Lieferdienste - Kosten, Qualität und Corona

Das Geschäft der Lieferdienste Markt 29.04.2020 06:24 Min. UT Verfügbar bis 29.04.2021 WDR Von Hans-Carl Schultze, Gregor Witt

Lieferdienste - Kosten, Qualität und Corona

Tiefkühlpizza, Milch und Bananen online kaufen? Bislang waren viele zaghaft. Das könnte sich durch die Corona-Krise ändern. Fragen und Antworten zur Lebensmittellieferung ins Haus.

Wer bringt welche Lebensmittel ins Haus?

Die Bandbreite der Lieferdienste ist groß und variiert je nach Region. Dabei ist die Auswahl in Großstädten in der Regel größer als in ländlichen Regionen.

Das klassische Supermarkt-Angebot bieten in NRW beispielsweise Rewe, Picnic, Getnow, supermarkt24h.de, mytime, myenso, oder real. Aber: Einige Anbieter beschränken sich auf bestimme Städte oder Gebiete, andere liefern mit Paketdiensten aus.

Daneben gibt es Lieferdienste für einzelne Lebensmittel oder Produktgruppen wie Getränke, Obst, Gemüse, Fleisch oder vegane, bio- oder asiatische Lebensmittel. Morgengold.de bringt Brötchen und Brot bis vor die Türe.

Tiefkühl-Lieferdienste wie bofrost oder Eismann fahren seit Jahrzehnten von Haus zu Haus.

Relativ neu auf dem Markt sind Anbieter von Lebensmittelboxen. Diese enthalten beispielsweise die Zutaten für komplette Mahlzeiten wie HelloFresh, Kochbox oder brandnooz. Andere bedienen besondere Vorlieben etwa Feinkostboxen oder auch Kisten mit Überraschungsinhalten.

Die App Foodly zeigt unter der Rubrik Online Lebensmittel Checker anhand der eigenen Postleitzahl an, wer ins eigene Haus kommt – samt dem nächstmöglichen Termin.

Fertige Mahlzeiten bringen seit Corona auch immer mehr lokale Anbieter bis zur Haustüre. Hier lohnt sich der Anruf beim Lieblings-Italiener oder der Kneipe um die Ecke. Daneben kooperiert Lieferando mit Restaurants und Kneipen. Boten holen die Gerichte im Restaurant ab und bringen vom Burger bis zur Feinkost alles zum Besteller.

Wie hoch sind die Lieferkosten?

Die tatsächlich anfallenden Kosten variieren je nach Lieferdienst. Einige Anbieter verlangen eine Liefergebühr von mehreren Euro, die häufig ab einer bestimmten Einkaufssumme erlassen wird. Viele Anbieter bestehen zudem auf einen Mindestbestellwert, einige nehmen einen Zuschlag für Gekühltes.

Grundsätzlich ist der Supermarkt oder Discounter vor Ort günstiger, so das Ergebnis von Stiftung Warentest, die Ende 2018 zehn Lieferdienste getestet haben. Das heißt nicht, dass die gleichen Produkte im stationären Handel immer günstiger sind, aber die Auswahl an Alternativen und Handelsmarken ist größer.

Vor allem landwirtschaftliche Direktvermarkter arbeiten häufig mit Abo-Systemen.

Wie groß ist der Verpackungsmüll?

Im Netz bestellte Lebensmittel kommen auf verschiedene Arten zum Verbraucher: im Karton, Pfandkisten, Tüten. Entsprechend variiert das anfallende Verpackungsmaterial. Aber: Empfindliches wie Eier oder Glas muss durch zusätzliches Material geschützt werden. Und während Verbraucher im Supermarkt die Tomaten ins mitgebrachte Netz legen können, ist bei Lieferdiensten der Einfluss auf die Verpackung geringer - genauso wie bei allen anderen Online-Einkäufen.

Wie beflügelt Corona die Lieferdienste?

Seit sich das Corona-Virus in Deutschland breit macht, erleben Online-Supermärkte einen wahren Boom. Viele Vorbehalte sind angesichts der leeren Regale und Ansteckungsgefahr im Geschäft verblasst. Im März 2020 verzeichnete der Online-Handel bei Nahrungsmitteln einen Anstieg von rund 56 Prozent.

Nur: Die Lieferdienste können die hohe Nachfrage nicht bewältigen. So werden häufig entweder keine Neukunden mehr genommen oder die Lieferzeiten dauern zum Teil mehrere Wochen. Dennoch: "Für die Anbieter ist Corona auch die Chance, aus der Nische heraus zu kommen", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW.

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WDR 5 Profit - aktuell 28.04.2020 04:22 Min. Verfügbar bis 28.04.2021 WDR 5

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Wird das Coronavirus über Lebensmittel und Verpackungen übertragen?

Die meisten Lieferdienste bringen die Ware nicht mehr in die Wohnung, sondern stellen diese in den Hausflur, um – so gut es geht – die Abstandsregeln einzuhalten.

Und: Nach dem bisherigen Stand gibt es keine Anzeichen dafür, dass eine Ansteckung durch Lebensmittel und Verpackungen wahrscheinlich ist. Dennoch rät das Bundesinstitut zur Risikobewertung (BFR) die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags wie Händewaschen und zur Zubereitung von Lebensmitteln zu beachten.

