Wandern durch den Kyrillpfad im Rothaargebirge

Wandern durch den Kyrillpfad im Rothaargebirge

Wandern durch den Kyrillpfad im Rothaargebirge

Von Andrea Klasen

Der Kyrillpfad im Rothaargebirge ist ein spannender Spazierweg, wo wir sehen können, wie die Natur mit Stürmen umgeht. Denn sie kennt keine Katastrophen, nur den Neubeginn. In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 ist das Orkantief Kyrill über weite Teile Nordrhein-Westfalens hinweggezogen – und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. Viele Monate hat es gedauert, diese Sturmflächen aufzuräumen. Die Waldarbeiter im Forstamt Siegen-Wittgenstein hatten jedoch die Idee, eine kleine Fläche so zu lassen, wie sie nach Kyrill war.

So entstand der Kyrillpfad

Die Waldarbeiter haben damals nicht aufgeräumt, sondern lediglich eine schmale Schneise in schlängelnder Form durch die Sturmfläche geschnitten, damit Besucher Zugang haben können. Die umgestürzten Bäume, die über dem schmalen Pfad liegen, sind zu Treppen geworden, die der Spaziergänger mühelos überwinden kann.

Der Kyrillpfad zeigt uns auf eindrucksvolle Weise, wie die Natur mit Stürmen umgeht. Für sie sei Kyrill "nur ein Wimpernschlag gewesen", so sagt es der Leiter des Forstamtes Siegen-Wittgenstein, Diethard Altrogge. "Die Natur kenne keine Katastrophen."

Eine undurchdringliche und beeindruckende Wildnis: Der Kyrillpfad

Auf dem Kyrillpfad zeigt uns die Natur, wie sie sich entwickelt, wenn sie mal ganz in Ruhe gelassen wird. Innerhalb der letzten elf Jahre ist ein neuer Wald ganz von alleine entstanden.

Wandern durch den Kyrillpfad im Rothaargebirge

Der Kyrillpfad führt durch einen Wald, der sich selbst geschaffen hat. Viele der umgestürzten Fichten von damals sind längst verrottet und zu Humus geworden. Sie liefern nun Nährstoffe für die nächste Baumgeneration, die sofort nach dem Sturm mit ihrem Wachstum begonnen hat.

Der Kyrillpfad führt durch einen Wald, der sich selbst geschaffen hat. Viele der umgestürzten Fichten von damals sind längst verrottet und zu Humus geworden. Sie liefern nun Nährstoffe für die nächste Baumgeneration, die sofort nach dem Sturm mit ihrem Wachstum begonnen hat.

Kleine Fichten säumen auf weiten Teilen des Kyrillpfades den Weg. Sie haben sich selbst ausgesät und werden von den Waldarbeitern manchmal zurückgeschnitten, damit der Pfad frei bleibt. Sonst wird nicht eingegriffen.

Die Natur mag keine Monokulturen. Wenn sie sich ohne menschliches Zutun entwickelt, schafft sie Mischwälder. Durch Strukturreichtum, wie die Forstwirte sagen, sei Stabilität gewährleistet.

Der Kyrillpfad ist auch ein Abenteuerspielplatz für Kinder. Die Tellerwurzeln laden zum Klettern ein, und nebenbei können die Kinder viel über die Natur lernen.

Der Verrottungsprozess ist in vollem Gange. Viele der damals umgefallenen Fichten haben sich schon zu Humus verwandelt und versorgen nun den Nachwuchs mit Nährstoffen. Die Pilze helfen bei diesen Zersetzungsprozessen.

Die umgefallenen Bäume überwindet der Spazierende auf diese Weise: Die Waldarbeiter haben die Stämme als Treppenstufen genutzt. Mit Hilfe von Kaninchendraht wurden die Stufen rutschfest gemacht.

Die Texte zweier Tafeln am Wegesrand des Kyrillpfades erinnern an die Sturmnacht vor elf Jahren. Mit einem nachdenklich machenden Satz endet dieser Text: "Vielleicht hilft der Kyrillpfad, hier im Forstamt unseren Umgang mit der Natur zu überdenken, und die Beziehung zwischen Mensch und Natur neu zu bestimmen."

Vereinzelte Stämme erinnern an den großen "Mikadohaufen", den der Sturm Kyrill innerhalb weniger Stunden hat entstehen lassen.

