Von wegen "wachsen oder weichen"

Landwirt Lambert Stöcker im Stall

Von wegen "wachsen oder weichen"

Von Sebastian Tittelbach

  • Eigene Fleischproduktion gleicht sinkenden Milchpreis aus
  • Direktvermarktung an 400 Kunden
  • Domblick und Nähe zur Großstadt als Standortvorteil

Die Rinder von Lambert Stöcker haben das, was mancher Kölner gerne hätte: Einen direkten Blick auf den Dom. Der Hof liegt in der Hügellandschaft von Rösrath, in der Einflugschneise des Flughafens Köln/Bonn. Die Flugzeuge hört man, Stöckers 280 Tiere dagegen kaum. Unter ihnen sind 40 Kälber und 120 Milchkühe, deutlich mehr als der Landesdurchschnitt.

Direktvermarktung gegen Preisdruck

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 06.04.2019 03:11 Min. Verfügbar bis 02.04.2020 WDR 5 Von Sebastian Tittelbach

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Existenznöte durch sinkenden Milchpreis

In zwei Gruppen werden die Milchkühe täglich gemolken, abgerechnet wird in Kilogramm. Stöcker liefert pro Jahr eine Million Kilo an eine Molkerei. Heute leben von dem Hof zwei Familien und ein Angestellter.

Doch vor Jahren brachte der sinkende Milchpreis den Betrieb in Existenznöte: "Damals wurde in den Schulen gesagt, man muss eingleisig fahren, nur Milchproduktion, dann ist man der King. Und wenn dann der Milchpreis auf 18 Cent sinkt, ist das Leben nicht mehr ganz so einfach."

Kritik am Bauernverband

Eine Mitschuld gibt Stöcker dem Deutschen Bauernverband. Seine Funktionäre hätten die Devise vertreten "Wachsen oder weichen". "Wie soll dann noch das Tierwohl berücksichtigt werden?", fragt sich Stöcker.

Rinde auf der Weide

Frisches Gras für Galloway-Rinder

Stattdessen stellte er sich gegen den Trend und stieg in die Fleischvermarktung ein. Direkt neben dem Kuhstall hat er einen Schlachtraum eingerichtet. Alle 14 Tage werden zwei Rinder zerlegt. Braten, Gulasch, Hackfleisch und Steak verkauft er direkt an 400 Endkunden, die per E-Mail bestellen. Dabei erwies sich der Domblick als vorteilhaft. Der Hof liegt verkehrsgünstig vor Köln in der Nähe der Autobahn, ideal für einen Hofladen.

Mobiler Hühnerstall geplant

24,90 Euro kostet das Kilo Rumpsteak aus Rösrath. Mit Angeboten aus dem Supermarkt kann Lambert Stöcker nicht mithalten. Lieber probiert er weitere Geschäftsideen aus: Hinter dem Hof baut der Landwirt einen mobilen Hühnerstall für 500 Tiere. Nebenan auf der Weide steht eine Herde Galloway-Rinder. Die Direktvermarktung will er weiter ausbauen, nur wachsen soll sein Betrieb nicht mehr.

Stand: 09.04.2019, 13:01