Weniger Zucker gleich weniger Inhalt?

Weniger Zucker gleich weniger Inhalt?

Von Marco Müller

  • Es gibt immer mehr zuckerreduzierte Produkte
  • Einige Hersteller verringern dabei den Inhalt
  • Und nutzen "weniger Zucker" zu Preiserhöhungen

Fettleibigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-II-Diabetes – dies sind laut Bundesernährungsministerin Julia Klöckner einige der Folgen von zu viel Zucker, gesättigten Fettsäuren und Salz. 15 Prozent der Kinder, 43 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer in Deutschland sind übergewichtig.

Weniger Zucker, weniger Inhalt

WDR 5 Profit - aktuell 13.12.2018 02:56 Min. WDR 5

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Politik wünscht weniger Zucker

Darum hat das Ernährungsministerium die sogenannte "Reduktions- und Innovationsstrategie" ausgearbeitet. Ziel: Weniger Zucker, Fette und Salz in Fertiglebensmitteln.

Alleine kann Klöckner das nicht verfügen, daher findet sie: "Es ist gut, dass die teilnehmenden Wirtschaftsverbände sich nun in der Grundsatzvereinbarung bereit erklärt haben, Maßnahmen und Ziele zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten festzulegen."

Die Realität im Supermarkt

Eigentlich eine gute Sache. Schlecht wird es nur, wenn Hersteller die Reduktion von Zucker dazu nutzen, um die Preise anzuheben – oft so, dass es dem Verbraucher nicht auffällt.

Der WDR hat sich einige beliebte Produkte im Supermarkt angeschaut – mit deutlichem Ergebnis. So gibt es die original Leibnitz Butterkekse in der 200-Gramm-Packung oft für 0,99 Euro. Meist werden die Butterkekse direkt daneben auch in einer Variante mit 30 Prozent weniger Zucker angeboten - zum gleichen Preis.

So tricksen die Hersteller

Dabei sehen die Packungen im Regal auf den ersten Blick gleich groß aus. Schaut man sich die zuckerreduzierten Kekse genauer an, ist die Verpackung jedoch weniger dick und enthält nur 150 Gramm. Dies entspricht einem Preisaufschlag von gut 30 Prozent!

Hersteller lassen sich "weniger Zucker" teuer bezahlen

Weniger Zucker liegt im Trend. Nur: Einige Hersteller nutzen die zuckerreduzierten Produkte zu satten Preiserhöhungen. Eine Auswahl drastischer Preiserhöhungen.

Packungen mit Chai Latte im Supermarkt

Links im Bild in der dunkelblauen Packung: Krüger Chai Latte Vanille Zimt für 1,99 Euro. Rechts in der hellblauen Packung Krüger Chai Latte Vanille Zimt "weniger Süß". Die Überraschung folgt, wenn man die Packung dreht.

Links im Bild in der dunkelblauen Packung: Krüger Chai Latte Vanille Zimt für 1,99 Euro. Rechts in der hellblauen Packung Krüger Chai Latte Vanille Zimt "weniger Süß". Die Überraschung folgt, wenn man die Packung dreht.

Auch wenn beide Packungen die gleiche Größe haben, ist in der weniger süßen Variante nicht viel mehr als die Hälfte drin: 140 statt 250 Gramm. Damit kostet sie auf die Menge umgerechnet fast das Doppelte.

In diesem Supermarktregal stehen links die normalen Butterkekse, rechts die zuckerreduzierten. Der Preis jeweils 0,99 Euro. Die Packungen erscheinen ziemlich gleich groß.

Schaut man sich beiden Packungen von der Seite an, erkennt man, dass die Packungen mit den zuckerreduzierten Keksen (oben) schmaler ist. Während in der Standardpackung 40 Kekse enthalten sind, findet man in der zuckerreduzierten nur 30.

Auch den Kakao aus dem Hause Nestlé gibt es in einer Variante mit 30 Prozent weniger Zucker. Die Beutel erscheinen gleich groß.

Der Preis ist auch hier der gleiche. Aber schaut man auf die Seite des Beutels, sieht man, dass Nesquik Standard 500 Gramm enthält, die Aktionspackungen, die derzeit im Umlauf sind sogar 550 Gramm, in der zuckerreduzierten Variante muss man sich mit 450 Gramm begnügen.

Alpro hat neben seinem Soja-Joghurt Kirsche (Mitte rechts) noch eine Variante mit „mehr Frucht“ und „ohne Zuckerzusatz“ (Mitte links) im Angebot. Wie bei den vorherigen Produkten ist auch hier der Preis der gleiche.

Stellt man die Becher nebeneinander, sieht man direkt, dass der mit „weniger Frucht“ und „ohne Zuckerzusatz“ (rechts) kleiner ist. Bei ihm bekommt man fürs gleiche Geld nur 400 statt 500 Gramm Joghurt. Zudem ist die Verbraucherzentrale NRW der Meinung, dass in dem Becher mit „mehr Frucht“ eigentlich weniger Frucht und stattdessen mehr Kirschsaft ist – der wiederum recht süß ist.

Rechtfertigen Rohstoffe einen höheren Preis?

Butterkeks-Hersteller Bahlsen antwortet auf WDR-Anfrage, dass der zuckerreduzierte Butterkeks "aufgrund der enthaltenen Rohstoffe" einen höheren Preis als der klassische Butterkeks aufweist.

Das sieht die Verbraucherzentrale NRW anders. Die anderen Zutaten könnten diesen Preisunterschied nicht rechtfertigen – zumal in dem zuckerreduzierten Butterkeks auch die Butter – eine eher teure Zutat – reduziert wurde.

Der Leibniz Butter ist nur ein Produkt von mehreren, bei dem ein deutlicher Preisunterschied bei der zuckerreduzierten Version auszumachen ist. Weitere Beispiele in der Bildergalerie.

Stand: 13.12.2018, 08:00