Die Niederlande: Von Windmühlen, Tulpen und Grachten

Von Antonia Kasparek

Ob Radfahren, Städtetrip, Kunsttour oder Badeurlaub – die Niederlande bieten für jeden das Passende. Kein Wunder, dass gerade Urlauber aus NRW gerne die Ferien bei den Nachbarn verbringen.

Rot-weißer Leuchtturm inmitten einer Dünenlandschaft

Das Urlaubsziel schnell erreichen? Zumindest für die Einwohner Nordrhein-Westfalens kein Problem. Egal, ob für einen längeren Strandurlaub, zum Camping oder einen kurzen Städtetrip – nach rund zwei Stunden Fahrt kann man durch Amsterdams Grachten schippern, sich eine Ausstellung in Leeuwarden anschauen oder in Zeeland am Meer sitzen. Der schöne Lollipop-Leuchtturm steht übrigens in Nieuw-Haamstede in Westenschouwen.

Das Urlaubsziel schnell erreichen? Zumindest für die Einwohner Nordrhein-Westfalens kein Problem. Egal, ob für einen längeren Strandurlaub, zum Camping oder einen kurzen Städtetrip – nach rund zwei Stunden Fahrt kann man durch Amsterdams Grachten schippern, sich eine Ausstellung in Leeuwarden anschauen oder in Zeeland am Meer sitzen. Der schöne Lollipop-Leuchtturm steht übrigens in Nieuw-Haamstede in Westenschouwen.

Von einem Leuchtturm in Südholland geht es zu einem im Norden der Niederlande – genauer gesagt auf Texel. Die Insel ist ein Naturparadies mit langem Sandstrand, Dünen, einer bunten Heidelandschaft und dichten Wäldern. Sie ist die größte der Westfriesischen Inseln und grenzt an ihrer Westküste an die Nordsee und an der Ostküste ans Wattenmeer. Die Anreise erfolgt über eine Fähre, die zwischen Den Helder auf dem Festland und der Insel Texel verkehrt.

Die Niederlande kann man sich ohne Tulpen nicht vorstellen. Es kam im 17. Jahrhundert, im sogenannten Goldenen Zeitalter, zu einer regelrechten Tulpenmanie, in der Tulpenzwiebeln zum Spekulationsobjekt wurden. In der Zeit zwischen 1630 und 1650 kannte man rund 800 namentlich unterschiedliche Tulpensorten. Auch heute haben die Tulpen nichts von ihrer Beliebheit eingebüßt. Ein Besuch zur Tulpenblüte – zum Beispiel im berühmten Keukenhof in Südholland – sollte man sicht daher nicht entgehen lassen.

Die Niederlande sind eines der vier autonomen Länder des Königreiches der Niederlande. (Die anderen drei Länder sind die Karibikinseln Aruba, Curaçao und Sint Maarten.) Es wird durch die Nordsee im Norden und Westen, Belgien im Süden und Deutschland im Osten begrenzt. Die Hauptstadt der Niederlande ist Amsterdam, der Regierungssitz Den Haag. Die Niederlande sind eine konstitutionelle Monarchie. Das Staatsoberhaupt ist der Verfassung zufolge der König. Er ernennt offiziell den Ministerpräsidenten und die Minister, zusammen formen sie die Regierung. Die niederländische Gesellschaft gilt weltweit als eine der liberalsten und freiesten. Das Königshaus mit König Willem-Alexander, seiner Frau Máxima und ihren drei Töchtern Kronprinzessin Catharina-Amalia, Prinzessin Alexia und Prinzessin Ariane ist in der Bevölkerung überaus beliebt.

Das niederländische Königshaus stammt übrigens vom (teilweise deutschen) Haus Oranien-Nassau ab. Hiervon leitet sich auch der Begriff "Oranje" ab. Traditionell wird daher auch am "Koningsdag" (Königstag), dem Nationalfeiertag in den Niederlanden, alles in Orange, der Farbe des Königshauses von Oranien, geschmückt. Viele Niederländer kleiden sich in Orange. Landesweit wird mit Paraden, Volksfesten und Konzerten der Geburtstag des Königs bzw. der Königin gefeiert. Seit 2014 wird er zu Ehren des Königs Willem-Alexander am 27. April oder am Samstag, 26. April gefeiert.

