Von Erzen, Pingen und Glücksrädern – unterwegs auf alten Bergmannspfaden

Unterwegs auf alten Bergmannspfaden

Von Erzen, Pingen und Glücksrädern – unterwegs auf alten Bergmannspfaden

Von Andrea Klasen

Wer Kulturgeschichte und Naturerleben in einem Spaziergang vereinen möchte, dem sei der Rundwanderweg auf der Eisernhardt bei Siegen empfohlen. Hier ist Bergbaugeschichte spürbar.

Unterwegs auf alten Bergmannspfaden

WDR 4 Spaziergang 26.01.2020 02:16 Min. Verfügbar bis 24.01.2021 WDR 4 Von Andrea Klasen

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Die Geschichte des Erzabbaus im Siegerland geht bis circa 500 v. Chr. zurück. In der vorindustriellen Zeit haben Familien die kleinen Bergwerke betrieben. Später, als man auf dem internationalen Markt mithalten musste, war der Bergbau im Siegerland hoch mechanisiert. 1965 war dann Schluss mit dem Erzabbau.

Um an die regionale Montangeschichte zu erinnern und sie vor dem Vergessen zu bewahren, hat sich vor über fünfzehn Jahren der "Verein für Siegerländer Bergbau" gegründet. Die Mitglieder wollten Relikte wieder sichtbar machen, haben zugeschüttete Stollen freigelegt oder Stollenmundlöcher restauriert. Sie haben auch den Rundwanderweg mit 26 Erklärtafeln angelegt, der den Spuren der Bergbautradition auf der Eisernhardt bei Siegen folgt.

Glück auf! – unterwegs auf alten Siegerländer Bergmannspfaden

Von Andrea Klasen

Beim Thema "Bergbau" denkt jeder zuerst an die Bergwerke im Ruhrgebiet. Doch auch im Siegerland gab es Bergleute, die zwar keine Steinkohle förderten, aber Eisenerze und Buntmetallerze aus der Erde holten. Ein Rundwanderweg auf der Eisernhardt bei Siegen folgt den Spuren dieser südwestfälischen Montangeschichte.

Unterwegs auf alten Bergmannspfaden

Dieser Stein erzählt vieles: Hier ist eine sogenannte "Bohrlochpfeife" von einem kleinen Handbohrer zu sehen. Der wurde gebraucht, um mit einer Schwarzpulver-Sprengung das Gestein zu lösen. Neben der Bohrlochpfeife sind noch Schrämspuren zu erkennen. Selten, dass zwei Relikte auf einem Stein zu sehen sind.

Dieser Stein erzählt vieles: Hier ist eine sogenannte "Bohrlochpfeife" von einem kleinen Handbohrer zu sehen. Der wurde gebraucht, um mit einer Schwarzpulver-Sprengung das Gestein zu lösen. Neben der Bohrlochpfeife sind noch Schrämspuren zu erkennen. Selten, dass zwei Relikte auf einem Stein zu sehen sind.

Das Wegzeichen des Rundwanderwegs zeigt Schlägel und Eisen. Wichtige Werkzeuge der Bergleute. Der Wanderweg lässt sich in unterschiedlich lange Wegstrecken einteilen. Der Wanderer kann zwischen 3,5 und 7,5 Kilometern zurücklegen. 26 Tafeln erklären die Bergbaugeschichte bei Siegen.

Man muss die Spuren in der Landschaft lesen können. Diese unterschiedlich großen Kuhlen, von den Bergleuten "Pingen" genannt, sind Vertiefungen in der Erde, an denen vormals der Erzgang zutage ausgegangen und abgebaut worden ist. Die Bergleute konnten etwa an "Zeigerpflanzen" erkennen, ob sich Erze in der Erde befinden. Außerdem war die Erde in der Nähe von einem Erzgang rot gefärbt. Es wurde aber auch mit Wünschelruten nach Erzgängen gesucht, weil Erzgänge Störungen im Gebirge und daher oft wasserführend sind.

Vor über 15 Jahren hat der "Verein für Siegerländer Bergbau" damit begonnen, Relikte der heimischen Montangeschichte wieder freizulegen und sichtbar zu machen. Im Laufe der Jahre sind so 26 Stationen entstanden, an denen der Spaziergänger etwas über den Bergbau erfahren kann. Der Wanderweg führt durch teils wunderschöne Waldabschnitte.

Der Stollen "Neues Glücksrad" liegt auch am Weg. Hier bekommt man nasse Füße. Bergbau war auch eine feuchte Angelegenheit. Über sogenannte Lösungsstollen wurde das Wasser aus dem Berg geleitet, um dann arbeiten zu können.

Der Stolleneingang der ehemaligen Grube "Mittleres Glücksrad". In der vorindustriellen Zeit wurden die Bergwerke von Familien betrieben, die das neben ihrer Landwirtschaft und der Arbeit im Hauberg machten. Der "Verein für Siegerländer Bergbau" hat die Stollenmundlöcher wieder so hergerichtet, wie sie im 19. Jahrhundert aussahen.

Der Stollen "Altes Glücksrad". Die Tür des Stollens lässt sich öffnen. Man muss ganz schön die Schultern einziehen. Drei, vier Meter geht es in den Stollen hinein.

Mit Hilfe eines Akku-Lichtes kann der Besucher in den Stollen hineinsehen. Hier bekommt man ein Gefühl dafür, wie beengt und widrig die Arbeit in den Gruben war. Der "Verein für Siegerländer Bergbau" hat die Stollen für Besucher wieder begehbar gemacht, um Bergbau spürbar zu machen.

In den Stollen überwintern heute zwei Fledermausarten: Mausohrfledermäuse und  Bartfledermäuse. Sie mögen die Temperaturen im Stollen, die bei circa neun Grad liegen.

Wer auf den alten Bergmannspfaden bei Siegen wandelt, dem bieten sich auch schöne Fernblicke in die Landschaft. Der Weg verbindet Kulturgeschichte des Siegerlandes und das Erleben von Natur miteinander.

Anfahrt:

A 45
Abfahrt "Siegen Süd"
Dann der Leimbachstraße folgen. Dritte Ausfahrt im Kreisel nehmen. Am Parkplatz "Faule Birke" beginnt der Wanderweg, der sich in unterschiedliche Routen aufteilen lässt.

Es können auch Führungen gebucht werden.

Weiterführende Informationen zum Spaziergang

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Stand: 23.01.2020, 13:19