Extra-Protein - Marketing oder gut für die Gesundheit?

Proteinriegel

Extra-Protein - Marketing oder gut für die Gesundheit?

  • Immer mehr Produkte werden wegen hohem Proteinanteil beworben
  • Proteinversorgung über "normale" Nahrungsmittel unproblematisch
  • Zuviele Proteine können den Nieren schaden

Im Kühlregal steht ein Milchgetränk mit extra viel Protein, nicht weit weg vom Protein-Quark. In der Müsli-Abteilung locken Haferflocken mit Protein-Zusatz und bei den Backwaren liegt Eiweißbrot.

Einweiß hat ein gutes Image

Was lange nur im Fitnessstudio zu haben war, hält Einzug in die Supermärkte: Protein-Produkte. Aber woher kommt der Trend? Und ist das Extra-Eiweiß überhaupt sinnvoll?

"Alle wollen jetzt fit und gesund sein. Eiweiß hat den guten Ruf, dass es sehr gut sättigt", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). "Es ist ein wichtiger Baustoff für Zellen und Gewebe."

Die Entwicklung habe auch mit Ernährungstrends wie Low Carb oder Paleo nach Steinzeit-Vorbild zu tun. Auch vegetarische und vegane Ernährung spiele dabei eine Rolle.

Proteine in Milchprodukten und Müsliriegeln

Beispiele für den Protein-Trend gibt es einige. Das Molkereiunternehmen Arla hat mittlerweile 15 Produkte mit hohem Proteingehalt im Angebot. Einzelne Müsli-Riegel des Anbieters Nature Valley gibt es sogar nun als Protein-Variante.

Gleiches gilt für Müslis - etwa von Dr. Oetker oder Mymuesli. Dort ist man überzeugt, dass der Proteintrend zur modernen Lebensweise passt: "Der Zeitfaktor spielt heute eine wichtige Rolle. Die Performance von Lebensmitteln wird immer wichtiger", erklärt eine Sprecherin. "Denn wer sich gut ernährt, kann auch mehr leisten."

Protein steckt ohnehin in vielen Lebensmitteln

Auch Sicht der Ernährungswissenschaftlerin ist die zusätzliche Proteinzufuhr aber nicht nötig. "Protein ist wirklich in sehr vielen Lebensmitteln enthalten", erklärt DGE-Expertin Antje Gahl.

Drei bis vier Scheiben Vollkornbrot, ein Viertel-Liter Milch, ein kleiner Becher Joghurt, eine Portion Kartoffeln und ein Stück Fisch - damit komme man auf 60 Gramm Protein. Diese Menge reiche auch für Menschen, die vier- bis fünfmal pro Woche Sport treiben würden.

Gefahr für die Niere durch zuviel Protein

Es kann sogar Zuviel des Guten geben. "Es gibt Studien, dass eine dauerhaft erhöhte Proteinzufuhr die Nieren schädigen kann", erklärt Gahl. "Protein besteht aus verschiedenen Aminosäuren und das Abbauprodukt im Körper ist Harnsäure." Dieses Plus an Harnstoff müsse die Niere bewältigen. Insofern könne dauerhaft zu viel Protein unter Umständen der Niere schaden.

Eine Studie unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) zeigte vor einigen Jahren zudem, dass zu viel Eiweiß Übergewichtige schlechter auf Insulin reagieren lässt - und sich dadurch auch auf das Diabetes-Risiko auswirkt.

Stand: 12.03.2018, 00:00