücken. Das Wandern dort ist jedoch unbedenklich.

Im Littfelder Grubengebiet gibt es unterschiedliche Gewässertypen. Manche trocknen im Laufe des Sommers aus, was für bestimmte Amphibien sogar wichtig ist. Der große Weiher aber hat immer Wasser. Die gelbe Teichrose braucht viel Raum für ihre tiefen Wurzeln. Sie wird auch Teichmummel genannt und gehört zu den Seerosengewächsen.

Starten kann man am besten auf dem Wanderparkplatz auf dem Altenberg zwischen Hilchenbach-Müsen und Kreuztal-Littfeld. Von dort oben kann man sich rechter Hand entlang der schmalen Straße, die nach Littfeld führt, entlang arbeiten. Kleine Pfade führen durch das Wäldchen, von einer Halde aus hat man einen wunderbaren Blick nach Littfeld.

Bergab laufend kommt man an den Schwermetallrasen vorbei und gelangt am Ende des Spazierganges zu den Tümpeln und Weihern.

Bitte auf den Wegen bleiben, keine Pflanzen abreißen und sich an die Regeln halten, die in einem Naturschutzgebiet gelten. Tafeln erklären Wissenswertes über die Tiere und die Pflanzen im Gebiet.

Die Biologische Station Siegen-Wittgenstein und die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein bieten Führungen im Littfelder Grubengebiet an.

Anfahrt:

Wanderparkplatz zwischen Hilchenbach-Müsen und Kreuztal-Littfeld
Müsener Straße
57271 Hilchenbach-Müsen

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Stand: 25.06.2020, 12:10