Bis 2013 hieß dieser Tag "Koninginnedag" und fand jährlich meist am 30. April statt, dem Geburtstag von Königin Juliana, der Mutter von Königin Beatrix. Am 30. April 2013 dankte Königin Beatrix zugunsten ihres Sohnes Willem-Alexander ab – 33 Jahre lang hatte sie an der Spitze des niederländischen Staates gestanden. Verheiratet war sie mit dem deutschen Diplomaten Claus von Amsberg. Unvergessen ist der Auftritt von Entertainer Hape Kerkeling 1991 in Berlin, als er sich als verkleidete Königin Beatrix zum Staatsempfang ins Schloss Bellevue einschleichen wollte.

Zu unserem niederländischen Nachbarn haben wir Deutschen eben eine besondere Beziehung. Im Fußball war sie manchmal etwas schwierig, wenn die "Oranjes" gegen die "Mannschaft" antraten. Ihren bisher größten Erfolg feierte die "Elftal" 1988 mit dem Titelgewinn der Europameisterschaft.

Ein besonders gutes Verhältnis haben wir Deutsche aber auch zu Rudi Carrell. Der Entertainer, Showmaster, Sänger und Schauspieler war in Deutschland seit den 60er Jahren sehr erfolgreich und beliebt. Er moderierte bekannte Unterhaltungsshows wie "Am laufenden Band". Geboren wurde er übrigens als Rudolf Wijbrand Kesselaar 1934 in Alkmaar. Kurz vor seinem Tod saß Rudi Carrell für eine Bronzebüste von Bildhauer Carsten Eggers Modell. Das Kunstwerk wurde noch zu seinen Lebzeiten fertig und steht jetzt in Alkmaar. Rudi Carell lebte seit 1965 mit Unterbrechungen in Deutschland. 2006 starb er in Bremen.

Die Stadt Alkmaar in Nordholland ist auch berühmt für ihren Käsemarkt. Von April bis September kann man jeden Freitag ab 10 Uhr vormittags verfolgen, wie der Käse nach jahrhundertealter Tradition verhandelt wird. Bereits im Jahr 1365, als es nur eine einzige Waagschale gab, wurde auf dem Waagplein der Käse verhandelt. Frühmorgens wird er angeliefert, und die Käsemarktmeister und Händler kontrollieren, ob die Käselaibe schön gestapelt sind. Bis zu 30.000 Kilo beziehungsweise 2.200 Laibe liegen aufgereiht und warten auf die Käufer. Im Juli und August gibt es dienstags auch einen Abend-Käsemarkt. Wer in Alkmaar zu Besuch ist, darf dieses farbenprächtige und folkloristische Spektakel auf keinen Fall verpassen. Vielleicht trifft man dort sogar auch "Frau Antje".

Ein weiteres Wahrzeichen sind die Windmühlen, die bekanntesten stehen am Kinderdijk, rund 15 Kilometer südlich von Rotterdam. In zwei langen Reihen stehen sich die Mühlen gegenüber und schöpfen aus zwei Entwässerungskanälen. Hier steht auch die Windmühle mit dem größten Flügeldurchmesser der Niederlande mit 29,56 Metern. Die 19 gut erhaltenen Mühlen wurden um 1740 erbaut und stehen hier als Teil eines umfangreichen Wasserwirtschaftssystems zur Prävention gegen Überflutungen. Sie gehören zu den schönsten Ausflugszielen und wurden 1997 auf die Weltkulturerbe-Liste der Unesco gesetzt. Von Rotterdam aus werden Schiffsausflüge dorthin angeboten.

