Schadstoffe in Oregano: Woher sie kommen, welche Alternativen es gibt

Oregano oft von Schadstoffen belastet Markt 19.02.2020 06:31 Min. UT Verfügbar bis 19.02.2021 WDR Von Tatjana Mischke/Iris Rohmann

Schadstoffe in Oregano: Woher sie kommen, welche Alternativen es gibt

  • Oregano häufig mit Schadstoffen belastet
  • Pflanzengiftstoff könnte Menschen gefährlich werden
  • Auch Bio-Produkte negativ aufgefallen

Eine Prise reicht, um das ganze Flair Italiens heraufzubeschwören: Ohne Oregano fehlt der Minestrone oder Pizza Margarita einfach etwas. Aber: Das Kraut ist nicht nur lecker - es kann auch gefährlich werden. Das zeigt eine Stichprobe mit Trockenware, die die WDR-Sendung "Markt" gemacht hat. Was drin steckt, warum es der Gesundheit schadet und welche Alternativen es gibt: Hier kommen Fragen und Antworten rund um Oregano.

Was ist Oregano?

Oregano (Origanum vulgare oder Echter Dost) ist eine krautartige Pflanze aus der Familie der Lippenblütler mit einem starken Aroma. Eigentlich ist sie im Mittelmeerraum zuhause, inzwischen wird sie aber fast überall angebaut, wo ein warmes, gemäßigtes Klima herrscht. Deutsche Importware stammt heute meist aus der Türkei, Peru und Chile.

Womit ist Oregano belastet?

Es ist schon lange bekannt, dass das Gewürz oft mit Perchlorat aus Düngemitteln oder künstlicher Bewässerung belastet ist. Außerdem finden sich immer wieder Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die zur Unkrautbekämpfung eingesetzt werden. Relativ neu ist, dass Trocken-Oregano positiv auf Pyrrolizidinalkaloide in getestet wurden. Bisher kannte man das nur von Honig und Tees.

Was sind Pyrrolizidinalkaloide (PA)?

Die PA sind Stoffe, die in unterschiedlichen Formen in rund 6.000 Pflanzenarten vorkommen. Die meisten sind Unkräuter, die sich damit gegen Fraßfeinde wehren - in Deutschland zum Beispiel das Jakobskreuzkraut oder der Natternkopf. Die Pflanzen werden versehentlich mitgeerntet, mitverarbeitet - und landen so erst als Trockenprodukt im Tütchen und dann bei uns im Essen.

Was macht die Pyrrolizidinalkaloide so gefährlich?

Oregano schmeckt intensiver als Majoran.

Aromabombe Oregano

Akute Vergiftungen sind eher selten. Gefährlicher ist es, belastete Produkte über einen längeren Zeitraum zu essen, weil sich die Schadstoffmengen im Körper anhäufen. Die Folge: Bestimmte PA können die Leber schädigen, das Erbgut verändern und Krebs erregen. Das haben zumindest Tierversuche gezeigt. Das Bundesamt für Risikobewertung hat das zum Anlass genommen, vor den PA zu warnen: "Die 1,2-ungesättigten Pyrrolizidinalkaloide (1,2-ungesättigte PA) sind aufgrund ihres gesundheitsschädigenden Potenzials in Lebens- und Futtermitteln unerwünscht."

Gibt es keine Grenzwerte für PA?

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2019 hat gezeigt, dass drei Viertel der Proben als "nicht sicheres Lebensmittel" eingestuft werden mussten. Auch auf "Lebensmittelwarnung.de" wird im Frühjahr 2020 vor gleich sechs Oregano-Produkten gewarnt. Trotzdem: Grenzwerte gibt es immer noch nicht, anders als bei Pestiziden. Das macht die Lebensmittelüberwachung schwierig. Das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz geht aber davon aus, dass Grenzwerte spätestens 2021 festgelegt werden.

Ist Bio-Oregano besser?

Dazu lässt sich in diesem Fall keine allgemeine Aussage treffen, weil die Anbauweise keine Rolle spielt. Auch bei Bio-Oregano können PA-haltige Unkräuter mitgeerntet und dann verarbeitet werden. Bei der "Markt"-Stichprobe wurde neben drei konventionellen auch ein Bio-Produkt getestet, Ergebnis: Mit PA belastet waren ein herkömmliches Produkt und eben der Bio-Oregano.

Wo gibt es Oregano ohne PA?

Wer ganz sicher gehen will, setzt auf Frischware statt Trocken-Oregano. Die gibt es zum Beispiel im Topf aus dem Supermarkt. Das Küchenkraut lässt sich aber auch problemlos im eigenen Garten anpflanzen, denn es hat keine großen Ansprüche und passt sich gut an.

Wie lässt sich Oregano zuhause ziehen?

  • An einem sonnigen Platz und in einem durchlässigen Boden gedeiht der Oregano besonders gut.
  • Weil er im ersten Jahr noch frostempfindlich ist, sollte er vor Kälte geschützt werden: im Herbst eine Handbreit über dem Boden abschneiden, Gartenerde anhäufeln.
  • Oben mit Laub oder einem Pflanzenvlies abdecken. Damit wird verhindert, dass die Pflanze in der gefrorenen Erde vertrocknet.

Wie wird Oregano aus dem eigenen Garten geerntet?

Oregano im Gartenbeet

Gedeiht auch im Rheinland

Frische Blättchen können immer geerntet werden, der Gehalt an ätherischen Ölen ist in den Sommermonaten aber am höchsten. Dann wird das Kraut mit einer Schere handhoch über dem Boden abgeschnitten, zu einem Strauß zusammengebunden und kopfüber an einen luftigen Ort zum Trocknen aufgehängt. Bei luftdichter und dunkler Lagerung bleibt das Aroma für mindestens ein Jahr erhalten.

Stand: 19.02.2020, 09:13