Es geht auch ohne Glyphosat

Bauer Torsten Lange steht auf einem Feld

Es geht auch ohne Glyphosat

Von Karin Bensch

  • Bauer verwendet kein Glyphosat mehr
  • Flächenrotte gegen Unkraut
  • Ackerbau ohne Glyphosat kostet mehr Geld

Torsten Lange steht mit einem Spaten auf seinem Feld. Der 36-Jährige ist Ackerbauer und Schweinemäster in Preußisch Oldendorf in Ostwestfalen-Lippe.

Auf dem Feld wächst gerade der Winterweizen. Kleine, grüne Pflanzen in langen, geraden Reihen. Seit einem Jahr verwendet Lange kein Glyphosat mehr. Mit dem Spaten sticht er ein großes Stück dunkelbraune Erde heraus, um den Zustand des Bodens zu kontrollieren. 

Serie "Zwischen bio & konventionell" - Ohne Glyphosat

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 01.04.2019 03:12 Min. Verfügbar bis 31.03.2020 WDR 5 Von Karin Bensch

Download

Lange erklärt: "Wenn wir uns den Boden jetzt anschauen, ist er feinkrümelig. Wenn wir die Pflanzen in die Hand nehmen, sehen wir sehr schön, dass wir ein Erdbehang an den Wurzeln haben. Das heißt, dass die Bodenbiologie mit der Pflanze zusammenarbeitet."

"Wir wollen was verändern im Ackerbau"

Früher verwendete auch Torsten Lange Glyphosat. Jetzt macht er es anders: Der Bauer spritzt überhaupt kein Glyphosat mehr auf seine Felder. Er baut Getreide, Raps, Zuckerrüben und ein wenig Mais an. Futter für seine rund 800 Mastschweine im Stall.

Bauer Lange kontrolliert den Zustand des Feldbodens

Lange kontrolliert den Boden

Ein Biobauer ist Lange nicht, trotzdem habe er irgendwann umgedacht. "Ich habe diese Entscheidung ganz persönlich getroffen", sagt der Jungbauer. Statt Glyphosat wendet Lange nun die Flächenrotte an. Dabei werden die Felder nicht tief umgepflügt, sondern nur an der Oberfläche bearbeitet. Mithilfe einer Fräse hinter dem Traktor werden die grünen Pflanzen abgeschnitten und untergehoben. Sie dienen Kleinstlebewesen im Boden als Nahrung.

Noch kann der Jungbauer allerdings nicht ganz auf chemische Unkrautvernichter verzichten. In zwei Jahren, so hofft er, wird er kaum mehr Pflanzenschutzmittel auf seinen Feldern ausbringen müssen. 

Ohne Glyhosat wird es teurer

Könnten nicht mehr Ackerbauern auf Glyphosat verzichten? Lange ist skeptisch. Das hänge von vielen Faktoren ab, sagt er, zum Beispiel wie alt der Bauer sei, wie er Landwirtschaft gelernt habe, und wie offen er für neue Wege sei.

Und es hängt auch davon ab, ob der Landwirt bereit ist, Geld zu investieren. Denn die bodenschonende Produktion kostet etwa ein Drittel mehr, als die konventionelle Art. Torsten Lange hofft darauf, dass Verbraucher die nachhaltige Landwirtschaft schätzen und bereit sind, mehr dafür zu zahlen.

Für Lange ist dieser Weg der richtige. Er sagt: "Wieder mehr in der Natur sein. Mehr gucken, was die Pflanzen machen. Dann verstehen wir gewisse Zusammenhänge."

Stand: 01.04.2019, 00:00

Kommentare zum Thema

7 Kommentare

  • 7 Luise 02.04.2019, 00:19 Uhr

    Nach einem Jahr kann man die Wirkung einer Verfahrensaenderung auf unerwuenschte Pflanzen nicht serioes beurteilen.

  • 6 Georg 01.04.2019, 21:46 Uhr

    Ja fräsen ist Klasse. Ich hab jetzt auch eine seit ein paar Jahren. Hatte zuvor noch nie so viele Quecken gehabt. Fräse ist echt kritisch, aber halt manchmal praktisch.