Im Bereich Wasserwirtschaft und Prävention gegen Überflutungen macht den Niederlanden niemand etwas vor. Ein beeindruckendes Bauwerk gegen Sturmfluten sind die Deltawerke Neeltje Jans – eine künstliche, unbewohnte Insel in der niederländischen Provinz Zeeland. Diese Sturmbarriere ist mit einer Betongarantie von 200 Jahren und 45 Meter breiten Stahltoren ausgestattet. Im Deltapark Neeltje Jans, einem Freizeitpark auf der Insel, steht die Beziehung der Niederlande zum Wasser im Mittelpunkt: von der Flutkatastrophe des Jahres 1953 bis hin zum Bau der berühmten Deltawerke. Es gibt Ausstellungen, Filmvorführungen und die Möglichkeit, das Sturmflutwehr selbst zu besuchen. Angeschlossen ist auch ein Wasser-Vergnügungspark mit Aquarium, Seehund- und Seelöwen-Shows sowie der Möglichkeit mit Haien zu schwimmen. Ein Besuch des Mottoparks ist eine tolle Idee für einen Tagesausflug.

Der Landesname Niederlande kommt von "de Lage Landen", also die tief oder niedrig liegenden Länder, da es in den Niederlanden kein Gebirge (nein, Dünen gehören nicht dazu) und nur wenige Erhöhungen gibt. Deshalb ist auch ein umfangreicher Wasserschutz – massive Deichbaumaßnahmen und Sperrwerke – nötig, um sich vor Meereshochwasser zu schützen.

Amsterdam, die Hauptstadt der Niederlande, ist immer einen Besuch wert, bei dem man auf jeden Fall eine Grachtenfahrt einplanen sollte. Aus der Luft betrachtet wird der einzigartige Grundriss Amsterdams am besten sichtbar. Wie Zwiebelschalen legen sich die Grachten um das mittelalterliche Zentrum, die Hauptgrachten sind durch kleine Nebengrachten verbunden. 2010 hat die Unesco den Grachtengürtel zu einem städtebaulichen und architektonischen Gesamtkunstwerk erklärt.

Amsterdam und die Kunst – hier gibt es mehr Museen pro Quadratmeter als in irgendeiner anderen europäischen Stadt. Allein im südlichen Museumsquartier versammelt sich das Trio der drei Großen: Rijksmuseum, Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum, mit einer der bedeutendsten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Da die Schlangen vor Amsterdams Museen immer sehr lang sind, empfiehlt es sich, im Voraus Online-Tickets zu bestellen.

Das Rijksmuseum ist eines der bedeutendsten Museen Europas. Zehn Jahre lang war es für einen spektakulären Umbau geschlossen, der mit 375 Millionen Euro eines der teuersten Bauprojekte der Niederlande war. Seit der Wiedereröffnung 2013 reißt der Besucherstrom nicht ab, vor allem die spektakuläre Rembrandtausstellung im Jahr 2015 hat weltweit für Furore gesorgt. "Rembrandts Nachtwache" ist dabei immer noch DAS Besucherhighlight.

Hollands "Goldenes Zeitalter" war nicht nur im Handel eine Blütezeit, sondern auch in der Kunst und Wissenschaft. Davon zeugen die berühmten Gemälde der holländischen Meister Rembrandt, Frans Hals, Jan Steen und Vermeer. Jan Vermeer van Delft gilt als einer der bekanntesten holländischen Maler des Barock. Das populärste Bild von Jan Vermeer ist das um 1665 entstandene Porträt "Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge". Das abgebildete Mädchen ist aus unmittelbarer Nähe und ohne erzählerische Attribute dargestellt, was dieses Bildnis von den anderen Werken Vermeers deutlich abhebt. Der Hollywoodfilm "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" mit Colin Firth und Scarlett Johansson in den Hauptrollen machte das holländische Meisterwerk noch bekannter.

Die coole Hafenstadt Rotterdam ist nicht nur eine trendy Ausgeh- und hippe Künstlerstadt, man kann dort auch schick shoppen. Sie ist vor allem auch das Aushängeschild der Niederlande, wenn es um moderne Architektur geht. Rotterdams Skyline verändert sich permanent. Zwischen den Wolkenkratzern locken neben Bars und Restaurants auch viele Museen und Sehenswürdigkeiten.

