Mythos Avocado

Avocados

Mythos Avocado

  • Avocados gelten als "Superfood"
  • Produktion benötigt viel Wasser
  • Avocados besser als Genussmittel verspeisen

230 Millionen Avocados werden in Deutschland jedes Jahr gegessen. Dreimal so viele wie noch vor zehn Jahren. Die Frucht gilt als Superfood – und das nicht ganz zu Unrecht, wie es Studien gezeigt haben. Das enthaltene Lutein, etwa, stärkt unsere Erinnerungs- und Sehkraft.

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Avocado - durstige Frucht

Aber ist die Avocado nur gut für den Mensch? Um eine Avocado herzustellen, ist eine Menge Wasser vonnöten. 1.000 Liter pro Kilo, was etwa drei Badewannen für sieben Früchte entspricht. Mal zum Vergleich: Eine Tomate braucht nur ein Fünftel so viel Wasser. In den heißen, trockenen Ländern, aus denen die Avocado importiert wird, führt das zu Konflikten.

Exklusive Wasserrechte für Großbauern

Avocado

Avocados brauchen viel Wasser

Chile ist einer der Hauptlieferanten deutscher Avocados. Jede fünfte Avocado in deutschen Supermärkten stammt aus Chile. Die Meisten kommen aus der Provinz Petorca, nördlich von Santiago. Die Großbauern hier sichern sich immer wieder exklusive Wasserrechte, um die Versorgung ihrer Bäume zu gewährleisten. Andere zapfen über illegale Untergrund-Kanäle die Zuflüsse heimischer Bauern an, deren Felder dann verdorren.

Menschen fehlt Wasser zum Leben

Die Politik bleibt oft untätig. Vielmehr sind viele Politiker stolz, einer der Hauptproduzenten der weltweit beliebten Superfrucht Avocado zu sein.

In Petorca, wo es mehr Avocados als Menschen gibt - es aber den Avocados niemals an Wasser mangelt, den Menschen allerdings schon - muss mittlerweile eine knappe halbe Million Bürger mit einem Trinkwasser-Truck versorgt werden. Dass es bald besser werden könnte ist kaum zu erwarten. Die Nachfrage an Petorca-Avocados steigt jedes Jahr um Prozent.

Wasserbedarf bringt Ökosystem durcheinander

An der staubtrockenen Pazifikküste Perus ist es nicht viel anders. Aktuell wird dort - wegen der Avocados - 76 Prozent mehr Wasser benötigt, als eigentlich verfügbar ist. Daher leitet man in gewaltigen Kanälen zusätzliches Wasser in die Avocado-Gebiete um. Und die Kanäle bringen das Ökosystem aus dem Tritt. Böden versalzen, Hochmoore und Weiden vertrocknen, den Alpakas geht das Futter aus.

Was kann man tun? In manchen Supermärkten gibt es Avocados aus Spanien oder den Niederlanden. Dort ist es nicht nur etwas weniger trocken, als in Südamerika - die Avocado hat dann auch keine so weite Reise hinter sich. Die CO2-Bilanz sinkt.

Avocados als Genussmittel verspeisen

Avocados aus Chile und Peru sind aber nicht grundsätzlich tabu. Zum Beispiel wenn in Deutschland Sommer ist, und in Südamerika Winter - und damit Regenzeit - und in den Anbaugebieten mehr Wasser verfügbar ist.

Ganz allgemein gilt: Avocados sollte man als Genussmittel sehen, nicht als Grundnahrungsmittel. Gelegentlicher Konsum ist OK, regelmäßiger sollte man heimisches Gemüse konsumieren. Brokkoli und Kürbis - die enthalten sogar viermal so viel Lutein, wie eine Avocado.

Stand: 13.03.2019, 10:00