Wiesen wie in Kindertagen – Unterwegs in der Gernsdorfer Weidekämpe

Spaziergang Gernsdorfer Weidekämpe

Wiesen wie in Kindertagen – Unterwegs in der Gernsdorfer Weidekämpe

Von Andrea Klasen

Die Gernsdorfer Weidekämpe: In diesem Naturschutzgebiet leben seltene und gefährdete Schmetterlinge wie der Blauschillernde Feuerfalter und der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Hier finden sie noch den Lebensraum, den sie brauchen.

Wiesen wie in Kindertagen - unterwegs in der Gernsdorfer Weidekämpe

WDR 4 Spaziergang 16.06.2019 02:15 Min. WDR 4

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Spaziergang Gernsdorfer Weidekämpe

Die Gernsdorfer Weidekämpe im Siegerland ist ein Naturparadies. Hier werden die Wiesen naturschutzgerecht bewirtschaftet, sodass man auf Pflanzen und Tiere trifft, die es anderswo kaum noch gibt.

Spaziergang Gernsdorfer Weidekämpe

Der Schlangen-Knöterich war früher auf jeder Wiese heimisch. Die intensive Landwirtschaft hat ihn verdrängt. Dabei ist der Schlangen-Knöterich Nahrungspflanze für die Raupen des blauschillernden Feuerfalters, die auf ihn angewiesen sind.

Der Schlangen-Knöterich war früher auf jeder Wiese heimisch. Die intensive Landwirtschaft hat ihn verdrängt. Dabei ist der Schlangen-Knöterich Nahrungspflanze für die Raupen des blauschillernden Feuerfalters, die auf ihn angewiesen sind.

Der europaweit streng geschützte Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling lebt auch hier. Er ist ein interessanter Schmetterling: Die weiblichen Schmetterlinge legen ihre Eier in die Knospen des Großen Wiesenknopfes. Die Raupen fressen dann die Blüte auf und lassen sich nach 2-3 Wochen zu Boden fallen. Von ihrer Wirtsameise wird die Raupe dann in den Ameisenbau getragen, wo sie sich verpuppt und zu einem Schmetterling wird.

Das gefleckte Knabenkraut ist eine Orchideenart. Ihre Blätter (hier unscharf im Bild) haben ein leopardenartiges Muster. Normalerweise stehen im Juni viele Orchideen auf den Wiesen dieses Naturschutzgebietes. In diesem Jahr sind es nur sehr wenige. Das liegt wahrscheinlich an dem trockenen Frühjahr und regenarmen Sommer im vergangenen Jahr.

Die Wiesen in der Gernsdorfer Weidekämpe werden spät gemäht, damit sich die Samen der Pflanzen ausbreiten können, und Bodenbrüter wie das Braunkehlchen und der Wiesenpieper die Chance haben, ihre Küken aufzuziehen. Anderswo landen die Jungvögel im Mähwerk.

Spinnenexperten von der Universität Marburg sind auch manchmal in der Gernsdorfer Weidekämpe anzutreffen. Sie schauen, welche Spinnenarten es hier gibt und in welchen Bereichen des Naturschutzgebietes sie sich am besten entwickeln.

Die Krabbenspinne lebt hier. Sie ist ein so genannter "Lauerjäger", der keine Fangnetze baut.

Auch Bienenvölker gibt es in der Gernsdorfer Weidekämpe.

Die Ährige Teufelskralle wächst im schattigen Wald. Sie wird auch als Heilpflanze genutzt. Sie soll bei Rheuma, Arthrose und Rückenschmerzen helfen.

Hier gibt es sie noch: Margeriten, die sich im Wind wiegen. In der Gernsdorfer Weidekämpe findet man Wiesen wie aus Kindertagen.

Die Gernsdorfer Weidekämpe ist eine Kulturlandschaft, wie man sie aus längst vergangenen Zeiten kennt, als Wiesen von den Landwirten noch nicht intensiv genutzt wurden. Weil hier naturschutzgerecht gewirtschaftet wird, haben Pflanzen wie das Gefleckte Knabenkraut, der Große Wiesenknopf oder der Klappertopf noch Lebensräume, die sie anderswo nicht mehr finden.

Ein Ort für Schmetterlingsraupen und Bodenbrüter

Viele Pflanzen in diesem Naturschutzgebiet dienen Schmetterlingsraupen als Nahrungsgrundlage. Ohne diese Pflanzen haben die Raupen keine Möglichkeit, weiter zu bestehen. Gemäht werden die Wiesen hier erst spät, wenn Bodenbrüter wie das Braunkehlchen oder der Wiesenpieper flügge sind und die Samen der Pflanzen sich entwickelt und verbreitet haben. Das Mähen dieser Wiesen ist wichtig, weil sonst Wald und Buschwerk entstehen würden. Weiter oben im Gebiet sorgen Rinder dafür, dass die Flächen kurz gehalten werden.

Wer also Wiesen, wie es sie früher einmal gab, in ihrer ganzen Schönheit bestaunen möchte, der ist in der Gernsdorfer Weidekämpe genau richtig.

Der Rundweg in diesem Naturschutzgebiet ist vier Kilometer lang und eine leicht zu bewältigende Strecke.

Anfahrt

Die Gernsdorfer Weidekämpe liegt zwischen 57234 Wilnsdorf-Gernsdorf und 57250 Netphen-Irmgarteichen an der L 722.

Ein Parkplatz befindet sich auf der linken Seite, kommt man aus  Richtung Irmgarteichen.

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Stand: 15.06.2019, 00:00