Streik und Verspätung: Was tun, wenn der Flieger nicht fliegt?

Ferien: Reisewelle an den Flughäfen Servicezeit 11.07.2019 05:47 Min. UT Verfügbar bis 11.07.2020 WDR Von Tobias Spelz

Streik und Verspätung: Was tun, wenn der Flieger nicht fliegt?

  • Fluggäste haben nicht immer Anspruch auf Entschädigung
  • Höhe der Entschädigung richtet sich nach Entfernung
  • Tipps zur Durchsetzung bei der Fluggesellschaft

Habe ich einen Anspruch auf Entschädigung?

Grundsätzlich gelten die Fluggastrechte für alle Passagiere, die von EU-Flughäfen abfliegen oder dort landen. Unterschiede gibt es aber je nachdem, ob man abfliegt oder ankommt und wo die Airline ihren Sitz hat.

Muss die Fluggesellschaft immer zahlen?

Es gibt nur eine Voraussetzung für einen Ersatzanspruch: Die Airline muss selbst für die Verspätung verantwortlich sein. Die europäische Fluggastrechte-Verordnung sagt ganz klar: Bei Feuer, Erdbeben, Vulkanausbruch, außergewöhnlichen Wetterverhältnissen, streikenden Fluglotsen oder politischer Instabilität gibt es kein Geld.

Was tun, wenn die Airline streikt?

Haben Sie die Flug selbst gebucht, muss die Fluggesellschaft entweder eine Ersatzbeförderung anbieten – etwa mit der Bahn, dem Bus oder einem anderen Flug. Das kann auch bedeuten, dass die Reise früher oder später angetreten werden muss. Außerdem muss die Airline in diesem Fall laut Verbraucherzentrale für so genannte Betreuungsleistungen wie Hotelkosten oder Verpflegung aufkommen. Oder Sie können ganz auf den Flug verzichten und Ihr Geld zurückfordern.

Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, muss sich der Veranstalter um einen alternativen Transport kümmern. Die Anbieter müssen zudem auch bei Streiks für Kosten, die durch eine Verspätung entstehen, aufkommen.

Was, wenn sich der Abflug verspätet?

Bei Verspätungen, die die Fluggesellschaft zu verantworten hat, haben Passagiere Anspruch auf Entschädigung. Startet der Flug zu spät, muss die Gesellschaft auf jeden Fall ihre Fluggäste verpflegen, Telefonate ermöglichen und unter Umständen sogar eine Übernachtung im Hotel bezahlen. Bei einer massiven Verspätung muss sie auch den Ticketpreis erstatten oder den Flug umbuchen.

Übrigens: Diese Entschädigung hängt auch davon ab, wo man abfliegt. Beim Start von einem Nicht-EU-Flughafen zurück nach Europa gibt es sie, wenn die Airline ihren Sitz in Europa hat. Wenn dagegen ein Passagier die EU mit Verspätung verlässt, müssen auch nicht-europäische Gesellschaften entschädigen.

Was passiert bei einer verspäteten Ankunft?

Bei einer verspäteten Landung sind die Airlines außerdem verpflichtet, auf Wunsch eine Entschädigung von bis zu 600 Euro zu bezahlen. Die exakte Höhe ist abhängig von der Flugstrecke. Diese Regelung gilt auch dann, wenn Flugkunden wegen einer Verspätung ihren Anschlussflug verpassen und deshalb verspätet am Zielort ankommen. Allerdings müssen die Flüge zusammen gebucht worden sein. Der Preis des Flugtickets spielt dabei keine Rolle.

Wie viel Entschädigung steht mir dann zu?

Entschädigung je nach Flugstrecke
EntfernungEntschädigung
bis zu 1.500 Kilometer (z.B. London, Paris)250 EUR
1.500 bis 3.500 Kilometer (z.B. Mallorca, Kreta, Antalya und zu Flughäfen außerhalb der EU)400 EUR
mehr als 3.500 Kilometer (z.B. USA, Dubai)600 EUR

Wie kann ich mein Recht durchsetzen?

Man sollte sich in jedem Fall von der Airline die Verspätung am Flughafen oder nachträglich schriftlich bestätigen lassen. Am besten bereits mit einem Vermerk über den konkreten Grund für die Verspätung.

Darüber hinaus sollten alle Belege für Hotel-, Transfer- und Verpflegungskosten aufbewahrt werden, falls die Airline keine Gutscheine ausgibt. Hilfreich ist auch, die Kontaktdaten mit den Mitreisenden auszutauschen. Möglicherweise wird einer dieser Flugkunden später seine Rechte einklagen – eine rechtliche Klärung, auf die sich auch andere Passagiere berufen können. Dabei hat er übrigens Zeit: Die Ansprüche verjähren erst nach sechs Jahren.

Stand: 27.12.2019, 11:44