Wasser aus dem eigenen Garten

Günter Bierbaum mit einem Wasserschlauch im Garten

WDR 5 Schwerpunktthema

Wasser aus dem eigenen Garten

Wasser ist nicht gerade billig – wenn man viel davon verbraucht: für die Körperpflege, den Garten, die Wäsche. Rund 700.000 Menschen in Deutschland entgehen den hohen Gebühren. Sie erhalten ihr Wasser aus einem privaten Brunnen.

Schon seit 40 Jahren hat der pensionierte Polizeibeamte Günter Bierbaum aus Ostwestfalen-Lippe einen eigenen Brunnen. Damals hat die vierköpfige Familie in einem Ortsteil von Rietberg ein großzügiges Eigenheim gebaut. Eine öffentliche Wasserleitung gab es zu der Zeit noch nicht. Alle Nachbarn hätten einen eigenen Brunnen, erzählt er. Das einzige, was sie begleichen müssten, ist das Schmutzwassergeld. Denn für das Abwasser zieht die Stadt Rietberg eine Pauschalsumme ein. Pro Person und Jahr sind das 102 Euro. Die Stadtverwaltung geht von einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von 40 Kubikmetern aus.

Brunnen unter dem Rasen versteckt

Günter Bierbaum zeigt auf die Stelle, wo sich früher sein erster Brunnen befand. Der war 18 Meter tief. 2006 hat die Familie diesen Brunnen aufgegeben. An einer anderen Stelle im Garten wurde dann noch einmal gebohrt. "Die Nitratwerte, die stiegen. Und da waren wir praktisch nach der Trinkwasserverordnung gezwungen, uns um anderes Wasser zu bemühen", sagt er. Der neue Brunnen ist nur acht Meter tief. Der 77-Jährige deutet auf einen Flecken vor seinen Füßen. Außer Rasen sieht man nichts. Dann kratzt er Gräser, Moos und Erde an die Seite. Ein Metallstutzen kommt zum Vorschein. Darunter ist irgendwo der Brunnen. Gekostet hat das Ganze wenig, sagt Sohn Rüdiger Bierbaum, gelernter Maschinenschlosser, der heute allein mit dem verwitweten Vater im Haus wohnt. Der Bau des Brunnens war an einem Vormittag erledigt, erzählt er.

Vom Brunnen führt unterirdisch ein Rohr in den Keller. Dort saugt eine kleine Pumpe das frische Trinkwasser an, erklärt Günter Bierbaum. Die Pumpe erledigt in fünf oder sechs Minuten ihre Arbeit. Sie befüllt einen großen Metall-Boiler. Und immer dann, wenn der Boiler sich bis zur Hälfte leert, springt die Pumpe automatisch an. Wasser zum Duschen, Baden oder Waschen ist genügend da, sagt Pensionär Günter Bierbaum. "Das ist ein 500-Liter-Boiler, der ist an und für sich zu groß. Aber ich wollte damals auf Nummer sicher gehen."

Gesundheitsamt prüft die Wasserqualität

Bevor das Wasser aus dem Brunnen in den Boiler strömt, fließt es durch eine einfache Filteranlage mit Kies. Die ist in einem kleinen Kessel. Hier wird Mangan aus dem Wasser gefiltert und setzt sich auf dem Kies ab. Denn Mangan kann in hohen Konzentrationen das zentrale Nervensystem oder die Nieren schädigen. Durch die Filteranlage wird der Mangananteil reduziert, erläutert Rüdiger Bierbaum. Alle sechs Wochen müssen die Bierbaums den Filter allerdings durchspülen, um das abgelagerte Mangan aus dem Kies auszuwaschen. Doch der Vorgang dauert nur wenige Minuten, sagen sie.

Das zuständige örtliche Gesundheitsamt, bei dem man auch den privaten Trinkwasserbrunnen anmelden muss, prüft private Brunnen regelmäßig. Das Amt schickt dann entweder eigene Leute vorbei oder beauftragt ein privates Labor mit einer Analyse. Eine Woche später kommen dann die Ergebnisse. Rund 50 Euro kostet die jährliche Analyse, etwa 120 Euro die große Untersuchung. Die Kosten tragen die privaten Brunnenbesitzer.

Privater Brunnen rechnet sich

Öffentliches Wasser wollen die Bierbaums zuhause auf keinen Fall mehr trinken. Zwar verläuft mittlerweile eine öffentliche Leitung vor ihrer Haustür. Aber Günter Bierbaum hat den Anschluss an sein Haus von Anfang an abgelehnt. Natürlich mussten sie für ihren Trinkwasserbrunnen einiges investieren. Doch da sie handwerklich sehr geschickt sind, konnten sie vieles selbst installieren. Die gesamte Anlage des Trinkwasserbrunnens kostete sie rund 2.000 Euro. Hätten sie einen professionellen Brunnenbauer beauftragt, hätte alles zusammen etwa 3.000 Euro gekostet. Das ist viel Geld – aber mit dem privaten Brunnen kann man trotzdem sparen, sagen Günter und Rüdiger Bierbaum. Denn – ein öffentlicher Wasser-Anschluss kostet für ihr Grundstück immerhin rund 2.500 Euro. So hat sich das Ganze für sie bislang durchaus gerechnet. Pro Jahr sparen die Bierbaums im Vergleich zu einem Zwei-Personen-Haushalt mit öffentlichem Wasseranschluss mehr als 150 Euro Wasserkosten. Die Ausgaben für die regelmäßigen Kontrollen durch das Gesundheitsamt schon abgerechnet.

Autor des Hörfunkbeitrags ist Uwe Pollmann.

Stand: 31.07.2014, 09:30