Spaziergang auf dem Kreuzweg der Halde Haniel

Spaziergang auf dem Kreuzweg der Halde Haniel in Bottrop

Spaziergang auf dem Kreuzweg der Halde Haniel

Von Ulrike Modrow

Genau auf der Stadtgrenze zwischen Bottrop und Oberhausen liegt eine der höchsten Berge-Halden des Ruhrgebiets – die Halde Haniel. Aufgeschüttet wurde sie einst durch Abraum der benachbarten Zeche "Prosper-Haniel", die Ende 2018 schlagzeilenträchtig als letzte Zeche Deutschlands ihren Betrieb eingestellt hat. Ein Spaziergang auf den Gipfel der Halde lohnt sich – nicht nur, weil ein toller Ausblick lockt. Denn es gibt einen Weg nach oben, der Bergbau, Kunst und Religion auf ganz eigene Weise zusammenbringt: den Kreuzweg mit seinen insgesamt 15 informativen Stationen.

Spaziergang auf dem Kreuzweg der Halde Haniel in Bottrop

WDR 4 Spaziergang 14.04.2019 02:25 Min. Verfügbar bis 12.04.2020 WDR 4

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Spaziergang auf dem Kreuzweg der Halde Haniel in Bottrop

Seit seiner Einweihung 1995 ist der Kreuzweg auf die Halde Haniel vor allem an Karfreitag sehr beliebt, dann kommen tausende Gläubige aus dem gesamten Revier zu einer großen Prozession zusammen. An anderen Tagen hat man den Weg auf den Halden-Gipfel fast für sich allein.

Spaziergang auf dem Kreuzweg der Halde Haniel in Bottrop

Die Berge-Halde wurde aufgeschüttet durch Abraum der Zeche "Prosper Haniel". Diese liegt am Fuß der Halde Haniel und hat Ende 2018 – als letzte deutsche Zeche – ihren Betrieb eingestellt. Zur Zeit wird sie noch leer geräumt.

Die Berge-Halde wurde aufgeschüttet durch Abraum der Zeche "Prosper Haniel". Diese liegt am Fuß der Halde Haniel und hat Ende 2018 – als letzte deutsche Zeche – ihren Betrieb eingestellt. Zur Zeit wird sie noch leer geräumt.

Der Weg windet sich in Serpentinen die Halde hinauf – zwischen blühenden Bäumen und Sträuchern. Insgesamt gilt es 190 Höhenmeter (bis zum Gipfel) zu überwinden.

Erste Station des Kreuzweges, der die Leidensgeschichte von Jesus erzählt, gleichzeitig aber auch eine Art Bergbau-Lehrpfad ist.

An jeder Station findet sich eine von der Künstlerin Tisa von Schulenburg geschaffene Kupfertafel mit den Motiven der Passionsgeschichte. Diese sind umrahmt von Holzständern, die ein Fördergerüst symbolisieren. Daneben findet sich jeweils ein Arbeitsgerät aus dem Bergbau, hier ein Bergekasten, der einst der Sicherung der Strecke unter Tage diente.

Bergbau und Kirche als Einheit. Viele Bergleute waren sehr gläubig, bot die Religion doch oft Halt bei ihrer gefährlichen Arbeit. Im Hintergrund sieht und hört man noch immer den Zechenbetrieb, auch wenn keine Kohle, sondern nur noch letztes Arbeitsgerät aus den Schächten geholt wird.

Eine Kohlelore: Sämtliche Arbeitsgeräte stammen aus der benachbarten Zeche Prosper Haniel.

Mit diesem Türstock wurde einst die Strecke unter Tage ausgebaut und abgestützt. Darunter eine Gezähekiste – in ihr bewahrte der Bergmann sein Werkzeug auf.

An der siebten Station (zweiter Fall Jesu unter dem Kreuz) ist eine Seilscheibe aufgestellt. An ihr wurde einst das Seil im Schacht heruntergelassen, um beispielsweise Förderkörbe hochzuziehen. Der Weg wird nun immer steiler und anstrengender.

Michael Sagenschneider hat selbst über 40 Jahre im Bergbau gearbeitet und kennt sich bestens aus. Dieser Fahrungswagen transportierte einst die Bergleute unter Tage an ihren Arbeitsplatz. Wer will, kann hineinklettern und sich ein Bild davon machen, wie eng es in den Waggons war.

Inzwischen wird der Baumbewuchs am Wegesrand spärlicher. An der neunten Station ist ein alter Förderkorb zu sehen.

Der Haldengipfel ist fast erreicht. An dieser Station demonstriert Michael Sagenschneider, wie die Bergleute einst mit dem Abbauhammer gearbeitet haben. Das traditionelle Werkzeug erinnert an die – nun vergangene – Zeit des deutschen Steinkohlebergbaus.

Auf dem Haldenplateau – von hier bieten sich spektakuläre Ausblicke in die Landschaft.

Die letzte Kreuzwegstation ist ein riesiges Kreuz aus Grubenholz, gefertigt 1987 anlässlich des Besuchs von Papst Johannes Paul II. Einst war es das Gipfelkreuz – da die Halde danach aber noch weiter aufgeschüttet wurde, kann man heute noch ein Stück nach oben klettern.

Vom Haldengipfel, 190 Meter hoch, hat man einen atemberaubenden Blick auf das gesamte Ruhrgebiet – auch auf die benachbarte Zeche.

Auf dem Haldengipfel gibt es eine weitere Attraktion: Auf dem höchsten Punkt hat der baskische Bildhauer Agustín Ibarrola eine Installation aus bunten Eisenbahnschwellen errichtet, die als "Totems" bezeichnet werden.

Wer einen Schritt hinter die "Totems" wagt, entdeckt in einem Talkessel direkt darunter die "Berg-Arena". In dem kleinen Amphitheater mit sensationeller Akustik finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Anfahrt

Anreise mit ÖPNV:
Mit der Bahn bis Oberhausen-Sterkrade (RE 5, RE 19, RB 35), dann mit Buslinie 952 bis Everslohstraße oder mit der Linie 962 bis Kleekamp. Von der Everslohstraße etwa 200 Meter Fußweg bis zum Parkplatz (gegenüber ist ein China-Restaurant), dort befindet sich der Haldenaufstieg und der Beginn des Kreuzweges.
Von Kleekamp kann der südliche Aufgang direkt genutzt werden.

Anfahrt zur Halde Haniel mit dem Auto:
Auf der A2 bis zur Ausfahrt Oberhausen-Königshardt. Dann auf die Fernewaldstraße (L21) Richtung Bottrop, nach etwa 700 Meter links auf die Dorstener Straße. Nach 950 Meter links abbiegen auf die Fernewaldstraße und die Autobahn überqueren, dem Verlauf folgen und am Zechengelände links abbiegen (gegenüber Birkhahnweg) Richtung Pförtnerhaus. Davor weist ein Schild nach links auf den Parkplatz Halde Haniel. Von hier aus zu Fuß dem Verlauf des Weges folgen und um das Zechengelände zum Zugang Kreuzweg.

Eingabe ins Navi:
Fernewaldstraße, 46242 Bottrop (Parkplatz Bergwerk Prosper-Haniel)

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Stand: 13.04.2019, 00:00