Schokolade: Der nicht immer faire Genuss

Das Bild zeigt eine Schokoladentafel mit abgebrochenen Stücken.

Schokolade: Der nicht immer faire Genuss

  • Zehn Kilogramm Schokolade pro Nase
  • Kakaobohnen kommen meist von Kleinbauern
  • 2,3 Millionen Kinder arbeiten auf den Plantagen

Drei Millionen Tonnen Schokolade werden jährlich weltweit verzehrt. Die Hälfte davon essen die Europäer: umgerechnet 15 Milliarden Tafeln. Jeder Deutsche isst pro Jahr fast 10 Kilo Schokolade, was etwa 100 Tafeln entspricht.

Kakao-Drehkreuz Hamburg

Nach Deutschland gelangt Kakao vor allem über den Hamburger Hafen. Dort kommen jährlich 220.000 Tonnen Kakaobohnen an. Das ist so viel, wie auf das größte Containerschiff der Welt passen würde.

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Der meiste Kakao kommt aus der Elfenbeinküste und aus Ghana, an der Westküste Afrikas. Aber die Bohnen werden kaum auf riesigen Plantagen angebaut. 90 Prozent stammen von Kleinbauern, die auf einer Größe von drei Fußballfeldern Kakao ernten.

Tageslohn für einen Kakaobauern: 50 Cent

Ein Kakaobauer aus der Elfenbeinküste verdient am Tag etwa 50 Cent. An einem Tag schafft man etwa ein halbes Kilo Kakao, was für 20 Tafeln Schokolade reicht. Geht man die Rechnung weiter, verdienen ein Bauer an deinem jährlichen Schoko-Konsum also knapp zwei Euro.

2,3 Millionen Kinder auf Plantagen

Ein großes Problem in der Schokoladenindustrie ist Kinderarbeit. Erst seit 10 Jahren ist sie offiziell verboten - aber noch lange nicht Geschichte. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung schätzt, dass heute rund 2,3 Millionen Kinder auf westafrikanischen Kakaoplantagen schuften. Das wären sogar mehr, als es noch vor dem Verbot waren.

Viele der Kinder arbeiten mit ihren Eltern, um den Familienhaushalt aufzubessern. Aber aus den Recherchen investigativer Journalisten geht hervor, dass etwa 600.000 Kinder von Menschenhändlern verkauft und zur Kakao-Ernte versklavt werden.

Ein Kind kostet 230 Euro

Die Recherche eines dänischen Journalisten ergab vor einigen Jahren, dass Kinder zwischen 11 und 14 Jahren aus ganz Westafrika an Kakaobauern in der Elfenbeinküste verkauft werden. Ein Kind kostete 300 Euro - den Preis für die Reise zur Plantage. Dann wurden die Kinder ausgebeutet, ganz ohne Bezahlung. Ein französischer Journalist ist der Sache kürzlich nochmal nachgegangen - er kam auf ganz ähnliche Zahlen.

92 Prozent der Schokolade in Deutschland ist unzertifiziert. Das heißt, man weiß einfach nicht, woher sie kommt. Es gibt aber drei Siegel, die besonders zuverlässig faire Schokolade kennzeichnen, hat “Stiftung Warentest” herausgefunden. Ohne Kinderarbeit, und mit angemessener Bezahlung. Sie heißen: Naturland Fair, Fairtrade und Hand in Hand. Du findest sie auf Schokolade im Supermarkt oder in der Drogerie.

Stand: 20.03.2019, 16:08