Wandern rund um Forsthaus Hohenroth

Das Forsthaus Hohenroth bei Netphen im Siegerland

Wandern rund um Forsthaus Hohenroth

Von Andrea Klasen

Das Forsthaus Hohenroth bei Netphen ist ein ganz besonderer Ort. Das am höchsten gelegene Haus im Siegerland steht ganz einsam inmitten endloser Wälder. Hier oben ist nur das Rauschen der Fichten zu hören, und wer diese besondere Art der Stille sucht, der ist im südlichen Teil des Rothaargebirges genau richtig. Der Kreis Siegen-Wittgenstein zählt zu den waldreichsten Deutschlands.

Spaziergang: Rund um Forsthaus Hohenroth

WDR 4 Spaziergang | 05.11.2017 | 02:40 Min.

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Wanderparadies auf Hohenroth

Wer auf Hohenroth wandern möchte, der hat viele verschiedene Möglichkeiten. Wir folgen auf unserem Spaziergang dem fünfeinhalb Kilometer langen Rundweg, der am Forsthaus Hohenroth beginnt und endet. Gleich zu Beginn betritt der Wanderer zwei historische Straßen: die Eisenstraße, die im Mittelalter ein wichtiger Handelsweg von Antwerpen über Köln bis nach Leipzig war, und die Kohlenstraße, die die Eisenstraße kreuzt.

Reise in die Geschichte des Siegerlandes

Die Kohlenstraße führt, wie die Eisenstraße, teils schnurgerade durch den Wald. Über sie gelangen wir zur Ederquelle. Früher war die Kohlenstraße ein wichtiger Verbindungsweg hinunter ins Siegerland; die Fuhrleute transportierten die Holzkohle zu den eisenverarbeitenden Betrieben im Siegtal. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde dann so viel Holzkohle benötigt, dass man blindlings Bäume schlug, ohne nachzupflanzen. Bald stand kein Baum mehr auf Hohenroth - aus dieser extremen Rodung heraus entstand der Name "Hohenroth". Man pflanzte die Fichte an, die schnell wächst. Noch heute prägt dieser Nadelbaum die Wälder des Rothaargebirges.

Das Ederbruch

Verlässt man den Rundweg, gelangt man über einen Wurzelweg zur Quelle der Eder. Sie ist einer der vielen Flüsse und Bäche, die hier entspringen. Die Eder sprudelt nicht aus der Erde heraus, sondern drückt sich zaghaft aus dem Boden. Ständen dort keine Schilder, dann ginge man am Geburtstort dieses Flusses, der später in die Fulda fließt, vorüber. Sehr sehenswert ist das Ederbruch, durch das sich die Eder auf ihren ersten Metern durch den Wald schlängelt. Im Ederbruch stehen Moorbirken und es wachsen dort seltene Moose, die auf der Roten Liste stehen. Zahlreiche Farne schätzen zudem den Torfuntergrund. Birkenbruche sind eine sehr seltene Waldart in NRW. Über einen Steg kann der Wanderer in dieses besondere Biotop hineinblicken.

Wir treffen auf den Rothaarsteig

Auf unserem Spaziergang wandern wir auch einige Meter auf dem Rothaarsteig. Dieser Fernwanderweg wurde 2001 eröffnet und führt von Brilon ausgehend durch das Hochsauerland, das Wittgensteiner Land und das Siegerland bis ins hessische Dillenburg. Der 154 Kilometer lange Rothaarsteig gilt als einer der schönsten Wanderwege Deutschlands, der den Höhenzügen des Rothaarkamms folgt.

Heimisches Rotwild auf Hohenroth

Auf dem letzten Drittel des Rundweges begleitet uns der hohe Zaun des 43 Hektar großen Wildgeheges. Hier leben heimische Rothirsche und mesopotamisches Damwild. Das Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein errichtete das Gehege im Jahr 2005, um den Besuchern auf Hohenroth die Möglichkeit zu bieten, das scheue heimische Rotwild aus der Nähe betrachten zu können. Es ist besonders eindrucksvoll, wenn die Hirsche im September und Oktober um die Position des Platzhirsches kämpfen und laut röhren.

Wandern rund um Forsthaus Hohenroth

Natur pur, endlose Wälder und ganz viel Ruhe erwarten den Wanderer auf "Hohenroth". Vom Forsthaus aus gehen zahlreiche Wanderwege in die weiten Wälder des südlichen Rothaargebirges ab. Ederquelle und Rothaarsteig sind ganz in der Nähe.

Das Forsthaus Hohenroth bei Netphen im Siegerland

Das Forsthaus Hohenroth bei Netphen im Siegerland. Vielen Försterfamilien war es vormals ein Zuhause, heute beherbergt es ein Café und ein Waldinformationszentrum.

Das Forsthaus Hohenroth bei Netphen im Siegerland. Vielen Försterfamilien war es vormals ein Zuhause, heute beherbergt es ein Café und ein Waldinformationszentrum.

Die Kohlenstraße ist ein alter Handelsweg, der den Wanderer zur Ederquelle führt. Früher rollten hier Fuhrwerke mit Holzkohle beladen hinunter ins Siegtal.

Die Ederquelle ist keine sprudelnde Quelle, sondern sie drückt sich zaghaft aus dem Boden. Durch zahlreiche kleine Zuflüsse wird die Eder schnell zu einem Fluss, der später in die Fulda mündet.

Dort, wo die Eder entspringt, kann der Wanderer das Ederbruch bestaunen. Ein sumpfig-torfiger Wald mit Birken, seltenen Moosen und Farnen. Ein Steg ermöglicht es, im Bruch zu stehen.

