Welches Wasser schmeckt besser?

Gekauftes Wasser vs. Wasser aus dem Hahn

Welches Wasser schmeckt besser?

Kann man den Unterschied zwischen Leitungswasser aus dem Hahn und gekauftem stillem Wasser schmecken? Um das herauszufinden, haben wir eine Blindverkostung mit zufällig vorbeikommenden Passanten gemacht.

Gekaufte stille Wässer in der Geschmacksprobe

  • Gerolsteiner, die beliebteste Marke der Deutschen für 0,53 Euro/Liter; es enthält an Kalzium 140 Milligramm/Liter und an Magnesium 49 Milligramm/Liter.
  • Mond-Quelle, ein teures Bio-Wasser, das bei Vollmond abgefüllt wird; 1,79 Euro/Liter, Kalzium 98 Milligramm/Liter, Magnesium 31 Milligramm/Liter.
  • Saskia-Quelle Leissling, das meistverkaufte Discounter-Wasser von Lidl; 0,13 Euro/Liter, Kalzium 97 Milligramm/Liter, Magnesium 21 Milligramm/Liter.
Grafik: Die getesteten Wässer mit Preisen pro Liter

Dreimal stilles Wasser von Supermarkt, Bio-Markt und Discounter gegen Trinkwasser aus dem Hahn in Siegen, Köln und Lügde.

Leitungswasser in der Geschmacksprobe

  • Trinkwasser vom Wasserwerk Siegen. Das Wasser kommt aus der Breitenbach-Talsperre. Preis pro Liter: etwa 0,0019 Euro. Mineralstoffgehalt: Kalzium 20 Milligramm/Liter, Magnesium 5,6 Milligramm/Liter (durchschnittlich).
  • Trinkwasser vom Wasserwerk Hochkirchen. Das Kölner Wasser wird aus Uferfiltrat gewonnen. Dabei wird Brunnenwasser in ufernahen Gebieten genutzt, das im Wasserwerk weiter gereinigt wird. Preis: etwa 0,0016 Euro/Liter. Mineralstoffgehalt: Kalzium 107,9 Milligramm/Liter und Magnesium 14,5 Milligramm/Liter.
  • Trinkwasser vom Wasserwerk Lügde, Quelle Harzberg. Das Quellwasser wird mit Grundwasser gemischt und enthält 43,1 Milligramm/Liter Kalzium und 15,1 Milligramm/Liter Magnesium. Preis: etwa 0,0017 Euro/Liter.

Die niedrigen Mineralstoffgehalte sind bei stillem Wasser häufig. Das liegt an der Kohlensäure: Sobald die schon in der Quelle dabei ist, holt sie die Mineralien aus dem umgebenden Gestein und sorgt für höhere Gehalte. Stilles Mineralwasser kommt in der Regel aus Quellen, die natürlicherweise wenig Kohlensäure enthalten. So ist jedes Mineralwasser ein Spiegel des Gesteins, das es durchfließt.

Das Ergebnis

Geschmacklich haben unsere Test-Trinker keine signifikanten Unterschiede zwischen dem gekauften stillen Wasser und dem Wasser aus dem Hahn erkennen können. Gleich viele Stimmen gab es deshalb für Gerolsteiner Naturell, St. Leonhard Mondquelle und dem Siegener Leitungswasser. Für Ernährungsberaterin Anja Krumbe, die sich seit Jahren speziell mit Mineralwasser beschäftigt, keine Überraschung: „Die Wässer im Test machen ernährungsphysiologisch gesehen keinen großen Unterschied, weil sie alle sehr mineralstoffarm sind. Mineralwässer ohne Kohlensäure haben sehr häufig auch nur sehr geringe Mineralstoffwerte.“ Sowohl geschmacklich als auch aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gibt es also kaum Unterschiede zwischen gekauftem stillen Wasser und Wasser aus dem Hahn.

Gefüllte Wasserflaschen ohne Etiketten vor weißem Hintergrund

Wer nicht auf mineralstoffreiches Wasser angewiesen ist, kann geschmacklich und ernährungswissenschaftlich beruhigt auf Leitungswasser zurückgreifen.

Welches Wasser für welchen Typ?

Können Verbraucher also Geld sparen und auf Leitungswasser umsteigen? Im Prinzip schon, denn für eine normale Ernährung reicht Leitungswasser vollkommen. Wer aber einen besonderen Bedarf an Mineralien hat, der kann diese zum Beispiel durch Mineralwasser mit erhöhtem Mineralstoffgehalt aufnehmen, heißt: mehr als 1.500 Milligramm/Liter Gesamtmineraliengehalt. Beim Sport zum Beispiel empfiehlt die Ernährungsberaterin mehr Natrium und Magnesium im Wasser, weil man diese Mineralien beim Schwitzen verliert und über das Wasser den Vorrat gut füllen kann. Bei Kindern kann die Kalzium-Versorgung ein Problem sein, wenn sie nicht genug Milch oder Käse zu sich nehmen. Ein Wasser mit hohem Kalzium-Gehalt kann das ausgleichen, es sollte mehr als 150 Milligramm/Liter enthalten.

Alle Nicht-Sportler sind mit einer ausgewogenen Ernährung mit den berühmten fünf Portionen täglich von Milchprodukten, Obst, Gemüse und Vollkornbrot ausreichend mit Mineralien versorgt und brauchen kein spezielles Wasser.

Autor: Marcus Bednarek

Stand: 01.08.2014, 16:00