Permakultur – unkonventionelles Gärtnern

Permakultur – unkonventionelles Gärtnern Servicezeit 12.09.2019 06:02 Min. UT Verfügbar bis 12.09.2020 WDR Von B. Bonk, B. Brückner

Permakultur – unkonventionelles Gärtnern

Immer mehr Menschen interessieren sich für den Pflanzenanbau mit Permakultur, besonders in den Städten. Gemüse soldatengleich in ordentlichen Reihen gibt es hierbei aber nicht. Die Gärten der Permakultur sehen eher wild und durcheinander aus.

Pflanzen helfen sich gegenseitig

„Wir beobachten die Natur: Welches Gemüse gedeiht gern neben welchen Kräutern oder welche Blumen wächst bestens unter welchem Strauch ? Und dann muss man das Ganze verstehen und die Pflanzen entsprechend anordnen,“ sagt Ulla Riesberg vom Dortmunder Umweltkulturpark, mit 30 Jahren der älteste Permakulturgarten NRWs. Auf dem 2500 Quadratmeter großen Gelände steht alles dicht an dicht, unter- und übereinander.

Aber hinter dem scheinbaren Chaos steckt ein ausgeklügeltes Prinzip:  Die großen Kohlblätter spenden dem Salat Schatten, die Zwiebel hält der zarten Kapuzinerkresse durch ihren Duft die Schädlinge vom Hals. „Eine Vergesellschaftung von Pflanzen, die sich gegenseitig unterstützen und robuster werden“, freut sich Carolin Beyer aus Goch. Sie hat ebenfalls das Permakultur-Fieber gepackt und versorgt auf ihrem 300 Quadratmeter großen Garten am Niederrhein ihre Familie und Freunde mit Obst und Gemüse. Der Ertrag ist enorm.

Aller Anfang ist ein fruchtbarer Boden

Carolin Beyer schmeißt verdörrte Äste, Gras, Kaffeesatz oder Eierschalen nicht etwa weg. Sie legt die Abfälle rund um ihre Pflanzen, damit sie dort zu Humus zu werden. „Aller Anfang ist ein nährstoffreicher und feuchter Boden“, sagt sie. Und dafür hat die Permakultur einen simplen Trick: Alles wird wiederverwendet und in die natürlichen Kreisläufe zurückgeführt. Abfall gibt es also keinen. Unkraut auch nicht, denn jedes Kraut ist für etwas gut. Der Boden düngt sich durch das Abdecken mit Gartenabfällen quasi selbst. Super für die Ernte, weil nichts gespritzt werden muss. Ohne Zusatzdünger, ohne Chemie.

Permakultur ist übrigens nicht etwas für große Gärten, wie den von Carolin Beyer. Auch auf kleinen Hochbeeten auf dem Balkon oder in Blumenkästen kann man die Prinzipien anwenden.

Artenvielfalt statt Monokulturen

Inzwischen wirtschaften nicht nur kleine Vereine, sondern auch einige Bauern nach den Prinzipien der Permakultur. Ihnen geht es darum, nicht die Böden auszulaugen, sondern ihnen Nährstoffe zurückzugeben. Dazu braucht es Artenreichtum und Mischkulturen und nicht riesige Felder von nur Weizen oder Mais. Mit Samentauschbörsen beleben Permakulturgärtner schon vergessene Gemüsesorten und Gemüseraritäten wieder und erweitern so die Vielfalt der Pflanzen.

Stand: 12.09.2019, 16:00