Wie gesund sind Tomaten?

Anti Aging – die richtige Ernährung Doc Esser - Der Gesundheitscheck 19.02.2020 UT Verfügbar bis 19.02.2021 WDR Von Stefanie Gerhards

Wie gesund sind Tomaten?

  • Tomaten stecken voller wertvoller Inhaltsstoffe
  • Tomaten-Farbstoff Lykopin soll Krankheiten vorbeugen
  • Histamine und giftiges Solanin können krank machen

Tomaten sind ein echtes Powerfood: Sie haben wenig Kalorien und viele wertvolle Inhaltstoffe, die Krankheiten vorbeugen sollen. Tomaten können aber auch tückisch sein, besonders für Allergiker.

Was ist gesund an Tomaten?

Forscher raten zum täglichen Tomaten-Genuss. Sie haben nicht nur hervorragende Eigenschaften, die die Abwehr stärken, sondern auch Inhaltsstoffe, die erhöhte Blutfettwerte reduzieren, Herzinfarkten und sogar Krebs vorbeugen sollen.

Grund dafür ist die besondere Zusammensetzung der Tomate: Sie hat sehr viel Wasser und deswegen wenig Kalorien, dazu jede Menge Vitamine und Mineralstoffe. Wertvoll sind sekundäre Pflanzenstoffe wie Lykcopin - benannt nach dem botanischen Namen der Tomate, Solanum lycopersicum. Lykopin ist ein Farbstoff, den die Tomate selbst bildet, um ihr Erbgut vor der schädlichen Strahlung der Sonne zu schützen. Das soll beim Menschen bestimmten Krebsarten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Außerdem enthält sie Prokollagene, ein Protein, das eine wichtige Rolle bei der Erhaltung der Hautstruktur spielt.

Erste Untersuchungen legen nahe, dass der Verzehr von 55 Gramm Tomatenmark täglich den natürlichen Sonnenschutz der Haut leicht erhöht. Weitere positive Effekte, zum Beispiel bei Prostatakrebs, sind aber noch nicht wissenschaftlich einwandfrei bewiesen. Forscherteams aus ganz Europa sind dabei, die Effekte auf das Herz-Kreislauf-System zu überprüfen.

Sind Tomaten entwässernd?

Tomaten enthalten viel Kalium, das hilft, den Körper zu entwässern. Damit sind sie das ideale Diät-Gemüse - auch, weil so die Giftstoffe aus dem Körper gespült werden. Allerdings sollten Menschen mit einer Blasenschwäche lieber auf Tomaten verzichten: Tomaten gehören wie Wassermelonen und Salatgurken zu den harntreibenden Gemüsesorten.

Gibt es eine Tomaten-Allergie?

Wer allergisch auf Histamine reagiert, sollte keine Tomaten essen - egal, ob roh oder verarbeitet. Ein Kilogramm Tomaten enthält etwa 20 Milligramm Histamin, die bei Betroffenen zu Kopfschmerzen, Blähungen und starkem Durchfall führen können.

Eine Tomatenallergie kann aber auch als Kreuzallergie auftreten, vor allem dann, wenn die Betroffenen auf Birkenpollen reagieren. Deren Allergene ähneln bestimmten Inhaltsstoffen der Tomate. Die Folgen: Juckreiz, Schwellungen im Mund- und Rachenraum, Kreislaufprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden.

Experten empfehlen, bei einer Kreuzallergie während der Pollenzeit auf Tomaten zu verzichten oder sie zu kochen. Manchmal werden dabei die Allergene getötet, die Symptome tauchen nicht oder nur abgeschwächt auf. Bei einer Histaminintoleranz sollen Betroffene ihre Ernährung so umstellen, dass sie gar keine histaminhaltige Produkte mehr zu sich nehmen. Eine Ernährungsberatung hilft dann, Mangelerscheinungen zu vermeiden.

Kann man grüne Tomaten essen?

Nein! Grüne Tomaten (ausgenommen grüne Sorten wie Green Zebra oder Zebrino) sind unreif und giftig. Denn Tomaten enthalten wie andere Nachtschattengewächse ein Gift, das sie vor gefräßigen und parasitären Käfern, Pilzen und Flechten schützt und erst mit Eintreten des Reifezustands der Tomaten verschwindet.

Eine lebensgefährliche Vergiftung mit dem Alkaloid Tomatidin (entspricht dem Solanin bei der Kartoffel) ist zwar unwahrscheinlich, aber der Giftstoff kann Durchfall, Magenbeschwerden oder Benommenheit hervorrufen.

Um ganz sicher zu gehen, sollte man die grünen Tomaten nachreifen lassen - entweder an der Pflanze selbst oder in einem Gefäß, das an einem dunklen, kühlen Ort steht. An der reifen Tomate muss dann nur noch der grüne Strunk entfernt werden.

Tomaten - 12 Fakten für Besser-Wisser

Die Deutschen lieben Tomaten: Kein anderes Gemüse kommt so oft und in so vielen Varianten bei uns auf den Tisch. Dabei begann die innige Beziehung mit einem ganz großen Missverständnis. Einer von 12 Fakten rund um die Tomate!

Jetzt ist die beste Zeit dafür

Die Herkunft

Afrika, Amerika, Asien: Tomaten werden auf der ganzen Welt produziert. Unangefochten an der Spitze: China. 62 Millionen Tonnen wurden dort 2018 angebaut. Die gesamte EU kam gerade mal auf ein gutes Drittel, nämlich 23 Millionen Tonnen - und Deutschland auf 103.000 Tonnen. Nicht genug für den deutschen Tomaten-Hunger: 27 Kilo pro Kopf und Jahr kamen hier auf den Tisch. Mit der hiesigen Produktion könnten nur knapp 4 Millionen Verbraucher versorgt werden.