Wandern durch den Kyrillpfad im Rothaargebirge

WDR 4 Spaziergang | 11.02.2018 | 02:43 Min.

Download

Genau so will ein Wald sein

Auf dem Kyrillpfad zeigt uns die Natur, wie sie mit Stürmen umgeht, und wie sie sich entwickelt, wenn wir sie mal ganz in Ruhe lassen. Vor dem Sturm Kyrill standen hier 100 Jahre alte Fichten. Ein sogenannter Reinbestand. Diese Fichten mit ihren flachen Wurzeln sind während des Orkans alle umgefallen. Stehengeblieben sind die Douglasien, die tiefer wurzeln und andere Schwingungsamplituden im Sturm haben, so erklärt es Diethard Altrogge. Unter den alten Fichten wartete bereits der Nachwuchs, die Verjüngung, auf ihre Chance. Nach dem Sturm war endlich genug Licht da, und die verrottenden, am Boden liegenden alten Bäume lieferten als Humus die nötigen Nährstoffe für die winzigen Bäume, die in den Startlöchern standen. Innerhalb der letzten elf Jahre ist ein neuer Wald ganz von alleine entstanden. Eine Wildnis, undurchdringlich und beeindruckend.

Die Natur will Vielfalt

Doch nicht nur neue Fichten sind auf der Sturmfläche gewachsen; auch verschiedene Laubbäume wie Ahorn, Buche oder Birke. Die Natur zeigt uns, dass sie breit aufgestellt sein möchte, und die Monokultur nicht ihrer Denkweise entspricht. Seit Kyrill pflanzt man in Siegen-Wittgenstein zudem mehr Douglasien, weil sie Stürmen besser trotzen können. Heute baue man die Wälder ganz anders auf, sagt Diethard Altrogge. Kyrill, so grausam dieser Sturm war, hat Forstwirte, Waldbesitzer und Waldarbeiter umdenken lassen. Die Natur gibt immer den Weg vor. Das zeigt sie uns sehr deutlich auf dem Kyrillpfad. Auch für Rehe, Rothirsche und Wildschweine ist die Fläche des Kyrillpfades eine Art Ruheinsel, weil man sich dort herrlich verstecken kann, und auf diesen drei Hektar nicht gejagt wird.

Startpunkt "Kyrillpfad"

Der Kyrillpfad liegt ganz in der Nähe des Forsthauses Hohenroth. Parken kann man auf dem Parkplatz "Ederquelle". Von dort aus ist der Weg zum Kyrillpfad sehr gut ausgeschildert. Der Beginn des Kyrillpfades ist durch eine Pforte aus Holz dann leicht erkennbar.

Adresse

Forsthaus Hohenroth
57250 Netphen

Anfahrt

Von Siegen oder Hilchenbach kommend:

In Richtung Bad Berleburg / Erndtebrück (B62) fahren, kurz vor Lützel rechts auf die L722 (Eisenstrasse) Richtung Hainchen abbiegen.
Nach ca. fünf Kilometern erreicht man den Parkplatz auf der linken Seite. Rechts geht es zum Forsthaus Hohenroth, wir biegen aber links ab, und parken auf dem Parkplatz "Ederquelle". Das Schild "Kyrillpfad" weist uns auf die Kohlenstraße, von der der Kyrillpfad dann rechts durch den Wald abgeht.

Von Bad Berleburg / Erndtebrück kommend:

Auf der B62 in Erndtebrück am Kreisverkehr Richtung Benfe abbiegen, durch Benfe fahren, an der Kreuzung im Wald rechts abbiegen, auf die L722 (Eisenstrasse) Richtung Lützel. Nach ca. zwei Kilometern erreicht man den Parkplatz "Ederquelle" rechts liegend. Auf gleicher Höhe ginge es links zum Forsthaus Hohenroth. Wir aber biegen hier rechts ab. 

Förster Diethard Altrogge bietet auch Führungen auf dem Kyrillpfad an. Sie können über das Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein in Hilchenbach gebucht werden: 02733 8944-0.

Wer nach dem Spaziergang gemütlich einkehren will, der kann das im Café Waldland im Forsthaus Hohenroth tun.

Das Café ist freitags, samstags, sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Besonders die Waffeln dort sind sehr zu empfehlen.

Stand: 10.02.2018, 00:00