Labortest: Schadstoffe in Gummistiefeln

Gummistiefel im Test Servicezeit 02.04.2019 07:28 Min. UT Verfügbar bis 02.04.2020 WDR Von Patricia Metz

Labortest: Schadstoffe in Gummistiefeln

Von Patricia Metz

  • Regenstiefel aus Gummi oder PVC
  • Schadstoffe in sechs von neun Stiefeln
  • Alle sind wasserdicht

Wir haben neun Modelle im Labor und in der Praxis getestet und beantworten die wichtigsten Fragen.

Regenstiefel aus Gummi oder PVC

Viele Produkte enthalten kein Gummi, sondern bestehen aus PVC oder anderen Kunststoffen. Während Gummi, zumeist Naturkautschuk, von Natur aus elastisch ist, werden bei Stiefeln aus PVC in der Regel Weichmacher benötigt, damit das eher harte PVC geschmeidiger wird. Kritische Weichmacher wie Phthalate können über die Haut oder durch Ausdünsten in den menschlichen Körper gelangen. Sie haben eine hormonaktive Wirkung und können die Fortpflanzungsfähigkeit extrem stören. Dennoch gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für Weichmacher in Gummistiefeln.

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Gummistiefel im Test

WDR 2 Servicezeit 06.05.2019 03:29 Min. Verfügbar bis 05.05.2020 WDR 2

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Labortest: Schadstoffe in sechs von neun Stiefeln

In einer Stichprobe haben wir neun Regenstiefelmodelle unter 20 Euro von einem unabhängigen Labor prüfen lassen. Im Labor wurde nach verschiedenen Schadstoffen gefahndet: Phthalate, PAK, Blei, Cadmium, 2-MBT (allergieauslösend) sowie nach potentiell krebserregenden kurzkettigen Chlorparaffinen.

„Da Gummistiefel gewöhnlich über einen längeren Zeitraum getragen werden, können Schadstoffe durch den Fußschweiß in den Körper gelangen. Das kann für den Verbraucher gefährlich sein und vor allem auch für Kinder,“ erklärt Chemikerin Ines Anderie vom Untersuchungslabor PFI Pirmasens die Problematik.

Drei Stiefel – darunter ein Kindermodell – waren völlig frei von den untersuchten Schadstoffen. Aber auch die anderen Stiefel waren rechtlich nicht zu beanstanden. Allerdings fanden die Chemiker im Obermaterial der beiden anderen Kinderstiefelmodelle neben weiteren PAK auch Spuren je eines krebserregenden PAK sowie Spuren der allergieauslösenden Substanz 2-MBT. Ein Kinderstiefelmodell enthielt darüber hinaus Spuren von krebserregendem Cadmium.

„Wenn man Gummistiefel über einen längeren Zeitraum trägt, können auch kleinere Mengen an krebserregenden PAK erhebliche Schäden auslösen. Obwohl keine gesetzlichen Grenzwerte überschritten sind, sollten diese krebserregenden Substanzen in den Stiefeln nicht vorhanden sein,“ sagt Chemikerin Dr. Ines Anderie.

Größere Mengen eines leberschädigenden Weichmachers, dessen Verwendung in Gummistiefeln gesetzlich nicht geregelt ist, wurden in einem Damenstiefel nachgewiesen. Wir haben die betroffenen Händler und Hersteller um Stellungnahme zu den gefundenen Schadstoffen gebeten. Alle berufen sich darauf, dass ihre Produkte die gesetzlichen Grenzwerte unterschreiten.

Alle Stiefel sind wasserdicht

Immerhin, die Füße bleiben trocken in den Stiefeln aus unserer Stichprobe. Nach der Prüfung mit einem Druckluftverfahren im Wasserbad konnten die Physikexperten des PFI Pirmasens für alle Stiefel grünes Licht geben.

Tragekomfort

Im Praxischeck ging es um die Frage: Sind die Stiefel angenehm am Fuß oder ist das Material zu hart? Die Unterschiede waren minimal. Nur zwei Stiefel erschienen unseren Testern ein wenig zu hart. Beim „Off-Road-Check“ zeigten sich fast alle Stiefel auch rutschfest.

Stand: 06.05.2019, 14:40