Kein Problem mit Gülle

Landwirt Jürgen Struck vor seinen Kühen

Kein Problem mit Gülle

Von Karin Bensch

  • Kühe und Schweine stehen auf Stroh
  • Mist ist besserer Dünger als Gülle
  • Fleisch kostet etwa ein Drittel mehr

Bauer Jürgen Strucks füttert seine Kühe. Er hält rund 60 Kühe auf seinem Bauernhof in Wachtendonk am Niederrhein. Sie stehen in einem offenen Stall und sind im Sommer auf der Weide, die man vom Hof aus sehen kann.

Nebenan im Schweinestall leben rund 550 Tiere. Das ist wenig im Vergleich zu Großbetrieben, in denen um die 5.000 Schweine gemästet werden. Viele Landwirte haben deshalb ein Problem mit Gülle. Sie wissen nicht wohin mit den großen Fäkalienmengen ihrer Tiere.

Mist statt Gülle

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 04.04.2019 03:16 Min. Verfügbar bis 02.04.2020 WDR 5 Von Karin Bensch

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Mist statt Gülle

Ein Problem, das Bauer Strucks nicht hat: "Bei uns fällt keine Gülle an, weil wir unsere Tiere nicht auf Spaltenboden haben, wo die Exkremente durchfallen. Wir haben halt unsere Flächen komplett mit Stroh eingestreut." Und dementsprechend falle bei ihm eigentlich nur Mist an.

Dieser Mist ist nach Angaben von Strucks ein besserer Dünger als Gülle, weil die Inhaltsstoffe langsamer an den Boden abgegeben werden und dadurch Nitrate nicht so schnell ins Grundwasser gelangen. "Das Stroh hält sozusagen die Nährstoffe in den oberen Bodenschichten länger fest", sagt Strucks. Den Mist verwendet er als Dünger auf seinen eigenen Feldern.

Strohhaltung ist arbeitsintensiver

Jürgen Struck mit Schweinen

Schweine stehen gerne auf Stroh

Die Strohhaltung ist gut für die Tiere. Für Jürgen Strucks bedeutet sie aber auch deutlich mehr Arbeit, denn die Ställe müssen regelmäßig ausgemistet und frisch eingestreut werden. Das kostet Zeit und Geld. Geld, das die Kunden, denen artgerechtere Tierhaltung wichtig ist, letztendlich zahlen.

Fleisch von seinen Schweinen und Kühen ist an der Kasse bis 30 Prozent teurer als Produkte aus intensiver Massentierhaltung. "Wir gehen ganz bewusst den Mittelweg zwischen bio und konventionell", sagt Strucks. "Wir versuchen den Tieren so viel wie möglich an Tierwohl zu geben, und was für den Verbraucher noch bezahlbar ist."

Strengere Düngeregeln für Bauern

Weil zu viel Gülle auf den Feldern landet, sind in vielen Regionen die Nitratwerte im Grundwasser deutlich zu hoch. Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland deshalb im vergangenen Sommer verklagt.

Auf Druck der EU sollen nun die Düngeregeln für Bauern, noch weiter verschärft werden. Landwirt Jürgen Strucks ist froh darüber, dass er kein Problem mit Gülle hat. Und eine artgerechte Haltung liegt ihm als Bauer und als Mensch sehr am Herzen.

Stand: 03.04.2019, 17:07

Kommentare zum Thema

11 Kommentare

  • 11 Thomas Laubenbacher 05.04.2019, 14:59 Uhr

    Das ist doch mal wieder Volksverdummung. Ob die Tiere auf Gülle oder Stroh stehen hat doch mit der anfallenden Nährstoffmenge nichts zu tun. Im Gegenteil. Wenn ein Stroh/Mistbetrieb nicht genug eigenes Stroh hat, muss er mit Strohzukauf noch zusätzlich Nährstoffe Importieren. So löst man doch keine Probleme. Fachlich gesehen ist es so, das bei Mist der Stickstoff stärker organisch fixiert ist. Damit ist er tatsächlich um den Ausbringtermin weniger auswaschungsgefährdet. Allerdings hat die Festmist verfahrenskette Technisch bedingt immer höhere Ammoniak Emissionen (offene Lagerung, höhere Verluste im Stall us) also Stickstoff Verluste als eine moderne Flüssigmist (Gülle) Kette mit bodennaher Ausbringung oder Injektion. Weiterhin wird organisch gebumdener Stickstoff später mineralisiert und damit auswaschungsgefährdet. Man weiss nicht ob zu dem Zeitpunkt Stickstoff Bedarf besteht. Somit kann unter Umständen große Menge an Stickstoff ausgewaschen werden und damit ins Grundwasser gehen.

