Die Milliarden-Hochzeit von Bayer und Monsanto

Die Milliarden-Hochzeit von Bayer und Monsanto

Für Verbraucherschützer ein Graus, für Investoren eine Renditehoffnung: Mit Monsanto unterm Dach will Bayer Branchenprimus für Saatgut und Pflanzenschutz werden.

Im Jahr 2050 müssen zehn Milliarden Menschen ernährt werden - bei sinkenden Anbauflächen, prognostizieren die Vereinten Nationen. Die Lösung: Durch Saatgut und Pflanzenschutz die Produktivität steigern - so die Wachstumsfantasie für einen Milliardenmarkt.

Bayer schätzt, dass das Marktvolumen im Bereich Pflanzenschutz und Saatgut von rund 85 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 120 Milliarden Euro im Jahr 2025 steigen wird. Bislang tummelten sich sechs große Anbieter in der Branche.

Diese fürchteten jedoch, alleine nicht genug vom Kuchen abzubekommen, und die Brautschau begann. Mit Erfolg: Die US-Konzerne Dupont und Dow haben sich vereint, die Schweizer Syngenta firmiert nun unter dem Dach der chinesischen ChemChina. Und die deutsche Bayer hofft, in den nächsten Wochen die Übernahme von Monsanto abzuschließen.

Kritiker aus Verbraucherschutz und Landwirtschaft warnen vor den negativen Folgen der fortschreitenden Konzentration. Hatten 1994 die vier größten Saatgutunternehmen einen Marktanteil von 21 Prozent, lag dieser 2013 schon bei 58 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung gab es im Pestizidmarkt, wo die vier größten Anbieter ihre Anteile von 29 auf 62 Prozent steigern konnten. Künftig werden es wohl nur noch drei Giganten sein.

Angst vor der Macht der Konzerne

Ob deren Macht tatsächlich so dominant sein wird, lässt sich aus den bislang vorliegenden Zahlen schwer ermitteln. Die Verbraucherorganisation Oxfam spricht davon, dass Bayer-Monsanto, Dow-Dupont, und ChemChina-Syngenta sich künftig 60 Prozent des Saatgutgeschäftes und 70 Prozent des weltweiten Pestizidumsatzes teilen könnten. Aber noch haben die Wettbewerbshüter in Brüssel für Monsanto-Übernahme kein grünes Licht erteilt. Als erste Maßnahmen hat Bayer Unternehmensteile an BASF veräußert.

Lohnen sich die teuren Zusammenschlüsse? Die Geschäftsaussichten sind lukrativ. Mit Monsanto im Haus können die Leverkusener vom Samen über Pflanzenschutz bis zur Schädlingsbekämpfung die gesamte Produktpalette anbieten. Kurzum: Wenn der Mais beim Verbraucher auf dem Teller landet, hat Bayer schon mehrfach daran verdient.

Grafik mit Wachstumsstadien von Mais

Von der Saat bis zur Ernte will Bayer/Monsanto mitverdienen

Das gefällt den Investoren. Trotz der Rekordsumme von 66 Milliarden US-Dollar, die Bayer für Monsanto bezahlen muss, ist der Aktienkurs im Aufwärtstrend. Und Bayer stellt seinen Aktionären im dritten vollen Jahr nach dem Zusammenschluss ein Ergebniswachstum im zweistelligen Prozentbereich in Aussicht.

Stand: 17.01.2018, 00:00