Wie viel Wasser verbrauchen wir?

Wasser spült die Toilette

Wasserverbrauch in NRW

Wie viel Wasser verbrauchen wir?

Von Conny Crumbach

Die Menschen in NRW verbrauchen immer weniger Wasser. Gründe dafür sind unter anderem moderne Waschmaschinen oder Armaturen, aber auch ein neues Bewusstsein. Doch übertriebenes Wassersparen ergibt nicht immer Sinn. Ganz im Gegenteil: Es kann sogar schädlich sein - und teuer werden.

Wir sparen immer mehr Wasser - das ist erstmal eine gute Nachricht. In den vergangenen Jahren ist der Wasserverbrauch von Privathaushalten und kleineren Betrieben in NRW nach Angaben des statistischen Landesamtes um etwa 80 Millionen Kubikmeter zurückgegangen - von knapp 945 Millionen im Jahr 1995 auf 865 Millionen Kubikmeter im Jahr 2010. Das ist eine riesige Menge, wenn man sich vorstellt, dass schon ein Kubikmeter Wasser für 4.000 Gläser Wasser reicht beziehungsweise sieben Badewannen füllt.

Jeder einzelne verbraucht im Durchschnitt etwa 124 Liter Wasser pro Tag. NRW liegt damit etwas über dem Bundesdurchschnitt. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) verbrauchten die Menschen in Deutschland 2013 im Durchschnitt nur etwa 120 Liter Wasser pro Person und Tag. Der größte Teil davon - etwa 43 Liter - floss in Bad, Dusche und Waschbecken.

Wasser sparen macht nicht immer Sinn

Doch übermäßiges Wassersparen macht in Deutschland und NRW nur bedingt Sinn - und kann unter anderem für die Abwasserunternehmen zum Problem werden. "Weil wir ein fließendes Abwassersystem haben, ist es wichtig, dass durch die Leitungen auch Wasser fließt", erklärt Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit in Bonn. Wenn die Kanäle trocken bleiben, riecht es erstmal sehr unangenehm und auf die Dauer können die Leitungen durch anhaltende Trockenheit marode werden.

Wasserhahn

Tropfende Wasserhähne sind Wasserverschwendung

Dann besteht die Gefahr, dass Schmutzwasser ins Grundwasser sickert. Darum müssen die Unternehmen die Kanäle regelmäßig durchspülen und verbrauchen dabei wieder Wasser. Hans-Curt Flemming, Professor für Mikrobiologie an der Universität Duisburg-Essen betont jedoch, dass das Abwasser der privaten Haushalte ohnehin nicht ausreichen würde, um die Abwasserrohre regelmäßig durchzuspülen. Denn die seien sehr groß dimensioniert, weil sie auch Starkregen auffangen müssen. Die Spartaste an der Toilette wieder abzuschaffen, um das Abwasserproblem zu lösen, mache keinen Sinn, meint der Mikrobiologe.

Wieviel Geld kann man sparen?

Viele Menschen wollen durch weniger Wasserverbrauch Geld sparen. Das sei aber Geld, das den kommunalen Unternehmen dann für die Pflege und die Instandhaltung der Abwassersysteme fehle, argumentiert Martin Exner. Die Folge von zu geringem Verbrauch könnten ein Anstieg des Wasserpreises und unter Umständen eine schlechtere Wasserqualität sein. Dem stimmt auch Hans-Curt Flemming zu: Der Wasserpreis hänge nur zu einem Bruchteil vom Verbrauch ab. Die meisten Kosten seien Fixkosten, die durch Instandhaltung und Wasseraufbereitung entstehen. Für problematisch hält Exner eine Vereinheitlichung des Wasserpreises. Denn jede Kommune habe bei der Wassergewinnung und -aufbereitung unterschiedliche Kosten.

Gesundheitliche Risiken sind möglich

Vor möglichen Gesundheitsrisiken beim Wassersparen warnen beide Experten. "Wenn das Wasser in den Leitungen nicht fließt, besteht die Gefahr, dass sich Bakterien ansammeln", weiß Hygiene-Experte Exner. Nach längeren Urlauben sollte das Wasser darum erstmal einige Minuten fließen, bevor man es wieder nutzt, empfiehlt auch Flemming. Unnötig verschwenden sollte man Trinkwasser aber trotzdem nicht."Tropfende Wasserhähne sollen natürlich repariert werden. Und man kann sich auch mal fragen, wie lange man wirklich duschen muss", so Exner. Die Spar-Empfehlung des Experten: Lieber Leitungswasser als Mineralwasser trinken. Oder kalt duschen - denn so spart man zumindest Energiekosten.

Wasser schützen statt Wasser sparen

Grafik zeigt Trinkwasserverwendung in NRW-Haushalten

Selbst Umweltverbände wie der WWF halten ein übermäßiges Wassersparen in deutschen Haushalten nicht für die zentrale Lösung, wenn es um den Erhalt der Ressource Trinkwasser geht. Wichtiger sei - und da sind sich die Experten einig - das Trinkwasser möglichst sauber zu halten. Dafür kann man auch zu Hause sorgen, indem man zum Beispiel keine Essenreste, Öle oder Medikamente in die Toilette kippt. Die Verbraucherzentrale hat einige Tipps zu dem Thema zusammengestellt. Der WWF blickt als internationale Umweltorganisation natürlich globaler auf die Wasserproblematik. Der deutsche Pro-Kopf-Verbrauch und das Abwassersystem in NRW stehen hier nicht im Mittelpunkt. Um die Wasserressourcen weltweit zu erhalten, "müssen die Feuchtgebiete dieses Planeten geschützt werden", schreibt WWF-Sprecher Roland Gramling. Nach Angaben der Umweltorganisation haben weltweit eine Milliarde Menschen keinen oder nur ungenügenden Zugang zu sauberem Trinkwasser; zweieinhalb Millionen leben ohne ausreichende Abwasserentsorgung.

Stand: 04.08.2014, 05:49

Kommentare zum Thema

Noch keine Kommentare