Mit Bus und Bahn in NRW unterwegs

Mit Bus und Bahn in NRW unterwegs

Kann ich ein Jobticket kaufen? Was ist ein Bürgerticket, und wie klappt es überhaupt mit dem ÖPNV im Land? Hier gibt's den Überblick mit vielen Links.

Wie klappt es mit dem ÖPNV in NRW?

Hunderttausende sind Tag für Tag mit Bussen, Bahnen und Zügen unterwegs. Auch wenn die meisten wohlbehalten ankommen: Ohne Stress geht es nicht ab. Überfüllte Züge und massive Verspätungen sind fast schon Normalzustand, undurchsichtige Tarifsysteme und kaputte Fahrscheinautomaten auch. Und Besserung ist nicht in Sicht. Das ist jedenfalls die Stimmung unter den ÖPNV-Nutzern.

Andererseits: Der öffentliche Personennahverkehr funktioniert einigermaßen. Die Betreiber von Bussen und Bahnen arbeiten auch immer daran, das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbessern. Der Rhein-Ruhr-Express soll ab Ende 2018 Entlastung bringen, Elektro-Busse die Luft in den Städten verbessern, und die Deutsche Bahn verweist auf die Millionen-Investitionen für die Modernisierung von Bahnhöfen und den Gleisbau. Dass das wieder Verspätungen bedeutet, müssen die Nutzer hinnehmen - genau wie die Abkoppelung des gesamten Bahnhofs Wuppertal in diesem Jahr, die die ganze Region lahmlegte und Bahnpendler vor das fast unlösbare Problem stellte, irgendwie zur Arbeit zu kommen.

Was ist ein Jobticket?

Die Idee hinter den Jobtickets (auch Firmenticket genannt): Staus und Parkplatzprobleme sollen vermieden, die Umwelt geschont werden. Die Tickets werden von Unternehmen oder Behörden bei den regionalen oder überregionalen Verkehrsunternehmen gekauft und dann an die Mitarbeiter weiter gegeben. Die können damit auf einer bestimmten Strecke oder zu einer bestimmten Zeit alle Busse und Bahnen im jeweiligen Verkehrverbund nutzen. Ob und wieviel sie dafür etwas zahlen müssen, hängt von der Firma ab, die Verkehrsunternehmen geben aber häufig Rabatte.

Stau auf der Autobahn

Der Standort eines Unternehmens spielt auch eine Rolle: Firmen in Bedburg etwa zahlen nur die Hälfte von dem, was Kölner Unternehmen ausgeben müssen. Gedacht ist das Jobticket für große Unternehmen, die für die ganze Belegschaft kaufen müssen. Damit auch Kleinstunternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten umweltbewusst fahren können, übernehmen Berufsverbände oder Vereine wie Netz-NRW den Ticket-Kauf.

Welche Verkehrsverbünde in NRW bieten Jobtickets an?

  • Angeboten werden die Jobtickets vom VRS. Die lassen sich auch im "Großen Grenzverkehr" auf den bestimmte Gebiete des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr ausdehnen, wenn Mitarbeiter etwa in Köln arbeiten, aber in Krefeld wohnen. Mit dem VRS-Jobticket können sie zu bestimmten Zeiten auch andere mitnehmen und günstiger auf Leihräder oder Fahrzeuge bestimmter Car-Sharing-Partner zurückgreifen.
  • Im Aachener Verkehrsverbund (AVV) werden Job-Tickets in verschiedenen Preiskategorien angeboten. Die Besonderheit hier: Es soll Jobtickets für Handwerker geben, die der Handelsverband kauft und weitergibt. Ein entsprechender Test läuft gerade. Und: Der Aachener Raum lässt sich auch vom Rheinland und dem Rhein-Ruhrgebiet aus kostengünstig ansteuern, weil es eine Kooperation mit dem VRR und VRS gibt.
  • Auch beim VRR gibt es verschiedene Preisstufen: Ein Job-Ticket in Bochum ist teurer als eins in Velbert. Es gilt auch für Fahrten zu Hauptbahnhöfen jenseits der niederländischen Grenze, genauer in Venlo, Nijmegen und Arnheim. Ähnliches gilt für manche Städte tief im Osten, etwa Kamen oder Schwerte: Sie fallen eigentlich unter den Westfalen-Tarif, können aber mit dem VRR-Jobticket angefahren werden.
  • Der Westfalen-Tarif nimmt (noch) eine Sonderstellung ein. Im August 2017 hatten sich fünf regionale Verkehrsverbünde zusammengeschlossen, um ganz Westfalen-Lippe mit dem ÖPNV abzudecken. Senioren- oder Schülertickets gelten inzwischen westfalenweit, bestehende Job-Tickets dagegen können bisher nur gegen Aufpreis auf den Tarifverbund ausgedehnt werden.