  • 10 Harald-Andreas Dommasch 05.04.2019, 09:36 Uhr

    Es ist eine Lüge unserer Politiker, dass wir unseren Planeten retten können, ohne auf etwas zu verzichten. Eine Sache, auf die wir auf alle Fälle verzichten müssen, ist Billigfleisch. Massentierhaltung ist Tierqual und Umweltverschmutzung. Die Landwirtschaft ist mittlerweile einer der größten Natur- und Umweltzerstörer, die es gibt. Allerdings den Landwirten hierfür allein die Schuld oder auch nur die Hauptschuld zu geben, ist falsch, denn die Landwirte produzieren letztendlich das, was wir Verbraucher nachfragen. Zwar gibt es in unserer Agenda 2010-Gesellschaft viele Menschen, die auf Billiglebensmittel angewiesen sind, aber für die Mehrheit der Gesellschaft geht nur ein kleiner Teil ihrer Einkünfte für Lebensmittel drauf, und diese Mehrheit kann Prioritäten setzen: Weniger Fleisch, dafür Bio-Fleisch, nachhaltig produzierte Lebensmittel und dafür Verzicht an anderer Stelle (kleineres Auto, weniger Fernreisen, Elektronikgeräte länger nutzen).

  • 9 Sebastian Sauer 05.04.2019, 08:18 Uhr

    Fleisch ist eh viel zu billig in Deutschland. Ich finde es so richtig und es sollte noch Qualitäten zwischen konventionell und bio geben. Gerne esse ich weniger Fleisch. Zahle dann aber mehr wenn es für Tier und Umwelt gut ist.

  • 8 Antonietta 04.04.2019, 21:21 Uhr

    Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.

  • 7 Bauer 04.04.2019, 20:14 Uhr

    1. Mist ist einfach nur Kot mit Stroh. 2. Er hat auch noch die Jauche(Urin) Nährstoffe kommen aus den Tieren immer raus. Ob als Gülle, oder Mist. Gülle und Jauche lässt sich gut zur Düngung nutzen, weil flüssig und pumpfähig. Das geht bei Mist nicht. Und warum soll das Stroh im Mist das Nitrat aufhalten? Völliger Quatsch. Dann ginge das ja auch bei Gülledüngung. Da bleibt das Stroh sofort auf dem Feld und muss nicht erst bewegt werden.

  • 6 Peter Quinders 04.04.2019, 20:06 Uhr

    Da macht man es sich ein wenig einfach mit den Aussagen zu Mist kontra Gülle! Zudem ist nicht, wie in der Presse grösstenteils dargestellt die zu viel Gülle der Anlass der Demo, sondern die Obergrenze von 170 kg N. Wie soll man damit die Pflanze vernünftig ernähren? Wie sollen damit kostendeckend( wohlgemerkt- nicht gewinnmaximierend) Lebensmittel erzeugt und Familien ernährt werden????

  • 5 Ballebär 04.04.2019, 19:14 Uhr

    Geht doch ! An diesem Landwirt sollten sich alle Anderen ein Beispiel nehmen ,vor allem die Politiker .

  • 4 Hubert Horstmann 04.04.2019, 18:41 Uhr

    An der absoluten Menge des eingebrachten Stickstoffs (N) ändert das nichts, wenn Mist (wie Gülle auch) zu einer Zeit ausgebracht wird, wenn die Pflanze damit nichts anfangen kann, sickert auch das bis zum Grundwasser durch! Diese Regeln gibt es aber schon

  • 3 Jörg 68 04.04.2019, 17:25 Uhr

    Mist hat nicht nur Vorteile bei der Düngung! Die Nitratfreisetzung ist wesentlich schlechter zu kalkulieren, somt kann es auch zu deutlichen Nitrateintrag kommen. Der EuGH fordert nicht grundlos längere Sperrfriten auch für Mist bei der Ausbrin gung während der Vegetationsruhe! Hinzu kommt, dass Mist der nicht untergearbeitet wird hohe Emissionsverluste hat was durch die NERC- und NEC-Rinchtlinien auch weiter reduziert werden soll. Kurzum es gibt gute Gründe nicht all zu sehr zwischen Mist und Gülle zu unterscheiden! Hinzu kommt, dass gerade viele Biobauern Strohn zukaufen um zusätzliche Nährstoffe in den Betrieb zu bekommen und weniger Pilzbelastetes Einstreumaterial den dem Tierwohl geschuldet ist!

  • 2 Peter Hansen 04.04.2019, 16:33 Uhr

    Vorbildlich, so sollte es gemacht werden. Wo bekomme ich die Produkte dieses Bauern und ähnlicher Kollegen?

  • 1 Kai Uwe Mohrmann 04.04.2019, 14:34 Uhr

    Moin, sind nicht auch strengere Regeln für Festmist im Gespräch?