Urteil: Fake-Bewertungen im Internet müssen gelöscht werden

Screenshot eines Hotelportals

Urteil: Fake-Bewertungen im Internet müssen gelöscht werden

  • Urteil: Gekaufte Bewertungen müssen gelöscht werden
  • Firma aus Belize hatte gefälschte Hotelbewertungen verkauft
  • Gericht: Tester müssen vor Ort gewesen sein

In einem Urteil mit Signalcharakter hat das Münchner Landgericht gekaufte Fake-Bewertungen im Internet für rechtswidrig erklärt. Das Gericht gab mit der Entscheidung am Donnerstag (14.11.2019) der Klage des Urlaubsportals Holidaycheck statt. Die Bewertungen stammten von der Firma "Fivestar Marketing" in Belize, dass sie an mehrere Hoteliers verkauft hatte.

Fake-Bewertungen müssen gelöscht werden

Fivestar darf künftig keine Bewertungen mehr von Menschen verkaufen, die nicht tatsächlich in dem jeweiligen Hotel oder Ferienhaus übernachtet haben. Das Unternehmen muss dafür Sorge tragen, dass die entsprechenden Fake-Bewertungen gelöscht werden. Fivestar muss außerdem dem Urlaubsportal Auskunft geben, von wem die erfundenen Bewertungen stammten.

Urteil: Fake-Bewertungen sind rechtswidrig

WDR 2 Servicezeit 14.11.2019 03:43 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR 2

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Werbung mit guten Bewertungen

Zielgruppe von Fivestar sind Firmen, die ihre Umsätze durch positive Bewertungen aufbessern wollen. "Durch Fivestar erhalten Sie hochwertige Rezensionen Ihrer Produkte, Ihrer Dienstleistungen oder Ihres Shops", wirbt Fivestar auf der eigenen Webseite.

Gekaufte Amazon-Bewertungen sind mit einem Preis ab 19,40 Euro am teuersten, Bewertungen kann die Kundschaft aber auch für Google, Facebook oder Arbeitgeberbewertungsportale kaufen - im Paket billiger. Fivestar warb in der Vergangenheit damit, dass Spitzenbewertungen verkauft werden, hat diesen Hinweis aber mittlerweile gestrichen.

Fivestar heuert freie Mitarbeiter an

Die Aktivitäten von Fivestar sind auch anderen Online-Konzernen aufgefallen. Der US-Konzern Amazon ist ebenfalls sehr darauf bedacht, Fake-Bewertungen einen Riegel vorzuschieben. In Deutschland habe Amazon ein Dutzend Gerichtsentscheidungen gegen Unternehmen erwirkt, die Bewertungen verkaufen, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. "Unter anderem haben wir zwei einstweilige Verfügungen gegen Fivestar Marketing erreicht, von denen eine bereits durch ein rechtskräftiges Urteil bestätigt wurde."

Keine Kritik am Verkauf der Bewertungen

Die Geschäftspraxis von Fivestar unterscheidet sich von anderen Bewertungsfirmen, die bei Fake-Rezensionen im Internet auf automatisierte Verfahren setzen. Fivestar nutzt dagegen keine Computerautomaten, sondern heuert freie Mitarbeiter an. Im speziellen Münchner Fall verbietet das Urteil des Landgerichts Fivestar nicht generell, Bewertungen auf Holidaycheck zu verkaufen - verboten sind jedoch Rezensionen von Fivestar-Bewertern, "die das Hotel nie von außen, geschweige denn von innen gesehen haben", wie der Vorsitzende Richter Gawinski formulierte.

Stand: 14.11.2019, 14:56