Wasserversorger fordern Schutz vor Fracking

Hand hält Wasserglas unter Wasserhan bei fließemden Wasser

WDR 5 Schwerpunktthema

Wasserversorger fordern Schutz vor Fracking

Dirk Waider, Vorstand bei Gelsenwasser, ist stolz auf gutes, sicheres Trinkwasser in NRW. Dafür sorge langfristiges Denken bei den Wasserversorgern. Beim Streitthema Fracking setzt er auf die Bundespolitik. Sie soll Einzugsgebiete schützen.

Wasserhahn auf, Glas füllen, trinken: Für uns selbstverständlich. Doch dafür muss einiges geschehen, im Wasserwerk. Für Dirk Waider ist das Wasser tägliches Geschäft. Im Vorstand der Gelsenwasser AG ist er für den Bereich Trinkwasser-Versorgung zuständig. Im Morgenecho bei WDR 5 spricht er darüber, wie die wichtige Ressource geschützt werden muss.

WDR 5: Wann, Herr Waider, ist für Sie Wasser richtig lecker?

Dirk Waider: Richtig lecker ist das Wasser überall in Deutschland. Wir können uns sehr glücklich schätzen: Im Vergleich zu europäischen Nachbarn ist das Wasser am besten hier kühl aus dem Hahn genießbar. Die gute Trinkwasserqualität in Deutschland und eben auch bei uns in Nordrhein-Westfalen liegt auch an dem langfristigen Denken der Wasserversorger und Umweltverbände.  Wir versuchen nachhaltig, unser Wasser rein zu halten. So, dass nichts an Schmutz- oder Schadstoffen in das Wasser gelangt. So kann entsprechend gutes Wasser aus den Wasserwerken in die Leitungen gelangen.

WDR 5: Über Nitrate oder andere Schadstoffe muss man sich in NRW keine Sorgen mehr machen?

Waider: Doch, diese Themen sind wichtig für uns und stehen ganz oben auf der Agenda. Trinkwasser ist sensibel und hat ein "Langzeitgedächtnis". Einmal kontaminiert, wird es von alleine nicht wieder nutzbar. Da ist es notwendig, dass entsprechend Aufbereitung stattfindet.

WDR 5: Wie schafft es man, die Trinkwasserqualität dann wieder zu verbessern?

Waider: Wir investieren viele Millionen Euro in die Aufbereitung der Wasserwerke. Im Prinzip ist es so, dass sie notwendig wird, um verschiedene Barrieren zu schaffen.

Das bedeutet, dass das Trinkwasser, das geologisch und in ausreichendem Maße in NRW vorliegt, im Grundsatz in Ordnung ist. Aber Sie kennen das Thema PFT-Skandal oder andere Umweltskandale. Um diese zu verhindern, das Wasser zu sichern, dafür sind die Aufbereitungen, zum Beispiel an der Ruhr, gemacht.

WDR 5: Aber es gibt Risiken: Wenn wir noch einmal auf die Ressource Trinkwasser schauen. Das umstrittene Fracking wird in diesem Zusammenhang immer wieder als Problem benannt. Wie sehen Sie das?

Waider: Fracking ist eine Bedrohung für das Wasser. Unsere Forderungen auf Seiten der Wasserversorger sind ganz klar: Wassereinzugsgebiete müssen frei von Fracking bleiben. Das anfallende Frack-Wasser, das Flow-back muss fachgerecht entsorgt werden. Aus unserer Sicht sind auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung und die Beteiligung der Öffentlichkeit sehr sinnvoll.

WDR 5: Sind Sie von daher zufrieden damit, was Bundes-Umweltministerin Barbara Hendricks bisher auf den Weg gebracht? Sie sagt selbst, es ist umstritten in Deutschland. Man muss es stark begrenzen und strenge Regeln einführen. Ist das genügend umgesetzt in dem, was man gesetzlich vor hat?

Waider: Ja, ich glaube, die politischen Eckpunkte sind die richtigen. Jetzt kommt es darauf an, die Umsetzung gerichtsfest und ordentlich zu Ende bringen.

WDR 5: Wir alle haben gelernt, mit Wasser sparsam umzugehen. Stichwort: Spültaste an der Toilette. Gleichzeitig heißt es: Wasser muss fließen, damit es gesund bleibt. Es darf nicht stehen. Was machen wir richtig und was falsch?

Waider: Deutschland ist Wasser-Sparmeister. Obwohl wir ökologisch keinerlei Mangel an Wasser haben, sparen die Deutschen Jahr für Jahr am Trinkwasser. Es gibt aber Spitzenverbrauchszeiten. Zuletzt etwa, wenn während der Fußball-WM beim Halbfinale oder Finale in der Halbzeitpause alle zur Toilette gehen. Da muss die Infrastruktur so ausgelegt sein, dass es auch für Spitzenverbräuche reicht. Wie Sie gesagt haben: Das Wasser muss fließen. Viele sparen Wasser, weil sie glauben, so ihre Rechnung zu reduzieren. Das wird so aber nicht funktionieren. Denn die Infrastruktur muss vorgehalten werden - ob es nun WM ist, oder jetzt, wenn viele im Urlaub sind.

WDR 5: Aktuell kommt in NRW viel Wasser von oben. Ist Starkregen eine Schwierigkeit für die Versorger?

Waider: Nein, die Regenfälle sind für Versorger im Grundsatz kein Problem. Es gibt dabei zwei Themen, die eine Rolle spielen: Nitrate und Pflanzenschutzmittel. Es kann sein, dass bei Starkregen durch Abspülung Verunreinigungen in das rohe Wasser gelangen. Es gibt auch derzeit Bestandsaufnahmen, die die Nitratbelastung entsprechend beurteilen.

Das Interview führte Judith Schulte-Loh.

Stand: 04.08.2014, 08:12