Gewitter: gut geschützt vor Blitz und Donner

Gewitter: gut geschützt vor Blitz und Donner

Von Ann-Kristin Danzenbächer

Bei Unwettern und Gewitter stellen sich immer wieder die gleichen Fragen: Wie schützt man sich am besten im Freien bei einem Gewitter? Was muss man in der Wohnung beachten?

Die gefährlichste Situation ist, wenn ein Wanderer oder auch ein Golfer sich allein auf freier Fläche, etwa einer großen Wiese, befindet. Denn dann ist ein Mensch der höchste Punkt und ein Blitz sucht sich in der Regel immer den einfachsten Weg. Dr. Jörg Honerla, Physiker und Blitzexperte von der Universität Duisburg-Essen rät in so einem Fall: "Man sollte versuchen, sich immer einen Graben oder eine Kuhle zu suchen, sich dort hinein zu hocken, die Füße aneinander zu halten, sich nicht mit den Händen abzustützen und so hingekauert hocken zu bleiben."

Handy laut VDE ungefährlich

Auf keinen Fall solle man sich flach auf den Boden legen. Denn im Falle eines Blitzschlags fließt der Strom dann durch den ganzen Körper. Auch schwimmen sollte man bei Gewitter niemals. Das Handy zu benutzen ist jedoch laut den Blitzforschern des Elektrotechnik-Verbands VDE ungefährlich. Die abgestrahlte elektromagnetische Leistung eines Mobiltelefons sei viel zu gering, um die Leitfähigkeit der Luft zu erhöhen.

Nicht unter einen einzelnen Baum stellen

Blitzexperte Honerla nennt zwei Gründe dafür, warum es keine gute Idee ist, sich unter einen großen Baum zu stellen oder auch eine kleinere Baumgruppe: Zum einen können die herumfliegenden Holzsplitter zu Verletzungen führen, falls der Baum getroffen wird und zweitens könne der Blitz vom Baum auf einen direkt darunter stehenden Menschen überspringen.

Im Wald

Mitten im Wald ist es nach Einschätzung von Jörg Honerla etwas weniger gefährlich, schließlich habe der Blitz bei den hunderten oder gar tausenden Bäumen eine größere Auswahl. Zu besonders hohen Bäumen solle man aber möglichst zehn Meter Abstand halten. Und der Blitzforscher rät außerdem, sich auch hier wieder hinzukauern. Ebenso wie der Deutsche Feuerwehrverband, der darauf hinweist, das "mindestens drei Meter von Bäumen oder Astspitzen entfernt" zu tun. Für den Physiker der Universität Duisburg-Essen ist der Aufenthalt im Wald aber in jedem Fall "ein Lotteriespiel": Denn treffen kann einen ein Blitz auch hier immer noch, selbst wenn man Sicherheitsregeln beachtet.

In Auto, Wohnwagen und Wohnmobil

Experten sind sich einig, dass ein geschlossenes Auto ein guter Schutz vor Blitzen ist. Das Metallgehäuse bildet einen sogenannten Faradayschen Käfig, der den Blitzstrom abhält. Allerdings ist bei einem Blitzschlag das Auto nur so lange unbedenklich wie eine Berührung des Metalls von Innen ausgeschlossen ist. Man sollte Fenster und Schiebedächer schließen.


Geschlossene Wohnwagen und Wohnmobile bieten übrigens auch den Schutz eines Faradayschen Käfigs - aber nur, wenn sie eine Aluminium-Außenhaut oder ein Metallgerippe haben. Reine Kunststoffgehäuse hingegen könnten kritisch sein. Ganz kritisch ist ein Zelt: "Wenn ein gängiges Zelt von einem Blitz getroffen wird, ist das lebensgefährlich für den Camper im Innern", betont Physiker Jörg Honerla.

Checken: Droht heute ein Gewitter?

Experten raten, die Wetterlage zu checken, bevor man sich im Sommer auf den Weg macht. Das gilt insbesondere auch für Leute, die wandern oder baden gehen wollen. Neben den vielen Apps, die den Verlauf von Gewitterzellen anzeigen, gibt es natürlich auch noch die klassische Formel zur Berechnung der Entfernung des letzten Blitzeinschlags.

Dazu zählt man den Zeitraum zwischen Blitz und Donner oder stoppt ihn mit einer Uhr. Eine Sekunde Abstand entspricht einer Entfernung von etwa 340 Metern zum Ort des Blitzeinschlags. Denn während das Licht des Blitzes praktisch sofort ankommt, schafft der Schall nur ca. 340 Meter in einer Sekunde.

Wie Sie sich vor Unwettern warnen lassen

Gefährliche Gewitter, extreme Hitze, Eissregen oder Schneefall: Warnungen vor einem Unwetter lassen sich abonnieren. Unterschiedliche Systeme sagen vorher, wann und wo Blitze, Hagel, Sturm oder Niederschlag auftreten können.

