Bessere Vergleichbarkeit: EU will einheitliche Weinetiketten

Weinflaschen mit Weinetiketten

Bessere Vergleichbarkeit: EU will einheitliche Weinetiketten

Von Melanie Imenkamp

  • Weinkäufer sollen Weine besser beurteilen und vergleichen können
  • Detaillierte Herkunftsangaben auf Weinetiketten geplant
  • Neues System soll in spätestens vier Jahren kommen

Deutscher Wein, Landwein, Qualitätswein, Prädikatswein. Diese germanischen Kategorien soll es in Zukunft so nicht mehr geben, wenn es nach der europäischen Kommission und dem Deutschen Weinbauverband geht.

Ziel: Bessere Vergleichbarkeit von Weinen

Im Kern geht es darum, dass der Weinkäufer die Qualität der Weine besser beurteilen und vergleichen kann. Darum soll das germanische abgeschafft werden. Im Moment gibt es in Europa diese beiden Systeme parallel nebeneinander, das romanische, vor allem bekannt aus Frankreich und Italien, und das germanische, das es traditionell in Deutschland gibt. Das neue System in Deutschland soll sich dann nach dem romanischen richten.

Weinanbau

Von Portugal bis Österreich

Weinlese im Vinho-Verde in Portugal.

Eine Weinrebe ist eine rankende Pflanze und benötigt daher eine ständige Unterstützung. Rebengewächse wollen hoch hinaus. Im Vinho-Verde-Gebiet in Portugal wachsen die Reben an vier Meter hohen Pfahlkonstruktionen in die Höhe. Das ist sehr arbeitsaufwendig, hat aber den Vorteil, dass sich die Gefahr Pilzinfektionen verringert.

Eine Weinrebe ist eine rankende Pflanze und benötigt daher eine ständige Unterstützung. Rebengewächse wollen hoch hinaus. Im Vinho-Verde-Gebiet in Portugal wachsen die Reben an vier Meter hohen Pfahlkonstruktionen in die Höhe. Das ist sehr arbeitsaufwendig, hat aber den Vorteil, dass sich die Gefahr Pilzinfektionen verringert.

Das Gebelet-System wie hier im Gebiet Châteauneuf-du-Pape ist die wohl älteste Form der sogenannten Reberziehung. Schon in der Antike bauten die Römer ihren Wein so an. Der Rebstamm wird kurz gehalten, die Reben werden nicht einzeln gestützt – wie ein Busch sieht das am Ende aus. Für den Massenweinbau ist dieses System ungeeignet, aber Spitzenwinzer im Mittelmeerraum wissen es zu schätzen.

Die klassische Südtiroler Reberziehung ist die Pergola. Die Perglerziehung hat ein Laubdach – alle Pflegearbeiten müssen von unten erfolgen. Dieser Weinanbau gilt heute als überholt. Er ist jedoch ein optisches Highlight und ein landschaftliches Element Südtirols.

Von "kriechender Erziehung " ist bei dieser Form des Rebanbaus die Rede: die Korberziehung auf Santorin. Die Reben kriechen freiwachsend am Boden, nur ein Korb bringt sie in Form. Dadurch trotzen die Reben starken Winden und die Trauben werden geschützt. Außerdem kann die Rebe so besser Feuchtigkeit speichern. Deshalb ist diese Methode in besonders trockenen Gegenden beliebt.

Wie gemalt wirken die Weinberge im herbstlichen Burgenland. Das Burgenland ist Österreichs zweitgrößte Weinanbauregion. Auf etwa 16.500 Hektar pflanzen rund 8000 Betreibe Wein an. Die Trauben bekommen bis zu 2000 Stunden Sonnenschein durchschnittlich im Jahr.

Das sieht abenteuerlich aus und es ist es auch: Um die extremen Steillagen an der Mosel zu bewirtschaften, wurde die Monorack-Bahn entwickelt. Hier befördert ein Erntehelfer auf dem Berg Calmont bei Bremm frisch gelesene Riesling-Trauben ins Tal. Der Bremmer Calmont weist eine Steigung von bis zu 68 Grad auf.

Mit der Monorack-Bahn werden an der Mosel Menschen und Lasten in die extremen Steilhänge der Mosel gebracht. Ohne die Bahn wäre der Weinbau hier nicht mehr rentabel. Menschen könnten die schweren Lasten in und aus den Weinbergen nicht transportieren.

Der Blick aus den Weinhängen auf die Mosel ist schon etwas Besonderes. An der Mosel wachsen vor allem Weißweine – in erster Linie die Sorten Riesling und Müller-Thurgau. Das Bild zeigt die Mosel bei Traben-Trarbach, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Trier gelegen.

Je regionaler, desto hochwertiger

Das romanische System orientiert sich an den Regionen, aus denen der Wein kommt. Die sollen demnächst auch verpflichtend auf Etiketten von deutschen Qualitätsweinen stehen. Je enger man die Region eingrenzen kann, desto qualitativ hochwertiger ist der Wein. Wenn dann also zum Beispiel auf dem Etikett steht: Spätburgunder, Pfalz, Böchingen, Nussdorfer Kaiserberg, dann ist das mit Sicherheit kein einfacher Landwein. Zurzeit sind solche Angaben auf deutschen Weinetiketten noch nicht vorgeschrieben.

Weinkäufer müssen sich umgewöhnen

Weinflaschen,

Neue Etiketten geplant

Einige Bezeichnungen stehen in Zukunft vielleicht nicht mehr auf dem Etikett, wie zum Beispiel “Auslese“ oder “Q. b. A.“ als Qualitätskennzeichen für deutschen Wein in Abgrenzung zum einfachen Landwein. Passt zum Trend: Regionalität ist inzwischen auch bei anderen Lebensmitteln ein Gütezeichen.

Allerdings haben wir noch ein bisschen Zeit zum Umgewöhnen: Bis das neue Qualitätssystem eingeführt wird, vergehen mit Sicherheit noch zwei bis drei Jahre, dann erst müssen sich Bund, Länder, Handels- und Winzerverbände auf die Details einigen.

Neue Weinkennzeichnung in Deutschland geplant

WDR 5 Profit - aktuell | 12.04.2018 | 03:36 Min.

Download

Stand: 13.04.2018, 10:09