Manuka-Honig – teures Wundermittel

Angesagte Bienenprodukte Markt 15.01.2020 08:00 Min. UT Verfügbar bis 15.01.2021 WDR Von Melanie Jost

Manuka-Honig – teures Wundermittel

  • Manuka-Honig gilt als besonders gesund
  • Nur jedes sechste Glas ist reiner Manuka-Honig
  • Worauf man beim Kauf achten sollte

Die neuseeländischen Ureinwohner behandeln seit vielen Jahrhunderten Verletzungen mit der in Neuseeland und Australien wild wachsenden Manuka-Pflanze. Auch der Honig aus dem Blütennektar des Strauches gilt als besonders gesund. Er wird in Supermärkten, Reformhäusern oder Drogeriemärkten angeboten – und im Internet als wahres Wundermittel angepriesen.

Warum soll Manuka-Honig so gesund sein?

So wird damit geworben, dass Manuka-Honig pur gegessen Entzündungen, Erkältungen, Zahnfleischprobleme und Magen-Darmprobleme lindern soll. Tatsächlich zeigte Manuka-Honig bei Laborversuchen der Universität Ottowa eine gute Wirksamkeit gegen Erreger von Nasennebenhöhlenentzündungen. Ansonsten konnten Studien die vielen angepriesenen Wirkungen bislang noch nicht nachweisen.

Manuka-Honig aus der Apotheke kann helfen

Manuka-Honig

Manuka-Honig wirkt desinfizierend

Manuka-Honig enthält in hohen Anteilen das stark antibakteriell wirkende Methylglyoxal. "Deutlich mehr als in allen bisher untersuchten Lebensmitteln", erklärt Karl Speer, Professor für spezielle Lebensmittelchemie der TU Dresden. Daher wird medizinischer Manuka-Honig auch äußerlich zur Behandlung von Wunden eingesetzt. Diese sollte aber nur unter ärztlicher Beratung und nur mit Honig aus Apotheken oder im medizinischen Fachhandel erfolgen. Normaler Speisehonig, auch ein Manuka-Honig aus dem Lebensmittelhandel, kann Keime enthalten, die Wunden infizieren können.

Teures Bienen-Superfood

Dennoch macht die Hoffnung auf einen heilenden Effekt Manuka-Honig zum begehrten Produkt. Ein Glas des neuseeländischen Exportstars kann bis zu hundert Euro kosten. Das Angebot ist begrenzt, die neuseeländischen Bienen produzieren jährlich 1.700 Tonnen echten Manuka-Honig. "Das hat zur Folge, dass viele Waren gefälscht sind", erklärt Speer. Tatsächlich werden jährlich rund 10.000 Tonnen als Manuka-Honig vermarktet - zu Unrecht.

Zahlreiche Manuka-Fälschungen aufgedeckt

Damit enthält nur jedes fünfte bis sechste verkaufte Glas auch reinen Manuka-Honig, der Rest ist ein Mischprodukt oder eine Fälschung. Häufig wird Honig der neuseeländischen Kanuka-Pflanze zugesetzt. Der aus ihr gewonnene Honig hat jedoch keine besondere antibakterielle Wirkung. Das heißt, vielfach ist der teure Manuka mit günstigerem Honig gestreckt. Die TU Dresden hat eine spezielle Analyse-Methode zum Nachweis der Authentizität für Manuka-Honig entwickelt – und zahlreiche Fälschungen aufgedeckt.

Wieviel Manuka steckt im Glas?

Gläser mit Manuka-Honig

Die Angaben auf dem Manuka-Glas helfen oft nicht weiter

Verbraucher können dagegen kaum feststellen, ob echter Manuka-Honig im Glas ist. Die zwei gängigen Qualitätsangaben MGO (Methylglyoxal-Gehalt) und UMF (Unique Manuka Faktor) auf dem Etikett lassen nur bedingt Rückschlüsse auf die Reinheit zu. MGO gibt den Mindestgehalt an Methylglyoxal in Milligramm pro Kilogramm Honig an. "Allerdings kann dieser Stoff auch künstlich zugefügt werden", betont Speer.

Qualitätssiegel mit Fragezeichen

Das Qualitätssiegel UMF wird vom neuseeländischen Branchenverband UMFHA an zertifizierte Imker vergeben. Der Wert gibt Auskunft über die antibakterielle Aktivität des Honigs und berücksichtigt mehrere typische Inhaltsstoffe. "Allerdings heißt diese Aktivität nicht automatisch, dass es sich um Manuka-Honig handelt", sagt Speer. Die vom Neuseeländischen Ministerium für Primärindustrien (MPI) zuletzt entwickelte Spezifikation für "echten" Manuka-Honig werde derzeit noch heftig diskutiert.

Kleine Manuka-Anbieter lieber meiden

Manuka-Honig-Experte Speer rät Verbrauchern darauf zu achten, ob der Anbieter Mitglied im Branchenverband UMFHA ist. Das gewährleiste, dass das Produkt wissenschaftlich analysiert wurde. Zudem würde er eher zu Honig von großen Produzenten greifen, die einen Ruf zu verlieren hätten, als von kleinen Anbietern im Internet.

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Stand: 30.07.2020, 10:47