Der Airbag für Fahrradfahrer

Der Airbag für Fahrradfahrer

Von Nico Rau

  • Statt Helm trägt der Fahrradfahrer eine Art Halskrause
  • Bei Unfall oder Sturz bläst sich ein Airbag blitzschnell auf
  • Studie zeigt eine bessere Stoßdämpfung

Eine Halskrause für die Sicherheit

Der Airbag-Helm Hövding ist eine Mischung aus Schal und Halskrause und erinnert an einen dicken Anorak-Kragen. Er wird einfach um den Hals gelegt, mit einem Reißverschluss geschlossen und per Knopfdruck aktiviert. Im Nacken sitzt ein Kaltgasgenerator, der bei einem Sturz den Airbag mittels Helium aufbläst. Der Generator hat ein gewisses Gewicht und ist beim Tragen deutlich zu spüren. Der Airbag-Helm wiegt mit ca. 700 Gramm deutlich mehr als normale Helme. Die Batterien müssen regelmäßig aufgeladen werden und halten circa neun Stunden am Stück.

Ein Airbag für den Radfahrer

Im Airbag-Helm sind Sensoren verbaut, die 200 Mal in der Sekunde registrieren, wie sich der Radfahrer bewegt. Dabei erkennt das System genau, ob der Fahrradfahrer sich normal fortbewegt oder stürzt. In dem Fall bläst sich der Airbag in 0,1 Sekunden auf und bildet eine schützende Kapuze um den Kopf des Radlers.

Algorithmus für die Sicherheit

Ein Algorithmus erkennt den Unterschied zwischen normaler Bewegung und Sturz. Die Entwickler haben ihn mit über tausend Bewegungsmustern von Fahrradunfällen von Crashtest-Dummies und Stuntmen gefüttert und ebenso mit Bewegungsdaten von normalen Radfahrten. Tritt während der Fahrt eine anormale Bewegung auf, löst der Algorithmus den Airbag aus.

Airbag für Radfahrer

WDR 2 Servicezeit 05.09.2018 03:38 Min. WDR 2

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Studie zeigt Schutzwirkung

Die Stanford University hat den Airbag-Helm 2016 getestet. Das Ergebnis: Der Kopf wird bei einem Aufprall bis zu achtmal besser vor Schädel-Hirn-Traumata geschützt, als bei einem herkömmlichen Helm. Der Airbag-Helm ist insgesamt größer und kann daher vom Material weicher sein. So kann er Stürze sanfter abfedern und dafür sorgen, dass das Gehirn nicht so heftig gegen die Schädeldecke schlägt. Doch sind Unfallszenarien denkbar, in denen ein normaler Helm besser schützt: Bei einem Frontalcrash würde der Airbag-Helm erst bei einem Sturz auslösen. Ein normaler Helm schützt direkt.

Teurer Airbag

Der Hövding kostet rund 300 Euro. Einmal ausgelöst, muss er erneuert werden. Der Hersteller bietet ein Crash Replacement Programm an. Für 199,90 Euro tauscht er den benutzten Helm aus und nutzt dafür die Unfalldaten zur Produktweiterentwicklung.

Günstigere Alternativen

Auch bei den klassischen Fahrradhelmen hat sich einiges getan. Viele neue Modelle sind leicht, luftdurchlässig und bequem. Die Stiftung Wartentest und der ADAC haben im letzten Jahr Helme getestet. Gute und sichere Modelle gibt es im Handel bereits ab 60 Euro.

Stand: 04.09.2018, 15:26