Vanille – echt oder nur Aroma?

Vanille - echt oder nur Aroma? Servicezeit 09.01.2019 04:50 Min. Verfügbar bis 09.01.2020 WDR Von Johanna Kleibl

Vanille – echt oder nur Aroma?

Von Anke Fricke

  • Natürliche Vanille ist begehrt und teuer
  • Kilopreis von 30 auf 600 Euro gestiegen
  • Hersteller nutzen oft Geschmacksaromen

Auf der Packung lockt eine gelbe Vanilleblüte oder eine feine Schote. Beim Griff ins Supermarktregal kann man förmlich schon die Vanille riechen und schmecken. Ob allerdings echte Vanille oder ein synthetisches Produkt für den Geschmack sorgt, lässt sich nur durch den genauen Blick auf das Etikett herausfinden.

Aromen - Nachhilfe für den Geschmack

Aromen sollen unser Essen verfeinern. Allerdings klingt aus Holz gewonnener Himbeergeschmack nicht gerade lecker - ist aber gängige Praxis. Was Sie über Aromen und Zusatzstoffe wissen sollten.

Vanillepudding

Aromen und Zusatzstoffe sparen der Lebensmittelindustrie viel Geld: So übersteigt seit Jahren die Nachfrage nach Vanille das Angebot. Der Preis ist innerhalb von sechs Jahren von 30 Euro je Kilo auf 600 Euro gestiegen. Aromen sind deutlich günstiger.

Aromen und Zusatzstoffe sparen der Lebensmittelindustrie viel Geld: So übersteigt seit Jahren die Nachfrage nach Vanille das Angebot. Der Preis ist innerhalb von sechs Jahren von 30 Euro je Kilo auf 600 Euro gestiegen. Aromen sind deutlich günstiger.

Zudem schwankt etwa bei vielen frischen Früchten die Qualität und Verfügbarkeit zudem im Jahresverlauf. Aromen garantieren hier kostengünstiger den immer gleichen Geschmack.

Hersteller dürfen nur die von der Europäischen Union zugelassenen Aromen verwenden - das sind mehr als 2.500 Stoffe. Die meisten werden bei industriell hergestellten Produkten eingesetzt. Nur wenige wie Bittermandel- oder Rumaroma findet man in Privatküchen. Allerdings ist Aroma nicht gleich Aroma.

"Natürliches Fruchtaroma" oder "Natürliches Vanille-Aroma" werden durch verschiedene Verfahren aus dem Ausgangsstoff gewonnen. Natürliches Vanillearoma muss auch zu 95 Prozent aus der Vanille stammen, lediglich fünf Prozent können aus Fremd-Aromen zugesetzt werden.

Steht dagegen nur "Natürliches Aroma" ohne Hinweis auf einen bestimmten Ursprungsstoff auf dem Etikett, sind andere Naturstoffe im Einsatz. Beispielsweise lässt sich Vanille-Aroma auch aus Reis erzeugen, Himbeer-Aroma aus Holz und Erdbeer-Aroma aus Buchweizen. Sogar Mikroorganismen wie Schimmelpilze sind passable Geschmacksträger.

"Extrakte" werden ebenfalls aus dem Ursprungsstoff gewonnen, dürfen aber weitere Aromastoffe enthalten. Sie gelten auch als "natürliches Aroma".

Weist das Etikett lediglich "Aromen" aus, so kommt die Vanille wahrscheinlich nicht aus einer echten Schote. Der typische Geschmack stammt in diesem Fall aus dem Labor. Die frühere Unterscheidung zwischen künstlichen und naturidentischen Aromen ist inzwischen aufgehoben.

Neben Aromen nutzt die Lebensmittelindustrie weitere Zusatzstoffe. Dazu zählen Süßungsmittel für den Geschmack, Emulgatoren und Stabilisatoren für die Konsistenz oder Konservierungsstoffe für die Haltbarkeit.

Diese müssen auf der Verpackung entweder mit dem Namen oder der entsprechenden E-Nummer, die jeden Stoff beschreibt, auftauchen. Da viele Verbraucher E-Nummern meiden, nennt die Industrie heute lieber den Namen.

Dabei sind die Hersteller sehr bemüht, ihre enthaltenen Zutaten möglichst natürlich erscheinen zu lassen. Beim so genannten "Clean Labeling" werden unbeliebte Zusatzstoffe durch Alternativen ersetzt. So wird der in Verruf geratene Geschmacksverstärker Glutamat vielfach durch Hefeextrakte ausgetauscht. Da Glutamat natürlicher Bestandteil von Hexeextrakt ist, muss er nicht separat genannt werden, ist aber dennoch enthalten.

Verbraucherschützer kämpfen seit Jahren gegen irreführende Kennzeichnung - auf vor Gericht. Sie kritisieren unter anderen, dass Bilder auf der Verpackung einen gewissen Inhalt suggerieren, tatsächlich finden sich oft nur Aromen in den Produkten. Verbraucher sollten sich nicht blenden lassen. Der genaue Blick auf das Etikett ist daher unumgänglich.

Stand: 09.01.2019, 13:46