Screenshots der App "WarnWetter"

Viele Nutzer lassen sich Warnmeldungen auf ihr Smartphone schicken. Die App Warnwetter stammt vom Deutschen Wetterdienst (DWD) - die staatliche Behörde gibt auch die amtlichen Unwetterwarnungen heraus. Die App bietet aber nicht nur Warnungen, sondern auch Wetterübersichten und -vorhersagen. Sie warnt vor Gewitter, Sturm, Glätte, Schnee, Regen, Tauwetter, Frost, Nebel und Hitze – und mit welcher Intensität zu rechnen ist. Die Stufe, ab der man gewarnt werden will, lässt sich einstellen.

Viele Nutzer lassen sich Warnmeldungen auf ihr Smartphone schicken. Die App Warnwetter stammt vom Deutschen Wetterdienst (DWD) - die staatliche Behörde gibt auch die amtlichen Unwetterwarnungen heraus. Die App bietet aber nicht nur Warnungen, sondern auch Wetterübersichten und -vorhersagen. Sie warnt vor Gewitter, Sturm, Glätte, Schnee, Regen, Tauwetter, Frost, Nebel und Hitze – und mit welcher Intensität zu rechnen ist. Die Stufe, ab der man gewarnt werden will, lässt sich einstellen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn betreibt die NINA, die Notfall-Informations- und Nachrichten-App. Sie zeigt bundesweite und lokale Warnungen an. Das System ist mit den Leitstellen fast aller Kommunen in Nordrhein-Westfalen verbunden. Von dort kommen dann auch Hinweise zu Bombenentschärfungen, Chemieunfällen oder anderen gefährlichen Ereignissen. Die Wetterinfos bei dieser App kommen vom DWD.

Die weit verbreitete App Katwarn hat das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme entwickelt, im Auftrag des Verbandes öffentlicher Versicherer. Die App warnt vor den Katastrophen und Gefahrensituationen. Dafür nutzt sie Daten des DWD und der Behörden, die sich daran beteiligen. In NRW sind es bisher nur wenige Landkreise: Landkreis Euskirchen, Kreis Lippe, Kreis Herford und Kreis Paderborn. Landesämter sind nicht dabei.

Im WDR Text erscheinen amtliche Unwetterwarnungen automatisch auf der Seite 100. Auf den Tafeln 192 und 193 sind alle betroffenen Kommunen aufgelistet.

Auch im Netz hält Sie der WDR auf dem Laufenden: Amtliche Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes erscheinen auf der Startseite automatisch im Wetterkasten, sobald eine extreme Wetterlage in Nordrhein-Westfalen erwartet wird. Wer auf Unwetterwarnung klickt, sieht auf einer eingefärbten Landkarte, wo die DWD-Meteorologen welche Gefahren voraussagen. Unwetterwarnungen gibt es auch bei WDR aktuell in den Radionachrichten.

Wenn in NRW ein starkes Unwetter droht, berichten wir natürlich auch über entsprechende Warnungen. Neben den Daten des Deutschen Wetterdienstes beobachten wir auch ständig die Angaben der Meteogroup, Europas größtem Wetterdienst.

Sollte das Unwetter Schäden im Land angerichtet haben, informieren wir darüber auch hier im Netz, im WDR-Text, in den sozialen Netzwerken und wie gewohnt in den aktuellen Hörfunk- und Fernsehsendungen.

Am besten drinnen in Sicherheit bringen

Am besten sollte man ein Gewitter immer in einem festen Gebäude abwarten. Eines mit Blitzableiter ist natürlich am besten - der Ableiter verhindere etwa den Brand des Dachstuhls, wenn der Blitz das Gebälk treffen sollte, sagt Physiker Jörg Honerla. Er betont aber, dass auch ein Haus ohne Blitzableiter schütze: Denn im Falle eines Blitzschlags könnten etwa die metallischen Rohre der Zentralheizung die Spannung ableiten.

Im Haus sollte man aber trotzdem immer einige Sicherheitshinweise beachten. Der deutsche Feuerwehrverband gibt den Tipp: "In Gebäuden ohne Blitzschutzsystem sollten Sie bei Gewitter auf Kontakt zu Metallleitungen, das Duschen und das Telefonieren mit einem Schnurapparat verzichten sowie die Stecker der Elektrogeräte herausziehen."

Blitzopfern helfen

Menschen, die draußen vom Blitz getroffen wurden, brauchen unbedingt schnelle Hilfe. Prof. Dr. Marcus Lehnhardt vom Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum ist Experte für Verbrennungswunden - und damit auch für Blitzschlagopfer.

Er bezeichnet es als Mythos, dass Blitzschlagopfer noch unter Strom stehen. Einem Helfer drohe nicht der Schlag durch einen vom Blitz getroffenen und er könne durch beherztes Eingreifen wirklich Leben retten. Trotz teils schwerster Verletzungen der Blitzopfer, betont der Mediziner: "Insgesamt zeigt die Statistik, dass über 85 Prozent der Blitzeinschläge überlebt werden."

Stand: 28.05.2018, 12:09