Reisestudie: Deutsche machen häufiger und teurer Urlaub

Blick über eine Aussichtsterrasse eines Schiffes aufs Fahrwasser und das offene Meer

Reisestudie: Deutsche machen häufiger und teurer Urlaub

  • Anstieg bei Flugreisen und Kreuzfahrten
  • Erneutes Rekordjahr für Deutschland-Reisen
  • Studie: Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten

Ungeachtet der aufgeladenen Klimadebatte ist die Reiselust der Bundesbürger ungebrochen. Im abgelaufenen Jahr urlaubten die Deutschen einer neuen Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) zufolge häufiger und teurer als noch 2018.

Demnach stieg die Zahl der Urlaubstrips mit einer Dauer von mindestens fünf Tagen im Vorjahresvergleich leicht auf geschätzt 71 Millionen. Hinzu kommen weitere 92 Millionen Kurzurlaubsreisen mit einer Dauer von zwei bis vier Tagen.

Anstieg des Tourismus in Deutschland

Anstiege gibt es in vielen Bereichen. Der Deutschlandtourismus legte im zehnten Jahr in Folge zu. Insgesamt verzeichneteten die Hoteliers einen Anstieg der Übernachtungen auf 495 Millionen - das entspreche einem neuen Rekord und einer Steigerung um 3,6 Prozent im Vergleich zu 2018. Überwiegend habe es sich dabei um deutsche Urlauber gehandelt.

Starkes Wachstum bei Kreuzfahrten

Ist das Plus für den Urlaub vor der Haustür ein Anzeichen für mehr Umweltbewusstsein der Reisenden? Wohl nicht, sagen die Forscher. Denn auch die Buchungszahlen der Kreuzfahrtveranstalter und die Passagierzahlen der Fluggesellschaften steigen an. Neun Prozent bei den Kreuzfahrten, zwei Prozent bei den Flugreisen. Eine solche Steigerungsrate sei nur möglich, weil der Anteil der Kreuzfahrten an den Gesamtreisen nur etwa 2,5 Prozent ausmacht, so Tourismusexperte Martin Lohmann, der das Kieler Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa leitet und seit Jahren Reiseanalysen veröffentlicht.

"Die Leute reisen, um schöne Ferien zu machen"

"Wir sehen nicht nur im Tourismus Unterschiede zwischen der Einstellung der Menschen und ihrem Verhalten - oft tun Leute etwas, was sie eigentlich nicht als richtig und gut empfinden", sagte Lohmann: "Die Mehrheit der Touristen macht eine Urlaubsreise nicht deswegen, um die Natur zu schützen oder ihre Fürsorge für Arbeitskräfte im Tourismus wirksam werden zu lassen. Die Leute reisen, um schöne Ferien zu machen."

Nachhaltigkeit nur für vier Prozent relevant bei der Buchung

Diese Widersprüchlichkeit belegt auch eine Umfrage in Lohmanns Arbeit. Zwar äußerten 38 Prozent der Menschen, sie hätten eine positive Einstellung zu ökologisch und sozial verträglichen Urlaubsreisen. Doch konkret gefragt nach einer zu buchenden Reise sagten 73 Prozent, das Thema Nachhaltigkeit spiele für sie dabei keine Rolle. Nur vier Prozent sagten, die Nachhaltigkeit habe den Ausschlag bei der Buchungsentscheidung gegeben.

Ausblick: Top-Reiseziel Deutschland

Das Top-Reiseziel der Bundesbürger werde auch 2020 Deutschland bleiben, sagte Lohmann. Man erwarte, dass rund 30 Prozent der Urlauber innerhalb der Bundesrepublik verreisten. Dahinter blieben Spanien, Italien, Türkei und Österreich die weiteren Top-Ziele. Auffällig: Immerhin 42 Prozent der Befragten gaben in einer Umfrage an, sie wollten 2020 ein neues Urlaubsziel ausprobieren. Lohmann analysierte, das ansonsten konstante Reiseverhalten der Deutschen könne nicht über die Neigung zu Abwechslung im Urlaub hinwegtäuschen.

Nachhaltigs Reisen: Lisa Kestel spricht im Livestream mit einem Reise-Experten auf diesem Gebiet: Dr. Dirk Reiser, Dozent für Nachhaltiges Tourismusmanagement an der Hochschule Rhein-Waal:

Stand: 14.01.2020, 14:57