Flugverschiebung – welche Rechte hat der Kunde?

Flugverschiebung auf Kosten der Kunden Servicezeit 15.05.2019 06:01 Min. UT Verfügbar bis 15.05.2020 WDR Von Tobias Spelz

Flugverschiebung – welche Rechte hat der Kunde?

Von Tobias Spelz

Die Pauschalreise ist gebucht, alles ist geplant, doch dann der Schock: Die Flugzeit wurde geändert. Kunden müssen das nicht automatisch hinnehmen.  

Reiseveranstalter berufen sich gerne darauf, dass es sich bei den angegebenen und verkauften Flugzeiten um "voraussichtliche" Angaben handelt. Trotzdem: Wer eine Pauschalreise gebucht hat, muss nicht automatisch hinnehmen, wenn sich der Abflug plötzlich verschiebt.

Reiseveranstalter in der Pflicht

Auch wenn für die Flugzeitenänderungen meist die Airlines verantwortlich sind: Den Vertrag hat der Kunde bei einer Pauschalreise mit dem Reiseveranstalter, deshalb ist der auch für den Kunden verantwortlich.

Grundsätzlich hat der Reiseveranstalter das Recht, Änderungen im Vertrag durchzuführen. Solange die Änderungen unerheblich sind, muss der Kunde diese akzeptieren. Ist die Vertragsänderung allerdings erheblich, kann sich der Kunde wehren.

Erhebliche oder unerhebliche Vertragsänderung?

Das Bild zeigt Menschen mit Gepäck am Flughafen.

Mehr als vier Stunden Verzögerung?

Bleibt die Frage, was eine erhebliche Vertragsänderung ist. Servicezeit-Reiserechtsexperte Hans-Josef Vogel gibt ausgehend von der EU-Fluggastrechteverordnung folgende Faustformel: Wenn der Flug bei einer Pauschalreise um mehr als vier Stunden verschoben wird, kann man von einer erheblichen Vertragsänderung ausgehen. Dann kann der Kunde den Reiseveranstalter auffordern, einen adäquaten Ersatzflug anzubieten.

Tut er das nicht, kann der Kunde kostenfrei von der Reise zurücktreten. Fliegt er dennoch zu den erheblich geänderten Flugzeiten, bleibt ihm die Möglichkeit, den Reisepreis zu mindern.  

Flug auf eigene Kosten buchen?

Ob man auf eigene Faust einen neuen Flug buchen und das Geld vom Reiseveranstalter zurückholen darf, ist umstritten. Das Landgericht Hannover gab einer Familie Recht: Die selbst gebuchten Flüge mussten vom Veranstalter bezahlt werden. Dies war allerdings noch vor Inkrafttreten des neuen Reiserechts.

Generell gilt: Wer selber umbucht und das Geld vom Veranstalter zurück haben will, muss sich auf einen Klageweg einstellen. Vorsicht übrigens: Reiseveranstalter dürfen bei einer Vertragsänderung wie zum Beispiel den Flugzeiten eine Frist angeben, innerhalb der der Kunde reagieren muss. Wenn er die verpasst, gilt die Vertragsänderung als angenommen.   

Was ist bei direkt gebuchten Flügen?

Wenn der Kunde die Flüge direkt bei einer Airline gebucht hat, dann gilt die EU-Fluggastrechte-Verordnung. Wenn die Verschiebung weniger als zwei Wochen vor Abflug bekannt gegeben wurde und die Ankunft mit mehr als drei Stunden Abweichung erfolgt, sollte der Kunde Ansprüche auf Ausgleichszahlungen prüfen. Diese liegen, je nach Entfernung, zwischen 250 und 600 Euro pro Person.

Stand: 15.05.2019, 15:03