  • 5 Andreas 01.04.2019, 21:17 Uhr

    Der Bauer verzichtet ein Jahr auf Glyphosat und tut so als ob er die Landwirtschaft neu erfunden hat. Außerdem steht in dem Artikel dass er andere Mittel spritzt. Nach ein paar Jahren wird er merken dass sein Fräsen den Boden zerstört.

  • 4 Name Heike Bolon 01.04.2019, 19:14 Uhr

    Ich Zahle gerne mehr , für Giftfreies Produkt. .es ist 5 nach 12.Insecken Sterben Vogelsterben Das ganze Politisches System scheisst,auf Naturschutz. Weil noch nie für Natur was getan wurde ..und Steuern runter für Bauern!!! . Wir werden genügend ausgebeutet von Staatlichen. 65 Milliarden Überschüsse im 2018. Das Meer Stirbt, Plastik radioaktiv verseucht ,wirt alles verschwiegen.

  • 3 Realist 01.04.2019, 16:18 Uhr

    Er hofft das der Verbraucher den Mehraufwand bezahlt!!! Ich drücke ihm die Daumen , glauben tu ich es aber nicht.

  • 2 Harald Müller 01.04.2019, 13:13 Uhr

    Ihr habt wirklich keine Ahnung, welchen Blödsinn ihr da schreibt, oder? Die Fräse ist so ziemlich das schlimmste, was der Bauer seinem Feld antun kann. Es sterben nicht nur alle Pflanzen ab (wenn es trocken genug ist...), sondern auch der Großteil der Insekten und Kleinstlebewesen. Außerdem ist es die sicherste Methode, um den Humus im Boden zu zerstören. Und das bei einem Vielfachen des Dieselverbrauchs und Maschinenverschleiß im Vergleich z.B. zu Glyphosat-unterstützten Anbaumethoden. Außerdem sollte mittlerweile dem dümmsten Bauern klar sein, dass der Unkraut- und Krankheitsdruck durch das Fräsen nicht nachhaltig gesenkt wird. Dass der Bauer in zwei Jahren "kaum mehr Pflanzenschutzmittel auf seinen Feldern ausbringen müsse", glaubt er wohl selbst nicht.

    Antworten (3)
    • Luna 01.04.2019, 15:03 Uhr

      Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

    • Luna 01.04.2019, 15:03 Uhr

      April, April? Und bei Vollmond glyht Phosphat noch bessers??

    • Nora 01.04.2019, 21:02 Uhr

      Es hängt davon ab wie tief gefräst bzw "umgegraben"wird. Und natürlich von der Art der wechselnden Bepflanzung und Bodenverdichtung. Es ist definitiv Bodenschonender wenn es richtig gemacht wird. Unterstützen kann man es mit der richtigen Randbepflanzung (Push und Pullover nur als Stichwort). Nur als Hinweis. Glyphosat wird erst seit zwanzig Jahren flächendeckend in Deutschland verwendet. Die Bodenqualität hat sich in der Zeit dramatisch verschlechtert. Hinzu kommt das Artensterben. Allerdings ist die verstärkte Massentierhaltung, und der damit verbundene erhöhte Gülle Auftrag auch ein Problem. Auch die verstärkte Maisbepflanzung...ist aber alles nicht wirklich kompliziert. Fakt bleibt aber das mehr Arbeitskraft und damit erstmal Kosten verbunden sind. Auf längere Sicht wird die Vernichtung der Böden durch Überdüngung Verdichtung und Pestizide und zu großen Feldern ohne notwendiger Hecken und Rand Bepflanzung der Menschheit teurer kommen...

  • 1 Regenwurm 01.04.2019, 12:39 Uhr

    Hört sich gut an. Ob allerdings viele Landwirte sich wieder die Mühe machen, viel Zeit in ihr Hab und Gut, die Wirtschaftsgrundlage Boden, stecken, ist auch eine Frage der Werbung. Wenn deren Sirenen nämlich mit Zeitersparnis und zusätzlichen Profiten in den Ohren der Landwirte klingen, kann man sich schon ein round up (zu deutsch zusammentreiben, einfangen) dieser in den Fängen der "Bequemlichkeitversprechung" vorstellen. Und wenn die Sirenen eine, dem Boden total fremde, Substanz noch als boden-und klimaschonend bewerben, hat die mechanische Bodenbearbeitung noch schlechtere Karten?