Fahrrad zu E-Bike umbauen – machbar, aber meist riskant

Mann fährt offroad mit einem E-Mountainbike

Fahrrad zu E-Bike umbauen – machbar, aber meist riskant

Von Daniel Chur

  • Fahrrad-Club und Händler warnen vor Risiken
  • Rahmenbrüche und Bremsversagen möglich
  • Solide Lösungen ähnlich teuer wie manch neues E-Bike

Der Gedanke ist eigentlich logisch: Das eigene, noch rein mit Muskelkraft angetriebene Fahrrad hat erst zwei, drei Jahre auf dem Buckel und fährt sich gut. Warum dann viel Geld für ein neues Pedelec oder E-Bike ausgeben? Zumal es im Internet reichlich Sets gibt, die man zum Umrüsten bestellen kann.

Sets im Internet bestellbar

Diese Sets gehen oft schon bei wenigen hundert Euro los. Sie bestehen in der Regel aus einem Elektromotor, der an das Vorder- oder Hinterrad bzw. ans Tretlager kommt, einem Akku sowie dem Controller und den Steuerelementen. Per Anleitung oder auch per Video-Tutorial im Netz kann man sich dann selbst ans Umbauen machen.

Einzelne Hersteller bauen für einen meist vierstelligen Betrag ihre herkömmlichen Fahrräder auch zu E-Bikes um. Dafür muss man die Räder dann einschicken. Und es gibt auch Fahrradhändler oder –Werkstätten, bei denen man einen solchen Umbau machen lassen kann. Allerdings sind dies nur sehr wenige. Denn nur die wenigsten halten etwas von diesen Umbauten.

Altes Fahrrad nachrüsten oder besser doch ein Neues kaufen

WDR 2 Servicezeit | 08.06.2018 | 03:19 Min.

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Rahmenbrüche und Bremsversagen möglich

Nur die wenigsten herkömmlichen Fahrräder taugen nämlich tatsächlich für einen Umbau. Sie sind beispielweise zu alt – älter als fünf Jahre sollten die Räder nicht sein. Vor allem aber sind die Rahmen oft zu schwach für Gewicht und Geschwindigkeit eines E-Bikes oder Pedelec. Die haben verstärkte Rahmen, Reifen und Speichen, ebenso wie stärkere Bremsen.

Darum warnt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) vor möglichen schweren Unfällen mit solchen umgebauten Fahrrädern. Auch viele Fahrradhändler befürchten, dass nach solchen Umbauten Rahmen brechen oder Bremsen versagen könnten.

Händler wollen keine Gewährleistung übernehmen

Händler oder Werkstätten würden, wenn sie den Umbau zu einem Pedelec oder E-Bike vornehmen würden, rechtlich zu "Herstellern" der Räder werden, da der Umbau so gravierend ist. Dementsprechend müssten sie eine Gewährleistung für das umgebaute Rad übernehmen.

Genau das würde ADFC-Technikexperte Stephan Behrendt den Händlern nicht raten: "Jeder Umbau macht aus dem Fahrrad eine Maschine, und der Fahrradhändler wird zum Produzenten einer solchen. Der Händler sollte tunlichst eine entsprechende Betriebshaftpflicht abgeschlossen haben. Der ADFC hält von solchen Umbauten nichts."

Versicherungsrechtliche Probleme

Nicht zuletzt muss man bei einem Umbau bedenken, dass je nach Motorenstärke auch andere versicherungsrechtliche Voraussetzungen vorliegen. Ist der Motor stärker, dann gilt das Rad schnell nicht mehr als Pedelec, sondern tatsächlich als E-Bike, das man speziell versichern muss.

Solide Umrüstung kostet

Ein letztes Argument für das Umrüsten ist oft der Preis. Aber auch hier ist zu bedenken: Bei billigen Umbausets kommt man oft nur schwer an Ersatzeile. Ein vernünftiger Umbau kostet schon eine vierstellige Summe. Und dafür bekäme man schon ein halbwegs vernünftiges neues Pedelec.

Stand: 08.06.2018, 11:30