Die Ware Hund

Die Ware Hund

  • Welpen kommen oft aus illegalen Vermehrungsfarmen
  • Verkäufer nutzen Mitleid von Tierliebhabern aus
  • Am besten im Tierheim kaufen

Sie kommen aus kleinen Zwingern in Rumänien, Ungarn und Bulgarien und werden in Deutschland zu Discount-Preisen verkauft. Trotzdem sind Illegale Hundewelpen kaum ein Thema - weil man nur wenig über die Hintergründe weiß.

Hohe Dunkelziffer bei illegalen Welpen

Fakt ist: Jede Woche wird in Deutschland ein Schmuggeltransport mit illegalen Welpen entdeckt. Meistens zufällig. Die Dunkelziffer dürfte daher deutlich höher liegen. Bis zu 200.000 Welpen sollen jedes Jahr nach Deutschland verkauft werden. Besonders beliebt sind die Rassen Zwergspitz, Chihuahua, Malteser und Labrador.

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Die illegalen Hundewelpen wachsen in der Regel in Vermehrungsfarmen in Osteuropa auf. Dort liegen oft 200 Welpen dicht an dicht in kleinen Zwingern. Viele leiden unter Milben, Läusen, Würmern und entzündeten Augen. Und als Futter gibt es etwa verweste Fleischreste und Innereien.

Noch größeres Leid machen die Muttertiere durch, die von den Händlern als "Gebärmaschinen" gehalten werden. Und die Rüden, die mit Hieben, Tritten oder Stromschlägen zum Decken gezwungen werden. Wer keine Welpen mehr produziert wird getötet - und ersetzt.

Riskanter Transport

Wenn die Welpen dann noch im Säuglingsalter von vier Wochen ihre Reise antreten, fahren nicht die Züchter selbst. Stattdessen ziehen viele einzelne Fahrer mit kleinen Lieferungen los. So ist der Schaden nicht allzu groß, falls doch mal eine Lieferung auffliegt. So sinkt auch die Chance, dass die Züchter den Behörden ins Netz gehen. Lieferanten, die erwischt werden, kommen mit Geldstrafen davon.

Manchmal überleben die kranken, erschöpften und oft von Parasiten befallenen Welpen die strapaziöse Überfahrt nicht. Es wird geschätzt, dass jedes vierte Hundewelpen verstirbt - während der Fahrt, oder bei seinem neuen Besitzer.

Deshalb müssen die Welpen so schnell wie möglich verkauft werden. Zum Beispiel in Facebook-Gruppen, über Instagram-Hashtags wie #dogforsale oder via "Ebay Kleinanzeigen", wo täglich hunderte Hundewelpen angeboten werden - egal ob legal, oder illegal.

Ein Hundewelpen bekommt man im Netz schon ab 300 bis 800 Euro. Wenn es besonders eilt, kann der Preis sogar auf 100 Euro runtergehen. Zum Vergleich: Bei einem legalen Züchter kosten reinrassige Hundewelpen zwischen 1.000 und 2.000 Euro.

Mitleid kann Hundeleid erzeugen

Schwarzer Welpe im Tierheim

Fast täglich kommen neue Welpen in rumänische Tierheime – eine Schwemme, der die Tierschützer kaum Herr werden.

Oftmals setzen die Verkäufer bei ihren Verhandlungen auf Mitleid. Den Interessenten soll das Gefühl vermittelt werden, dass sie mit ihrem Kauf ein Hundebaby auf ihrem Leid befreien und glücklich machen können. Doch viele Käufer ahnen nicht, dass sie mit damit nur noch mehr Leid erzeugen. Denn steigt die Nachfrage, stocken auch die Züchter auf. Für jedes verkaufte Hundewelpen kommen etwa fünf neue nach.

Andere Händler sind noch skrupelloser und fälschen Dokumente, nach denen ihre Welpen dann wahlweise geimpft, gechipt und reinrassig sein sollen. Dafür verlangen sie dann schon mal vierstellige Beträge. Insgesamt sollen die Züchter allein mit dem Handel in Deutschland 400 Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Wer mit einem illegalen Welpen erwischt wird, auf den kommen oft Zahlungen zu. Ein Hund, der nicht gegen Tollwut geimpft ist, kommt beispielsweise erstmal drei Wochen in Quarantäne - für mindestens 20 Euro am Tag. Die Kosten trägt der Besitzer.

Und selbst wenn das Welpen körperlich gesund erscheint, können sich noch Schäden in seiner Psyche verbergen. Weil die Züchter die Tiere nicht bei ihrer Mutter aufwachsen lassen, fehlt ihnen die wichtige Sozialisierungsphase. Die Hunde tragen Angst, Misstrauen und Aggressivität in sich. Dazu ist ihr Immunsystem nicht fertig entwickelt und kann Krankheiten nicht richtig abwehren.

Wie kannst du dich gegen illegale Händler absichern?

Wenn du bei einem seriösen Züchter kaufen willst, lass dir die Zuchtanlage zeigen, am besten mehrmals und unangekündigt. Macht sie einen guten, sauberen Eindruck?

Lass dir das Muttertier mit den Welpen zeigen. Macht sie einen gesunden Eindruck? Hat sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Wurf? Wenn dir ein Welpen auf einem Parkplatz oder bei ebay Kleinanzeigen angeboten werden, ist der Händler mit großer Wahrscheinlichkeit unseriös - und seine Welpen illegal.

Am besten schaust du in deinem örtlichen Tierheim vorbei. Dort warten oftmals gesunde, schöne Hunde auf ein neues Zuhause – ärztlich untersucht, entwurmt, entfloht, kastriert, tätowiert, geimpft. Und schon ab 200 EUR.

Stand: 06.03.2019, 12:00