Mehrweg statt Einweg - so geht's

Mehrweg statt Einweg - so geht's

Becher, die auf der Straße landen, Pappteller voller Ketchup und viele, viele kleine Plastikflaschen: Einweg-Essen lässt die Müllberge wachsen. Dabei ist Mehrweg so einfach!

Mehrweg-Geschirr

Ex und Hopp: Essen auf die Faust ist superbequem - und sorgt für jede Menge Abfall. Verpackungen, Becher, Strohhalme landen tonnenweise auf der Deponie. Dabei ist es so einfach, eine Mahlzeit to go ohne Müll zu organisieren.

Ex und Hopp: Essen auf die Faust ist superbequem - und sorgt für jede Menge Abfall. Verpackungen, Becher, Strohhalme landen tonnenweise auf der Deponie. Dabei ist es so einfach, eine Mahlzeit to go ohne Müll zu organisieren.

Der Beweis: Die Coffee-to-go-Debatte. Umweltschützer schlugen Alarm, weil Kaffeebecher massenhaft erst auf der Straße und dann auf der Müllhalde entsorgt wurden. Jetzt gibt es immer mehr Kaffee-Läden, die eigene Becher zum Kauf anbieten - natürlich mit Logo. Es gibt aber auch jede Menge Varianten: Recup zum Beispiel bietet einen Pfandbecher an. Wenn er leer ist, wird er bei einem der Partnerfilialen wieder abgegeben.

Der Recup-Becher besteht aus Polypropylen. Dagegen spricht nichts, sagt die Verbraucherzentrale. Von Bambusbechern solle man aber die Finger lassen: zuwenig Bambus, zuviel Kunststoffe wie Melaminharz, der als Kleber verwendet wird. Bei einem Test mit 35 verschiedenen Bambusbechern waren alle mangelhaft.

Kaffee, Tee oder Wasser lassen sich auch in Flaschen aus Edelstahl oder Aluminium füllen. Nachteil: Sie sind nicht immer ganz dicht und relativ teuer. Andererseits sind sie leicht, bruchfest und damit ideal für unterwegs. Wer dann Nachschub braucht, kann die Flasche ganz umweltfreundlich auffüllen lassen....

... zum Beispiel bei einem der fast 5.000 "Refill"-Stationen. Der Aufkleber draußen am Geschäft zeigt an, dass man hier Leitungswasser tanken kann - umweltfreundlich und kostenlos.

Das Ende der Plastikhalme ist nah, 2021 sollen sie EU-weit verboten werden. Das lässt Raum für kreative Lösungen mit allen Vor- und Nachteilen. Im Angebot sind Bambus-Halme (aus nachwachsendem Rohstoff, aber nicht geschmacksneutral), Edelstahl (hygienisch, aber nicht billig), Papier (preiswert, aber nicht haltbar) und Glas (ohne Eigengeschmack, aber nicht unbedingt spülmaschinengeeignet). Es gibt sogar Feldversuche mit Makkaroni. Ergebnis: Sie machen schnell schlapp. Und wer will schon Lebensmittel wegwerfen?

Was beim Trinken-to-go klappt, funktioniert auch beim Essen. Ob Salat, Nudeln oder Wurststulle: Statt der klassischen Plastikdose in Popfarben bietet sich eine Box aus Edelstahl an. Die enthält keine Weichmacher, ist schadstofffrei und leicht - aber auch nicht ganz billig.

So etwas Ähnliches gab es schon mal - und es ist gar nicht so lange her. "Henkelmänner" wurden diese Behälter aus Blech mit Emaille genannt, die bis in die Sechziger üblich waren. Arbeiter und Angestellte trugen darin das Essen für die Mittagspause, das ihnen die treusorgenden Ehefrauen eingepackt hatten.

Der Henkelmann von heute heißt "Tiffin-Box". Eigentlich ist das ein mehrstöckiger Behälter mit Klammer, wie sie in Indien weitverbreitet sind. Eine hiesige Fischrestaurant-Kette hat die Idee aufgegriffen: Ihren "Hering Hausfrauenart" gibt sie nicht mehr in Plastikverpackung über die Theke, sondern gegen Pfand in eine solche "Tiffin-Box". Ähnlich funktiontioniert auch "ReCircle", eine Schweizer Initiative, die Mehrweggeschirr aus Kunststoffgranulat anbietet. Versuche in deutschen Take-away-Restaurants laufen.

Manchmal gibt es beim Umstieg Unterstützung von höherer Stelle: Kommunalpolitiker in Recklinghausen denken gerade darüber nach, wie sie Gastronomen dazu bringen können, solches Mehrweg-Geschirr zu benutzen. Nachhaltigkeit statt Ex und hopp - und riesigen Müllbergen.

Stand: 16.10.2019, 09:39 Uhr