Fett und Zucker: Nährwert-Ampel soll Verbrauchern helfen

Lebensmittelkennzeichnung Nutri Score auf einer Müslipackung

Fett und Zucker: Nährwert-Ampel soll Verbrauchern helfen

Von Nina Magoley

  • Gesundheitsexperten fordern Kennzeichnungssystem für Fett, Zucker oder Salz
  • Foodwatch-Studie vergleicht solche Modelle
  • Bundesernährungsministerin Klöckner will eigenes System

Müsli ist gesund - aber nur, wenn es keinen Zucker enthält. In vielen Fertigprodukten sind mehr Zucker, Fett oder Salz enthalten, als für eine gesunde Ernährung empfehlenswert ist.

Zwar muss auf Lebensmittelverpackungen aufgelistet sein, welche Mengen etwa an Energie, Fett oder Zucker enthalten sind. "Die meisten Verbraucher können diese Angaben aber nur schwer einordnen", sagt Nora Dittrich von der Verbraucherzentrale NRW.

In anderen Ländern bereits "Ampel"-System

Die Verbraucherzentrale fordere daher, ähnlich wie Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen, ein einheitliches Kennzeichnungssystem, das helfen soll, "günstige von ungünstigen Lebensmitteln zu unterscheiden", sagt Dittrich.

In Frankreich, Belgien und Spanien gibt es auf Fertigprodukten bereits die sogenannte "Nutri-Score-Ampel". Eine Skala zwischen rot und grün zeigt an, wie das Produkt einzuordnen ist. Ein Algorithmus verrechnet dazu die günstigen und ungünstigen Nährwerte miteinander.

Ähnliche Kennzeichnungssysteme gibt es auch in anderen Ländern. Die Verbraucherorganisation Foodwatch stellte am Mittwoch (15.05.2019) eine Studie vor, die fünf solcher Modelle miteinander verglichen hat. Demnach fanden die Teilnehmer der Studie die Nutri-Score-Ampel am hilfreichsten. Sie ergab die höchste Trefferquote bei der richtigen Einschätzung eines Produkts.

Klöckner will eigenes System

Auch eine Studie des Bundesernährungsministeriums gab der Nutri-Score-Ampel gute Noten. Ministerin Julia Klöckner (CDU) will dennoch ein eigenes System entwickeln - in Abstimmung mit der Nahrungsindustrie, wie sie sagt.

Ihr Argument: Es "irritiere", dass nach der Nutri-Score-Ampel "ein Menü aus Pommes-Frites, Schnitzel und einem Light-Softgetränk durch den dahinterstehenden Algorithmus eine positive, grüne Bewertung bekäme".

Jedes Modell habe Vor- und Nachteile, entgegnet Luise Molling von Foodwatch. Im Fall der Aufback-Pommes bewerte der Algorithmus die Kartoffelstücke bevor sie vom Verbraucher ins siedende Fett geworfen werden. "Denn der eine backt sie mit Fett, der andere im Ofen".

Die Cola light bekomme - obwohl als Getränk nicht empfehlenswert - "grün", da sie keinen Zucker enthält. In solchen Ausnahmefällen wäre ein entsprechender Hinweis auf den Packungen beispielsweise eine Lösung.

Nutri-Score habe sich in mehreren Ländern bereits bewährt, Foodwatch fordere Ministerin Klöckner auf, das System bald auch in Deutschland einzuführen. Es sei "höchste Zeit, dass Ministerin Klöckner sich von der unbelehrbaren deutschen Süßwaren- und Junkfood-Industrie emanzipiert".

Was können Lebensmittelkennzeichnungen?

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 03.05.2019 05:44 Min. WDR 5 Von Tobias Jobke

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Stand: 15.05.2019, 10:00