Bloß kein Plastik! Neue Verpackungen im Öko-Check

Neue Verpackungen – wie ökologisch sind sie wirklich? Servicezeit 10.09.2019 05:36 Min. UT Verfügbar bis 10.09.2020 WDR Von Michael Bisping

Bloß kein Plastik! Neue Verpackungen im Öko-Check

Von Anke Fricke

  • Kunststoff bei vielen Supermakt-Kunden unbeliebt
  • Nicht jeder Plastik-Ersatz ist nachhaltiger
  • Verbraucherschützer bewertet Verpackungen

Gestrandete Wale mit kiloweise Kunststoff im Magen, vermüllte Strände und mit Plastik bedeckte Meere: Plastik ist bei Verbrauchern zunehmend unerwünscht.

Daher bieten Supermärkte und Discounter alternative Verpackungen an. In Plastik geschweißtes Gemüse und Obst verschwindet immer mehr aus den Regalen.

Nachhaltig oder nur gutes Öko-Marketing?

Der WDR war einkaufen und hat einige auf den ersten Blick nachhaltige Verpackungen von der Verbraucherzentrale NRW bewerten lassen:

Gemüse mit Laser Etikett.

Laser-Etiketten sind aus Sicht der Verbraucherzentrale eine sehr gute Sache, weil dadurch effektiv Müll wegfällt. Möglicher Nachteil: Der Aufdruck könnte die Schale beschädigen.

Laser-Etiketten sind aus Sicht der Verbraucherzentrale eine sehr gute Sache, weil dadurch effektiv Müll wegfällt. Möglicher Nachteil: Der Aufdruck könnte die Schale beschädigen.

Auch Banderolen oder Aufkleber sind deutlich besser als Plastikhüllen. Noch besser wäre es natürlich, die Ware lose zu verkaufen. "Grundsätzlich stelle ich mir bei vielen Sorten die Frage, warum überhaupt verpackt werden muss", sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale NRW.

Diese Apfelbox sieht zwar auf den ersten Blick ökologischer aus als ein Plastikbeutel. Allerdings werden bei der Herstellung von Papier und Pappe ungefähr genauso viele Ressourcen verbraucht wie bei der Plastikproduktion.

Papier lässt sich allerdings im Vergleich zu Plastik leichter abbauen. "Aber da bei uns der Müll nicht aus dem Fenster geworfen wird, sondern über die Tonnen entsorgt wird, fällt dieser ökologische Pluspunkt hier weg", sagt Heldt. Der reine Wechsel von Plastik auf Papier spiele aus ökologischer Sicht keine große Rolle.

Dagegen ist die Ökobilanz von Grasfaser-Verpackungen besser als von Papier und Pappe. Aber letztlich ist jede Verpackung für robustes Obst zu viel.

Positiv der Hinweis, dass Papier und Plastik zur besseren Entsorgung komplett getrennt werden sollten. Denn damit die Umwelt profitiert, müssen Plastik und Papier in verschiedenen Tonnen landen.

Das gilt auch für sogenannte Flat-Skin-Verpackungen, die vor allem für Fleisch im Einsatz sind. Hier muss die Trägerpappe von den Kunststoffen getrennt werden. Wie viel Müll die flachen Verpackungen sparen, hängt von der verpackten Menge ab.

Sofern es nicht ohne Verpackung geht, sind Produkte aus 100-Prozent-Altplastik gut für die Umwelt. Noch greifen viele Hersteller lieber zu neuen Kunststoffen, statt Alt-Material zu benutzen. "Es gibt zu wenig Verwender von recycelten Kunststoffen. Solcher Hersteller sind lobenswerte Pioniere", sagt Heldt.

Bio-Plastik ist derzeit keine Alternative, da es ebenso viele Ressourcen wie erdölbasierte Kunststoffe bei der Herstellung verbraucht. Da zudem das Duale System nicht zwischen Bio- und herkömmlichen Kunststoffen unterscheidet, greift der Vorteil der Entsorgung nicht. Auch die Kompostierung über Biotonne oder Hausmüll funktioniert (noch) nicht.

Hersteller bevorzugen große Hüllen

Die Verbraucherzentrale lobt grundsätzlich das Engagement der Einzelhändler bei der Vermeidung von Verpackungsmüll. "Dagegen geben sich die Hersteller wenig Mühe", kritisiert Philip Heldt. Die Bereitschaft etablierte Verpackungen zu ändern oder zu verkleinern, sei sehr gering.

Ein Grund: Die Verpackung ist für die Hersteller im Supermarkt die einzige Marketing-Möglichkeit. Eine große Hülle fällt den Kunden leichter ins Auge, auch wenn sie viel Luft enthält. Darauf verzichtet er freiwillig nicht. "Hier hat es der Gesetzgeber versäumt, mit der neuen Verpackungsordnung einzugreifen", bedauert Heldt.

Neue Verpackungen im Supermarkt Servicezeit 23.04.2019 05:20 Min. Verfügbar bis 23.04.2020 WDR Von Maike Busse

Stand: 10.09.2019, 14:45