Die Herkunft

Afrika, Amerika, Asien: Tomaten werden auf der ganzen Welt produziert. Unangefochten an der Spitze: China. 62 Millionen Tonnen wurden dort 2018 angebaut. Die gesamte EU kam gerade mal auf ein gutes Drittel, nämlich 23 Millionen Tonnen - und Deutschland auf 103.000 Tonnen. Nicht genug für den deutschen Tomaten-Hunger: 27 Kilo pro Kopf und Jahr kamen hier auf den Tisch. Mit der hiesigen Produktion könnten nur knapp 4 Millionen Verbraucher versorgt werden.

Die Sorten

Von A wie "Agro" bis Z wie "Zebrino": Mehr als 10.000 Sorten Tomaten soll es Schätzungen zufolge geben, und es kommen jedes Jahr neue dazu - gerippt, gestreift, klein wie eine Beere und pfundschwer. Die "Tomoffel" gehört nicht dazu: Sie ist keine neue Fruchtart, sondern eine Mischung aus Tomate und Kartoffel an einer Pflanze und (bis jetzt) eher eine Spielerei.

Der Ursprung

Die Tomate stammt ursprünglich aus Mittelamerika. Die Maya und Azteken nannten sie "Xictomatl", was "Schwellfrucht" heißt. Rein äußerlich hatten die ersten Tomaten, die mit Christoph Kolumbus nach Europa kamen, wenig mit unseren Supermarkt-Tomaten zu tun. Sie waren klein und hatten eine gelbe Schale - daran erinnert die italienische Bezeichnung "pomodoro" (Goldapfel).

Unheimliche Frucht/Killer-Tomate

Die Tomate hatte es schwer, sich in Europa durchzusetzen. Die Christen hielten sie für den Liebesapfel, den Eva ihrem Adam reichte - "Paradeiser" heißt sie auch heute noch in Österreich. Und junge Mädchen durften sie grundsätzlich nicht essen: Die Tomate stand im Verdacht, Liebeswahn auszulösen und wurde lange nur an Schweine verfüttert. Erst um 1900 setzte sie sich als Lebensmittel durch.

Botanik

Obst? Gemüse? Fruchtgemüse! Wer es ganz genau wissen will: Die Tomate ist ein Mittelding, weil sie jedes Jahr neu gepflanzt werden muss - wie Gemüse. Aber ihre Frucht entsteht aus der Blüte - wie bei Obst. Auch Paprika, Zucchini und Melonen sind Fruchtgemüse. Außerdem ist sie ein Nachtschattengewächs: Sie enthält wie die Kartoffel giftige Stoffe.

Wer war Margherita?

So vielfältig die Frucht, so zahlreich die Mythen: Die Pizza Margherita mit ihren rot-weiß-grünen Zutaten zum Beispiel wurde wohl nicht zu Ehren der italienischen Königin und der Einigung Italiens kreiert. Eine solche Pizza haben die Napolitaner schon lange vorher gegessen und mit weißer Mozarella und grünen Basilikum in Blumenform belegt - eben wie bei einer Margerite.

"Bloody Mary"

Woher die "Bloody Mary" ihren Namen hat, ist auch umstritten. Stand die englische Königin Mary Tudor Pate, die die Protestanten blutig verfolgen ließ? Oder war es eine Bar-Besucherin namens Mary, die sich selbst verfluchte, weil sie den roten Drink auf ihr Kleid kippte? Fest steht: Der Drink aus Tomatensaft, Gin und Würzmitteln wurde in den wilden Zwanzigern erfunden - und soll ein Anti-Kater-Wundermittel sein.

Einzelkämpferin

Diese Tomatenpflanze hat sich vor ein paar Jahren am Bonner Rheinufer angesiedelt, als der Flusspegel extrem niedrig war. Weiter südlich, in Bad Hönningen, gab es sogar eine Tomaten-Kolonie. Wie die Ernte ausfiel, ist nicht überliefert.

Mückenschutz

Tomatenpflanzen riechen so intensiv, dass die nervigen Tierchen einen großen Bogen um sie machen. Ein paar Pflanzen im Blumenkasten oder auf der Terrasse sind eine gute Alternative zur Spraydose.

Tomaten-Schlachten

Manchmal landen die Tomaten nicht auf dem Teller, sondern im Gesicht. Tomaten-Schlachten haben Tradition - in Spanien bei der "Tomatina"...

.... und in Indonesien wie hier in Lembang. Da werden aber nur faule Tomaten geworfen - und später als Kompost weiterverwendet.

Treulos und blind dazu

Wer seine Freunde versetzt, ist eine "treulose Tomate". Und ein Schussel, der den Autoschlüssel nicht findet, obwohl er ganz offensichtlich auf dem Schrank liegt, hat "Tomaten auf den Augen". Es gibt mehrere Theorien, wie die Redewendungen entstanden sind. Bei der "treulosen Tomate" spielte wohl eine Rolle, dass der Anbau früher oft schief ging. Außerdem sollen die Deutschen im Ersten Weltkrieg die Italiener "Tomate" genannt haben. Und als die ihre Neutralität aufgaben, waren sie "treulos" geworden. Zu den "Tomaten auf den Augen" - das könnte eine Anspielung auf die roten, geschwollenen Augen eines sehr müden Menschen sein. Aber vielleicht geht der Ausdruck auch auf eine alte Bestrafung in Spanien zurück. Da galten die roten Früchte als "Frucht der Sünde" - und wer das Gesetz oder die Ehe gebrochen hatte, musste mit vor den Augen verbundenen Tomaten herumlaufen.

Stand: 12.05.2020, 16:29