Die Fichten begleiten uns auf unserem Rundweg, der barrierefrei ist und im Winter geräumt wird. Es ist also eine ganzjährige Benutzung dieses Weges möglich.

Vom Rundweg aus kann man einen Blick ins Edertal werfen. Besonders im Herbst ist das eine reizvolle Aussicht in eine unberührte Landschaft.

Raschelndes Laub unter den Füßen zu hören - ein wunderbares Herbstgeräusch. Die zahlreichen Mischwälder rund um Hohenroth verwandeln die Wege in bunte Blätterteppiche.

Abenteuerlich wird es am Ende des Rundweges. Die Netphe, die hier auch entspringt, kreuzt den Weg, und der Wanderer muss sie mit hoffentlich wasserfesten Schuhen durchqueren.

Das Waldinformationszentrum neben dem Forsthaus soll Begegnungsstätte zwischen Mensch und Natur sein. Hier finden Veranstaltungen und Vorträge statt.  

Im Wildgehege auf Hohenroth leben Rothirsche und mesopotamisches Damwild. Links und rechts des männlichen Rothirsches sieht man zwei Tiere dieser Hirschart aus dem türkisch-iranischen Grenzgebiet. Sie sind vom Aussterben bedroht und werden auf Hohenroth nachgezüchtet.

Artenschutzprojekt mit seltenem Damwild

Mit im Gehege leben seit 2011 mesopotamische Damhirsche. Diese Hirschart ist kleiner und gedrungener als unser heimisches Rotwild. Die Tiere haben helleres Fell mit weißen Flecken darauf. Diese Damhirsche stammen aus dem iranisch-türkischen Grenzgebiet und sind während des Ersten Golfkrieges fast ausgerottet worden. Nun bemüht man sich auch auf Hohenroth um Nachzuchten. Weltweit gibt es etwa noch 250 - 300 Exemplare. Das naturnahe Gehege bietet dem Wild Rückzugsmöglichkeiten an. Trotzdem - häufig ruhen die Tiere auf der Wiese am Forsthaus und können beobachtet werden.

Hohenroth war Zuhause vieler Försterfamilien

Nach unserer fünfeinhalb Kilometer langen Wanderung gelangen wir wieder zum Forsthaus. Im Jahr 1854 wird es erstmals erwähnt. Im Laufe der Jahrzehnte haben hier viele Försterfamilien gelebt. Die Lebensumstände auf 640 Metern über Meereshöhe waren nicht immer einfach. Die Menschen hier oben hatten mit reichlich Nebel, viel Regen und Unmengen Schnee zu kämpfen. Schon damals verdienten sich die Förster mit ihren Familien ein kleines Zubrot, indem sie eine Gaststätte betrieben, und Fuhrleuten, Waldarbeitern und Reisenden eine Einkehr in diesem einsamen Landstrich abseits jeglicher Siedlungen ermöglichten. Das Forsthaus war auch Tränkestelle und Umspannstation der Pferdefuhrwerke. Von hier oben gelangte man weiter ins Siegerland, ins Wittgensteiner Land, bis nach Hessen.

Rettung des Forsthauses

Die Försterfamilien, die hier einst lebten, gibt es nicht mehr, und im Jahr 2001 drohte dem Forsthaus Hohenroth sogar der Abriss. Bis 1999 war das Forsthaus Revierförsterei im Forstamt Hilchenbach gewesen. Den Abriss dieses Hauses wollten viele Menschen nicht zulassen. Sie gründeten den Verein "Waldland Hohenroth", schlossen sich mit dem Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein zusammen, und gestalteten das Forsthaus und die ehemaligen Stallgebäude zu einem "Waldinformationszentrum" um.

Waldinformationszentrum auf Hohenroth

Dieses Waldinformationszentrum soll eine Begegnungsstätte zwischen Mensch und Natur sein. Hier finden Vorträge statt, Workshops, es werden Ausstellungen gezeigt und geführte Wanderungen angeboten. Im Café Waldland können Besucher und Wanderer sich stärken. Und wer sich nicht von Hohenroth trennen kann, der hat die Möglichkeit, inmitten dieser schönen Natur zu übernachten. Die Ferienwohnung kann man über das Café Waldland buchen.

Es ist in jeder Jahreszeit reizvoll, auf Hohenroth zu wandern. Besonders auch, wenn es geschneit hat.

Anfahrt/ Adresse / Startpunkt Rundweg

Forsthaus Hohenroth
57250 Netphen

Von Siegen oder Hilchenbach

In Richtung Bad Berleburg / Erndtebrück (B62) fahren, kurz vor Lützel rechts auf die L722 (Eisenstrasse) Richtung Hainchen abbiegen.
Nach ca. 5 km erreicht man links und rechts der Straße die Parkplätze.

Von Bad Berleburg / Erndtebrück

Auf der B62 in Erndtebrück am Kreisverkehr Richtung Benfe abbiegen, durch Benfe fahren, an der Kreuzung im Wald rechts abbiegen, auf die L722 (Eisenstrasse) Richtung Lützel. Nach ca. 2 km erreicht man die Parkplätze.

Der fünfeinhalb Kilometer lange Rundwanderweg wird im Winter geräumt und ist barrierefrei. Also auch geeignet für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen. Der Abzweig zur Ederquelle ist ein sehr wurzeldurchwachsener Weg, der nicht so leicht zugänglich ist. Hier besser dem normalen Rundweg folgen. Dieser Weg ist sehr gut ausgeschildert und man findet problemlos zum Forsthaus zurück. Besser feste und wasserdichte Schuhe tragen, da am Ende des Weges ein kleiner Bach überwunden werden muss.

Stand: 04.11.2017, 00:00