Der Käferweg bei Beddelhausen in Wittgenstein führt uns durch unsere Realität

Der Käferweg bei Beddelhausen in Wittgenstein

Der Käferweg bei Beddelhausen in Wittgenstein führt uns durch unsere Realität

Von Andrea Klasen

Der Käferweg ist kein idyllischer Spaziergang, sondern ein Weg, der uns nachdenklich macht. Die Folgen des Klimawandels sind hier deutlich zu sehen. Der Weg führt vorbei an abgeräumten Fichtenplantagen und kranken Bäumen.

Der Käferweg bei Beddelhausen in Wittgenstein führt uns durch unsere Realität

WDR 4 Spaziergang 14.11.2021 02:22 Min. Verfügbar bis 13.11.2022 WDR 4 Von Andrea Klasen


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Vom Sportplatz Beddelhausen zum Berg Hohenstift

Nur wer gut zu Fuß ist, sollte den Käferweg laufen, denn er ist an vielen Stellen unwegsam und sehr matschig. Häufig liegen auch Bäume über dem Weg, die überwunden werden müssen.

Ziel des Käferweges ist der Berg Hohenstift (Höhe über NN: 610 m), von dem aus man eine beeindruckende Rundum-Fernsicht hat. Das südliche Wittgenstein mit den Orten Arfeld, Dotzlar, Schwarzenau, Hüttental, Beddelhausen und Richstein ist zu sehen. Bei klarem Wetter ist der Turm vom Kahlen Asten von hier oben zu erkennen.

Den Käferweg können wir am Sportplatz Beddelhausen starten.

Wir gehen dann in Richtung des Seniorenheims "Haus Ederhöhe". Dort geht es links über die Brücke und wir folgen dem Lauf des Tiefenbachs.

Den "Käferweg" zur "Käferbude"

Nach einem Kilometer gehen wir rechts auf eine Teerstraße, der wir folgen, bis wir auf dem Plateau angelangt sind. Dort zweigt ein Wanderweg rechts Richtung "Hohenstift" ab. Auf dem Gipfel steht die "Käferbude" für eine Brotzeit. Errichtet von den Jugendlichen des Ortes Beddelhausen. In einem Gipfelbuch können wir uns eintragen und unsere Eindrücke für die Nachkommenden festhalten.

Über den Grat steigen wir wieder hinab, gehen "auf Sicht" und suchen uns einen Weg zurück nach Beddelhausen.

Der Käferweg ist etwa zehn Kilometer lang. Rucksackverpflegung und Wechselgarderobe (und eine winddichte Jacke für den Gipfel) sind von Vorteil.

Käferweg in Beddelhausen – ein Spaziergang, der nachdenklich macht

Wittgenstein war vormals geprägt durch Fichten-Monokulturen. Durch den Käferfraß hat sich das Landschaftsbild vielerorts drastisch verändert. Der Käferweg führt durch unsere heutige Realität.

Der Käferweg bei Beddelhausen in Wittgenstein

Am Wegesrand stehen überall meterhohe Polder. Das Fichtenholz ist auf Maß gesägt und wartet auf seinen Abtransport. Der Käferweg führt uns den Klimawandel vor Augen. Eine traurige Wirklichkeit, direkt vor unserer Haustür. - Auf der anderen Seite, wie 2007 nach dem Orkan Kyrill, schafft die Abholzung der kranken Fichtenwälder neue Fernsichten.

Am Wegesrand stehen überall meterhohe Polder. Das Fichtenholz ist auf Maß gesägt und wartet auf seinen Abtransport. Der Käferweg führt uns den Klimawandel vor Augen. Eine traurige Wirklichkeit, direkt vor unserer Haustür. - Auf der anderen Seite, wie 2007 nach dem Orkan Kyrill, schafft die Abholzung der kranken Fichtenwälder neue Fernsichten.