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Wie bleibt die Ware gekühlt und frisch?

Anders als im Supermarkt kann der Verbraucher im Internet nicht auf das Mindesthaltbarkeitsdatum schauen und etwa Obst selbst begutachten. Er muss darauf vertrauen, dass Milch, Joghurt und Möhren knackig und mit ausreichender Haltbarkeit ins Haus kommen.

Zumal für frische Produkte beim Einkauf im Web nicht die üblichen Online-Widerrufs- und Rückgaberechte gelten. "Bei Lieferdiensten kommt es vor allem darauf an, wie die Frische der Ware gewährleistet wird", bestätigt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW.

Und das ist gar nicht einfach: Bei einem Test der Stiftung Warentest (10/2018) waren mehr als die Hälfte der bestellten kühlpflichtigen Produkte wie Lachs, Mozzarella, Hähnchenfleisch zu warm. Tipp: Direkt bei Lieferung sensible Produkte auf die Temperatur prüfen und gegebenenfalls direkt zurückgeben.

Welche Produktangaben müssen online gemacht werden?

Laut Verbraucherzentrale müssen Kunden sich online ebenso informieren können wie im Supermarkt. Dazu zählen:

  • genaue Bezeichnung des Lebensmittels
  • die Zutatenliste einschließlich der Mengenangaben der wertgebenden Zutaten (beispielsweise Erdbeeranteil im Erdbeerjoghurt)
  • Zutaten, die Allergien auslösen könnten
  • Nettofüllmenge
  • Ursprungsland oder Herkunftsort
  • Nährwertangeben (Kaloriengehalt, Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker, Kohlenhydrate, Eiweiß, Salz)
  • Alkoholgehalt (kennzeichnungspflichtig auf der Verpackung ab 1,2 Vol. Prozent)
  • Hinweis auf einen erhöhten Gehalt an Koffein.
  • Der Preis inklusive des Grundpreises  
  • Anweisungen für die Verwendung und Aufbewahrung (zum Beispiel Temperaturangaben für kühlpflichtige Lebensmittel)

Lebensmittel schlecht? So reklamieren Sie bei Lieferdiensten

Sind die Eier kaputt oder die Erdbeeren braun, muss man das nicht hinnehmen – selbst wenn Sie den Mangel erst feststellen, nachdem der Bote weg ist. "Auch in dieser angespannten Zeit haben Sie ein Recht auf einwandfreie Ware", so die Verbraucherzentrale.

Verdorbene Lebensmittel können Sie zurückweisen und eine Neulieferung in einer angemessenen Zeit verlangen. Am besten den schlappen Salat oder das verschimmelte Toast mit einem Foto dokumentieren und sofort beim Händler per Telefon oder per E-mail reklamieren.

Wenn Sie keinen Ersatz bekommen, können Sie vom Vertrag zurücktreten oder – falls nur ein Produkt betroffen ist – den Rechnungsbetrag entsprechend mindern.

Tipp der Verbraucherzentrale:
Beim Ordern nicht schon per Vorkasse bezahlen, sondern die Lieferung im Nachhinein mit der Rechnung begleichen. Dann müssen Sie nicht Ihrem Geld hinterherlaufen, wenn Sie einen berechtigten Mangel angezeigt haben.

Woran erkennt man seriöse Lieferdienste?

Eine gute Orientierung bieten die Siegel: "Trusted Shops", "internet privacy standards", "EHI Geprüfter Online-Shop" und "TÜV Süd s@fer shopping". Diese erhalten deutsche Anbieter nur, wenn sie sich vorschriftsgemäß bei ihrer örtlichen Lebensmittelüberwachungsbehörde haben registrieren lassen.

Allerdings mahnt die Verbraucherzentrale: "Die genannten Siegel geben keinerlei Auskunft über die Qualität von Lebensmitteln." Sie garantierten lediglich, dass der jeweilige deutsche Online-Betrieb nach denselben Kriterien überwacht werde wie der herkömmliche Supermarkt.

Außerdem sollte der Online-Supermarkt seine Kontaktdaten mit Adresse offenlegen.

Schlechtes Gewissen, weil andere schleppen müssen?

Grundsätzlich kann man laut der Gewerkschaft "Nahrung-Genuss-Gaststätten" davon ausgehen, dass Lieferdienste ihre Mitarbeiter eher schlecht bezahlen, meistens nicht viel mehr als der gesetzliche Mindestlohn. "Die Menschen sind hochgradig prekär beschäftigt", sagt Gewerkschaftler Jonas Bohl. Immerhin seien die Online-Preise größtenteils vergleichbar mit denen in den Supermärkten. "Aber je länger die Kette, desto weniger Geld ist auf jeder Stufe vorhanden."

Allerdings heißt das für den Gewerkschaftler im Umkehrschluss nicht, dass Verbraucher keine Lieferdienste in Anspruch nehmen sollen. "Vielmehr sollte sich jeder bewusst sein, dass die Fahrer eine harte Arbeit leisten, die schlecht bezahlt wird und durchaus mit Trinkgeld honoriert werden sollte", so der Rat von Jonas Bohl.

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Stand: 12.05.2020, 21:03