Autoscheiben frei kratzen – ein Muss im Winter

Autoscheiben frei kratzen – ein Muss im Winter

Wer mit schlecht enteisten Scheiben fährt, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere. Das kann rechtliche Konsequenzen haben. Wir zeigen, worauf Sie beim Kratzen achten sollten.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt beginnt der Morgen für Autofahrer immer gleich: Autoscheiben freikratzen! Die Fahrer, die nur ein Sichtloch von Schnee und Eis befreien, nennt man im Polizeijargon in der deutschsprachigen Schweiz „Iglufahrer“.

Unter den Iglufahrern gibt es verschiedene Methoden

Einige Autofahrer kratzen nur ein kleines Loch auf der Windschutzscheibe frei. Dadurch hat man nur eine statische Sicht nach vorn, von den umliegenden Geschehnissen bekommt der Fahrer nichts mit! Gerade die Seitenscheiben und Seitenspiegel sind für eine umfassende Sicht des Verkehrs aber essentiell, und die Gefahr, dass man Unfälle ist groß.

In Nachbarländern wie der Schweiz muss man gar mit Führerscheinentzug rechnen. Zudem können Versicherungen im Fall eines Schadens die Leistungen kürzen.

Auch die zweite und weit verbreitete Art von Iglufahrern ist eine echte Gefahr im Straßenverkehr: Sie kratzen überall ein wenig Eis weg und fühlen sich durch den scheinbar freien Blick sicher. Liegt ein Hindernis im Bereich einer nicht enteisten Stelle, wird es schlicht nicht wahrgenommen! Auch so kann es zum Unfall kommen.

Die Konsequenzen

Die Polizei macht während ihrer Kontrollen keine Unterschiede, ob eine Scheibe minimal oder zur Hälfte frei gekratzt ist. Sie muss vollständig vom Eis befreit sein. Ansonsten kostet diese Ordnungswidrigkeit 10 Euro.

Bei einem nicht vom Schnee befreiten Dach fallen sogar 25 Euro an. Fallen Eisplatten zum Beispiel nachfolgende Fahrzeuge herab und werden diese dadurch beschädigt, kann es zu einer Ahndung von 35 Euro kommen. Bei einem zugeschneiten Kennzeichen sind es 5 Euro!

In Nachbarländern wie der Schweiz muss man beim Iglufahren sogar mit einem Führerscheinentzug von mindestens einem Monat rechnen.

Wer mit einem schlecht enteisten Auto fährt, handelt grob fahrlässig. Bei einem Unfall können Versicherungen also die Leistungen je nach Härtefall kürzen und man bekommt in der Regel mindestens eine Teilschuld zugesprochen.

Kommt es bei einem Unfall dazu, dass Personen verletzt oder sogar getötet werden, geht die Polizei bei beeinträchtigter Sicht oder bei vom Autodach herabfallenden Eisplatten „grundsätzlich von Fahrlässigkeit“ aus.

Richtig Autofahren bei Schnee und Eis

Bei Schnee, Eis und Minustemperaturen macht Autofahren wenig Spaß. Wer aber einige Regeln befolgt und die richtige Ausrüstung zur Hand hat, fährt auch im Winter sicher.

Auto im Winter

Wer keine Garage hat, sollte einen Türschlossenteiser immer bereit haben und niemals im Auto liegen lassen! Gegen das Anfrieren von Scheibenwischern zugeschnittene Kartons unter die Wischarme klemmen.

Wer keine Garage hat, sollte einen Türschlossenteiser immer bereit haben und niemals im Auto liegen lassen! Gegen das Anfrieren von Scheibenwischern zugeschnittene Kartons unter die Wischarme klemmen.

Alternativ: Die Spitze des Autoschlüssels mit einem Feuerzeug erwärmen, dann sofort versuchen, ins Schloss zu stecken.

Vor dem Einsteigen das Fahrzeug komplett von Schnee und die Scheiben von Eis befreien. Radkästen nicht vergessen: Schnee- und Eisreste könnten ansonsten die Lenkung einschränken.

Mitfahrer nicht vorher einsteigen lassen, ihre Atmung könnte die Scheiben beschlagen lassen. Damit nicht zu viel Feuchtigkeit in den Innenraum gerät, bei Schnee Schuhe draußen abklopfen. Und Scheibe unbedingt vorher reinigen, Schmutz bindet Nässe.

Um Feuchtigkeit im Innenraum zu reduzieren, empfiehlt es sich auch, einen mit Salz gefüllten Behälter auf dem Boden zu platzieren. Ebenso geeignet zur Entfeuchtung ist Katzenstreu.

Sobald Sie losfahren, Heizung und Lüftung auf die höchste Stufe stellen. Die gesamte Luft sollte an die Scheiben strömen, damit diese nicht mehr beschlagen. Auch die Klimaanlagen im Winter einschalten, weil so die feuchte Luft im Innenraum trocknet.

Bei sehr glatter Fahrbahn am besten im zweiten Gang anfahren, so wird ein Durchdrehen der Räder eher vermieden. Falls ihr Automatikgetriebe über ein "Winterprogramm" verfügt, aktivieren Sie es.

Der ADAC rät, bei glatter Fahrbahn mit möglichst großem Gang und niedrigen Motordrehzahlen zu fahren. Schalten Sie behutsam, damit die Antriebsräder nicht rutschen.

Vermeiden Sie ruckartige Lenkbewegungen. Bricht der Pkw aus, müssen Sie auskuppeln und schnell, aber gefühlvoll gegenlenken. Lässt sich das Fahrzeug nicht mehr lenken, hilft nur noch die Vollbremsung.

Bei einer Notbremsung treten Sie mit voller Kraft auf das Pedal, um einen möglichst kurzen Bremsweg zu erzielen. Falls der Wagen dabei ausbricht, möglichst schnell das Pedal lösen und gegenlenken, eventuell erneut bremsen.

Grundsätzlich ist ein vorausschauender und umsichtiger Fahrstil das A und O im Winter. Die Devise des ADAC lautet: Größeren Abstand halten, sanft bremsen, gefühlvoll lenken.

Unser Rat für guten Durchblick:

  • Alle Scheiben des Fahrzeuges sorgfältig enteisen.
  • Schnee auf dem Autodach entfernen.
  • Unbedingt auch Lichter von Schnee und Eis befreien!
  • Immer darauf achten, dass genügend Wischflüssigkeit vorhanden ist. Diese sollte so frostsicher sein, wie in NRW üblich.
  • Scheibe auch von innen putzen - Fensterreiniger und Küchentuch sind hierfür perfekt.

Fahrsicherheits-Experte Michael Tück rät von Kratz-Alternativen ab:

  • Heißes Wasser birgt die Gefahr, dass sich Risse in der Scheibe bilden!
  • Ein Folienschutz für die Windschutzscheibe wird meist im Inneren des Wagens befestigt, was dazu führt, dass Feuchtigkeit in Ihr Auto eindringen kann.
  • Enteisungsspray wirkt nur auf den ersten Blick. Bei anschließender Fahrt beschlagen die Scheiben sehr oft!

Stand: 21.01.2019, 15:00