Innerhalb weniger Tage werden solche Flächen abgeerntet. Tag und Nacht sind Harvester und Rückemaschinen dann im Einsatz. Zurück bleibt eine Art Mondlandschaft. Die Fichten, die hier einmal standen, waren durch die Trockenheit der letzten Jahre geschwächt und leichte Beute für den Borkenkäfer. Die Fichten konnten durch den langanhaltenden Mangel an Wasser keine Harze mehr bilden, um sich vor Schädlingen zu schützen. Ein geschwächter Baum hat keinen Schutzmechanismus mehr.

Der Käferweg führt über schlammige Wege. Der Boden ist durch die Maschinen teils so verdichtet, dass dort über Jahre nichts mehr wachsen wird. Auf den Flächen links und rechts der Fahrrinnen hatte sich über den Sommer bereits der Fingerhut angesiedelt.

An diesem Hang ist anders geerntet worden; Waldarbeiter aus Südtirol haben hier Fichten gefällt und dann mit einer Seilbahn hochgezogen. Man kann erkennen, dass diese Methode viel schonender ist und die Naturverjüngung sofort nachwachsen kann. Die Natur wird uns zeigen, wie sie wachsen will. Wir sollten auf sie hören. Auch ein natürlich gewachsener Wald kann forstwirtschaftlich genutzt werden, sagen Fachleute. Er sei sogar viel robuster. Im Hintergrund ist Beddelhausen zu sehen.

Romantik findet der Spaziergänger nur am Anfang des Käferweges. Er führt an einem Weiher vorbei, in dessen Wasser sich die bunt gefärbten Laubbäume spiegeln.

Auf den ersten Metern zeichnet sich das Thema des Weges bereits ab: Eine Fichte liegt über dem Pfad. Nach diesem "verwunschenen" Abschnitt gehen wir an den abgeernteten Flächen vorbei, die jetzt die Landschaft rund um Beddelhausen prägen.

"Der Klimawandel ist überall irgendwie anders, aber hier bei uns ist er so", sagt mein Begleiter Markus Gerhard, der in Beddelhausen wohnt und in diesen Wäldern aufgewachsen ist. Es liegt an uns Menschen, die Wende in der Klimapolitik jetzt endlich einzuläuten. Die noch stehenden, vertrockneten Fichten und die bereits abgeernteten Wälder führen uns die dramatischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte klar vor Augen. – Hier zu sehen der Grat, der vom Hohenstift hinab ins Tal führt.  

Der Käferweg ist trostlos, bietet aber auch völlig neue Fernsichten in den südlichen Teil Wittgensteins. Außerdem kann man nun sehen, wie die Bergkuppen geformt sind. Bewaldet wirkten sie rund, nun sehen wir ihre natürliche "nackte" Gestalt. Wir können gespannt sein, wie die Natur nun nachwächst, wenn man sie denn lässt. "Der Wald ist kein Dienstleister, sondern ein eigenständiges System", sagt die Dokumentar-Filmerin Lisa Eder, deren Film „Der wilde Wald“ dieser Tage in den Kinos anläuft.

Zielpunkt des Käferweges ist der 610 Meter hohe Gipfel des Hohenstifts. Bis vor kurzem noch bewachsen mit Fichten. Jetzt steht dort nichts mehr und wir haben weite Panoramen vor uns. Bei klarem Wetter ist von hier aus der Turm vom Kahlen Asten zu sehen. Außerdem blicken wir auf den Süden Wittgensteins. Beddelhausen ist zu erkennen, rechts liegt das hessische Hatzfeld.

Auf dem Gipfel des Hohenstifts angekommen. Unter uns das Örtchen Richstein. Parkähnlich liegt die vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft da. Zwischen den Laubbäumen stehen braune Fichten. Von hier oben kann man sich ein Bild über den Zustand unseres Waldes machen. Der Käferweg macht nachdenklich.

Anfahrt:

Startpunkt:
Sportplatz Beddelhausen
Ederhöhe (Name der Straße)
57319 Bad Berleburg-Beddelhausen

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Stand: 03.11.2021, 14:11