Könnte Amsterdam sein – ist es aber nicht: Leeuwarden sollte man in jedem Fall besuchen, denn sie ist Europäische Kulturhauptstadt. Dieses Jahr gibt es dort also besonders viele Veranstaltungen und Ausstellungen. Die Hauptstadt der Provinz Friesland lockt darüber hinaus immer mit einer Mischung aus Shopping, kulturellen Höhepunkten und einem aufregenden Nachtleben. Leeuwarden beeindruckt außerdem durch einen mittelalterlichen Stadtkern und mit über 600 Denkmälern.

Sehenswert ist auch Den Haag, der Regierungsitz der Niederlande und zudem Sitz des Europäischen Gerichtshofs. Hier residiert auch das Königshaus. Den Haag bietet zudem den besten Mix aus Stadt und Strand. Hier gibt es Kultur und Sehenswürdigkeiten, aber die Stadt liegt auch am Meer und bietet mit Scheveningen einen fantastischen Badeort, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur eine Viertelstunde vom Den Haager Zentrum entfernt liegt. Hier ist alles auf einmal möglich: an einem Tag Stadtbummel und Konzertabend, am nächsten Tag Strandspaziergang und Beach-Party.

Auch kulinarisch haben die Niederlande etwas zu bieten – es kommt natürlich auf den persönlichen Geschmack an. Die Nationalspeise ist auf jeden Fall die Frikandel. Die frittierten Hackfleischrollen erinnern in Größe und Form an Bratwürste, werden aber ohne Darm in eine gerade Form gepresst. Beliebt ist die Variante Frikandel Speciaal, bei der die Frikandel mit Curryketchup, Frietsaus und fein gehackten rohen Zwiebeln kombiniert wird. Echt lekker!

Die Frikandel spült man am besten mit einem holländischen Bier hinunter, es gibt eine große Auswahl. Mit bereits 678 Brauereien im Jahr 1819 haben die Holländer eine enorme Erfahrung im Bierbrauen gesammelt. Die Heinekengruppe ist heute der zweitgrößte Brauereikonzern der Welt. Außer dem Exportschlager Heineken gibts in den Niederlanden noch einige andere heimische Biere wie Grolsch, Amstel oder Amersfoorts zur Auswahl. Die Holländer rangieren auf Platz 14 im Pro-Kopf-Bierkonsum, mit circa 77 Litern pro Person jährlich. Es wird zwischen Bier mit einem Alkoholgehalt von größer als 7 Prozent und "Pilsener" oder kurz "Pils" mit ungefähr 4 Prozent Alkohol unterschieden.

Für den feineren Gaumen haben die Niederlande auch eine Delikatesse zu bieten: Zeeland-Muscheln oder wie es dort heißt – Mosselen. Das ehemalige Armeleute-Essen ist heute aus Zeelands gehobener Küche nicht wegzudenken. Das Oosterschelde-Gebiet ist eines von zwei Gebieten, in denen Muscheln gezüchtet werden. Die Zeeland-Muscheln werden in einem speziellen Muscheltopf serviert, dazu gibt es Pommes Frites, Brot und diverse Saucen.

"Lekker" ist übrigens ein niederländisches Wort für viele Lebenslagen: Lekker ausschlafen, lekker frühstücken, lekker baden, lekker Bier trinken ... Es kann wie im Deutschen bedeuten, dass etwas gut schmeckt oder einladend aussieht, wird von den Niederländern aber auch außerhalb der Welt der Speisen in verschiedenen Lebenslagen häufig verwendet, um auszudrücken, dass etwas bequem, angenehm, schön oder einfach gut ist. Im Gegensatz dazu kann durch "niet lekker" beschrieben werden, dass etwas nicht schön, gut oder angenehm ist. Das Wort ist ein wichtiger Bestandteil des gesprochenen Niederländisch und somit unverzichtbar, wenn man Niederländisch lernen will.

Stand: 23.05.2022, 16:39 Uhr