Was ist der Westfalen-Tarif?

Der Westfalen-Tarif ist ein Tarifverbund des ÖPNV, der Reisen durch die ganze Region Westfalen-Lippe erleichtern soll. Fünf Nahverkehrstarife wurden zusammengeführt, Tarifgrenzen verschwinden also: Wer jetzt von einer Stadt in eine andere fahren möchte, kauft einmal ein Ticket, dessen Preis sich nach Länge der Strecke richtet. Das soll weniger kosten als früher eine Fahrt mit dem NRW-Ticket. Dieses Ticket gilt aber immer noch, wenn Fahrten ins Tarifgebiet des VRR oder anderer Verkehrsverbünde angetreten werden. Die Bahncard dagegen wird nicht anerkannt.

Die Idee des Bürgertickets

Eine Flatrate für Bus und Bahn: Mit dem Bürgerticket sollen ÖPNV-Nutzer in ganz NRW fahren können, so viel sie wollen. Tickets würden abgeschafft, damit auch dem Tarif-Wirrwarr ein Ende gemacht werden, so Befürworter wie die Piraten oder das Wuppertal-Institut. Fahrscheinlos heißt aber nicht umsonst: Mit einem Pflichtbeitrag, der von allen gezahlt wird, soll der Fuhrpark verbessert und der Fahrplan deutlich verdichtet werden. Damit soll endlich eine Verkehrswende eingeleitet werden - weg vom Auto, auf die Schiene oder in den Bus.

Eine Broschüre zum solidarischen Bürgerticket.

Die Broschüre zum solidarischen Bürgerticket

Es gibt zwar immer wieder Debatten um das Bürgerticket, im Landtag hat sich sogar eine Enquetekommission mit dem Thema befasst. Die Grünen haben ein ähnliches Modell auf Abo-Basis vorgestellt. Das Problem: Solche Tickets lassen sich kaum auf lokaler Ebene einführen, außerdem "können wir das nicht bezahlen", wie es bei den Wuppertaler Stadtwerken heißt. Dort macht sich seit Jahren eine Bürgerinitiative dafür stark. Dass die Landesregierung das Thema aufgreift, steht aber nicht zu erwarten: "Das steht real nicht auf der Agenda", so ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Dort geht es im Moment bei den Haushaltsberatungen um die Verlängerung der Azubi- und Sozialtickets, also um die Zuschüsse, die das Land an die Verkehrsverbünde zahlen soll. Ausgang: ungewiss.

Was tut das Land in Sachen ÖPNV?

Die neue Landesregierung will die digitale Vernetzung der Verkehrsmittel vorantreiben - und das bekannte NRW-Ticket verbessern. Was ein Gesamtkonzept betrifft, fehlen ihr noch die Daten. Die rot-grüne Landesregierung hatte damit begonnen, einen neuen ÖPNV-Bedarfsplan aufzustellen; der letzte stammte aus dem Jahr 2005, als es ganz andere Verkehrsprognosen gab und der ÖPNV noch nicht den Stellenwert hatte wie heute. Zum ersten Mal durften auch Bürger Wünsche anmelden. Bis die umgesetzt werden, wird es aber noch dauern: Die neue Landesregierung hat den Vertrag zur "mulitmodale Landesverkehrsuntersuchung 2030" inklusive Bedarfsplan im August 2017 gekündigt, als Grund nannte das Verkehrsministerium "unüberbrückbare Differenzen zum methodischen Vorgehen". Ein neuer Bedarfsplan soll kommen, ein Zeitpunkt wurde nicht genannt.

Stand: 08.11.2017, 06:16