Adenauers Parzelle am "Faulen Berg"

Ein Garten wie in Italien – Konrad Adenauers Oase hoch über Rhöndorf

Stand: 07.08.2022, 00:00 Uhr

Konrad Adenauer war ein leidenschaftlicher Gärtner. Jede freie Minute verbrachte er zwischen seinen Rosen, den Lavendelbüschen oder im Schatten seiner Obstbäume. Adenauers südländisch anmutender Garten mit Brunnen und Steinfiguren ist ein durchkomponiertes Gesamtkunstwerk und heute ein Museum unter freiem Himmel.

Von Andrea Klasen

Ein Garten wie in Italien – Konrad Adenauers Oase

WDR 4 Spaziergang 07.08.2022 02:30 Min. Verfügbar bis 06.08.2023 WDR 4 Von Andrea Klasen


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Der Kanzlergarten – lustwandeln in Konrad Adenauers blühendem Refugium in Rhöndorf am Rhein

Was Konrad Adenauer machte, das machte er richtig. Auch das Gärtnern. Seinen Rhöndorfer Garten hatte er zunächst "in Gedanken" geschaffen, bevor er ihn mit Bleistift in einem Schulheft skizzierte und dann in die Tat umsetzte. Herausgekommen ist ein wunderschöner, sehr persönlicher Garten, der italienisches Flair versprüht.

Adenauers Parzelle am "Faulen Berg"

Das Grundstück, auf dem sich Wohnhaus und Garten von Konrad Adenauer befinden, war einmal ein Weinberg. Adenauer kaufte die Parzelle am "Faulen Berg" Anfang 1937, als viele Winzer aufgaben, und fand dort, hoch über Rhöndorf, bis zu seinem Tod 1967 ein Zuhause und einen Rückzugsort.

Das Grundstück, auf dem sich Wohnhaus und Garten von Konrad Adenauer befinden, war einmal ein Weinberg. Adenauer kaufte die Parzelle am "Faulen Berg" Anfang 1937, als viele Winzer aufgaben, und fand dort, hoch über Rhöndorf, bis zu seinem Tod 1967 ein Zuhause und einen Rückzugsort.

Da Haus und Garten an einem Hang liegen, hat Konrad Adenauer mit Hilfe von Terrassen und Trockenmauern Platz und Struktur geschaffen. Verschlungene Pfade, Hauptwege und Schleichwege führen den Besucher durch die Blütenpracht hindurch. Die verschiedenen Ebenen des Gartens sind über Treppen miteinander verbunden. Der Garten hat eine Größe von 5000 qm. Im Hintergrund der Arbeits-Pavillon, in dem Adenauer seine Memoiren geschrieben hat.

Adenauers Lieblingsblumen waren Rosen. Er pflanzte jedoch nur Rosen, die dufteten, und kümmerte sich, wann immer er Zeit hatte, um die Pflege dieser edlen Gewächse. Rosenzüchter war er jedoch nie. Davon gibt es nur wenige in Deutschland. Der erste Kanzler der Bundesrepublik (von 1949 bis 1963) beeindruckte jedoch mit großem botanischen Wissen und wusste genau, was er wo pflanzen wollte, als er den Garten plante.

Ihm war es wichtig, dass das ganze Jahr über etwas blüht. Seine Beetrosen taten das bis in den Dezember hinein. Im Sommer können die Besucher die riesigen Lavendelbüsche bewundern, die herrlich duften und viele Insekten anlocken. Bad Honnef gilt als das "rheinische Nizza" und bietet auch wärmeliebenden Pflanzen ideale Bedingungen.

Adenauers Garten hat auch verträumte und verspielte Ecken. Brunnen sorgen für eine angenehme Kühle an schwülen Sommertagen. Der Rheinländer machte in seinen letzten zehn Lebensjahren gerne Urlaub in Cadenabbia am Comer See. Von dort brachte er viele Ideen, Pflanzen, seinen Feigenbaum und zahlreiche Putti mit.

Während seiner Italienurlaube entdeckte er auch seine Begeisterung für das Bocciaspiel. Weil er in Rhöndorf auf keinen Fall darauf verzichten wollte, ließ er sich im oberen Teil des Gartens eine Bocciabahn bauen – mit Flutlicht. Am Bocciaspiel gefiel ihm vor allem – wie in der Politik – das Taktische und das Strategische. Meistens gewann er beim Boccia, verlieren konnte er dagegen nicht so gut.

Vom Anwesen aus hat man einen weiten Blick Richtung Rheintal, in die Eifel und auf den Drachenfels. Zu Adenauers Lebzeiten, als die Bäume in Rhöndorf noch nicht so hoch gewachsen waren, konnte er von hier aus uneingeschränkt den Rhein sehen.

Auch der kleine Innenhof, der von der Küche hinausführt, erinnert an die Innenhöfe und Patios in Südeuropa. In Konrad Adenauers Garten entdeckt man viele Details und spürt, mit wie viel Hingabe er ihn gestaltet und gepflegt hat.

Im unteren Teil des Gartens, wo während des Zweiten Weltkriegs Gemüse für die Selbstversorgung angebaut wurde, befindet sich heute dieser Teich mit Seerosen. Frösche legen hier ihren Laich ab und läuten so jedes Jahr den Frühling in Rhöndorf ein.

Neben dem Gartenteich stehen diese Plastiken: Charles de Gaulle und Konrad Adenauer. Der Franzose war dreimal in Adenauers Privathaus zu Gast und ganz sicher werden die beiden Staatsmänner auch gemeinsam durch den Garten spaziert sein, um die Bande zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zu festigen.

Konrad Adenauer liebte die Natur. Als Kölner Oberbürgermeister hatte er den Grüngürtel geschaffen, um allen Menschen der Stadt die Möglichkeit zu geben, jederzeit raus ins Grüne gehen zu können.

Der private Garten in Rhöndorf war sein persönlicher Rückzugsort, eine Lebensaufgabe, und Adenauer zog Parallelen zwischen Gärtnern und der politischen Arbeit, denn auch da müsse man säen, pflegen und wachsen lassen.

Wer Konrad Adenauer als Politiker und Mensch näher kennenlernen möchte, dem sei ein Besuch in Rhöndorf empfohlen. Der wunderschöne Garten erzählt viel über den Menschen Adenauer.

Auch das Wohnhaus ist heute Museum und absolut sehenswert. Das Haus steckt voller Geschichten und Erinnerungen. Da Adenauer die Aussöhnung mit Frankreich eine Herzensangelegenheit war, war Charles de Gaulle hier dreimal zu Gast. Adenauers Haushälterin backte dann jedes Mal einen Obstkuchen und die beiden Staatsmänner plauderten am Esstisch mit Blick in den Garten. In der sogenannten "Kajüte", wo Adenauer frühstückte, hängen selbst gemalte Bilder, die Dwight D. Eisenhower und Winston Churchill für den ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gemalt haben. 

Außerdem kann man seinen Besuch im Adenauerhaus mit der Dauerausstellung "Konrad Adenauer 1876-1967. Rheinländer, Deutscher, Europäer" abrunden, um noch tiefer in Leben und Wirken des Gründungskanzlers einzutauchen.

Anfahrt / Parkplatz

Rhöndorfer Straße 30
53604 Bad Honnef

Einen Besucherparkplatz gibt es in der Rhöndorfer Straße 30, neben der Feuerwache. Von dort aus sind es zu Fuß zehn Minuten bis zum Adenauerhaus. Reisegruppen werden um Voranmeldung gebeten. Auch Führungen können gebucht werden.

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