Wohlfühlmasche bei Tees

Wohlfühlmasche bei Tees

Von Dorothee Werkmann

Wohlfühltees mit Namen wie "Lebensfreude" oder "Antrieb" liegen schwer im Trend. Teehersteller bieten immer neue Produkte an, die sich positiv auf den Verbraucher auswirken sollen. Aber welche Wirkung haben Wohlfühltees tatsächlich auf unsere Emotionen?

Tee als Arzneimittel

Tees können sich auf Körper und Geist auswirken. Schon lange wird zum Beispiel Johanniskrauttee verwendet, um bei Stimmungsschwankungen oder Depressionen nachweislich zu helfen. Zu empfehlen ist allerdings weniger die Variante aus Drogerie- oder Supermärkten, sondern arzneiliche Tees aus der Apotheke. Denn bei der Wirkung von Tees kommt es nicht nur auf die Inhaltsstoffe an, sondern auch auf deren Dosierung. Wichtig: Arzneiliche Tees können Nebenwirkungen haben – es empfiehlt sich also ein Blick in den Beipackzettel oder ein Gespräch mit dem Apotheker.

Wirkung von Wohlfühltees nicht nachweisbar

Wir haben uns mit Apothekerin Yvonne Schilling drei Wohlfühltees aus dem Handel genauer angesehen:

  • „Heiße Liebe“ von Teekanne für 1,99 Euro
  • „Antrieb“ von Stick und Lembke für 2,49 Euro
  • „Lebensfreude“ von Yogi Tea für 2,49 Euro.
Das Bild zeigt die drei untersuchten Teesorten.

Die getesteten Tee-Sorten.

Im Fall der „Heißen Liebe“ kritisiert Apothekerin Yvonne Schilling, dass es außer Aromastoffen kaum Inhaltsstoffe gibt. Der Genuss resultiert vor allem aus dem Vanille-Duft und dem Geschmack – von einer anhaltenden Wirkung kann keine Rede sein.

„Antrieb“ von Stick und Lembke und „Lebensfreude“ von Yogi Tea sind zwei ayurvedische Tees, die zwar reicher an Inhaltsstoffen sind – eine arzneiliche Wirkung haben aber auch diese beiden nicht. Und damit auch nicht auf das Wohlbefinden.

Gefühlsbetonte Werbung soll Kunden anlocken

Gefühlsbetonte Werbung umfasst Inhalte, die sich nicht bloß auf die reine Sachinformation über ein Produkt beschränken – wie Preis und Funktion – sondern Gefühle ins Spiel bringen, wie Liebe, Vertrauen oder auch Erotik. Mit emotionaler Werbung wollen Hersteller den Kunden auf Dauer an ihre Marke binden.

Früher war gefühlsbetonte Werbung selten und rechtlich problematisch. Emotionaler Werbung wurde unterstellt, Defizite beim Produkt verbergen zu wollen. Sie war lange Zeit nur dann erlaubt, wenn die entsprechende Emotionalität in einem unmittelbaren sachlichen Zusammenhang zu dem beworbenen Produkt stand. Zum Beispiel, wenn ein Möbelhaus damit wirbt, dass es für jedes gekaufte Bett einen Baum im Regenwald pflanzen wird. Das Bett als Möbel steht im Zusammenhang mit Bäumen, die für die Möbelproduktion abgeholzt werden. 

Heute besteht Werbung fast ausschließlich aus der Emotionalisierung von Produkten. Aber auch heute ist nicht alles erlaubt: Wenn zum Beispiel eine Wirkung versprochen wird, die nicht eingehalten wird.

Juristisch ist die Wohlfühlmasche nicht unumstritten

Jüngst gab es das Urteil eines Gerichts gegen einen deutschen Bierbrauer, der sein Bier als „bekömmlich“ bezeichnete. „Bekömmlich“ suggeriere einen gesundheitlichen Nutzen – der bei alkoholischen Getränken verboten ist.

Und auch bei vielen Wohlfühltees bewegen sich die Hersteller laut von uns befragten Juristen in einer Grauzone – weniger, wenn es um „Heiße Liebe“ geht, da es sich hierbei unmissverständlich um einen Werbegag handelt. Komplizierter wird es bei Tees, die mit Begriffen wie "Kraft" werben. Kritiker könnten hier eine irreführende Wirkung vermuten. Aber: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Wer also wirklich gezielt nach Tee mit arztneilicher Wirkung sucht, sollte in der Apotheke nachfragen – und nicht im Supermarkt.

Stand: 16.11.2017, 14:41