Kinderernährung: Vitamine für Gemüsemuffel

Kinderteller Markt 27.03.2019 07:07 Min. UT Verfügbar bis 27.03.2020 WDR Von Matthias Fuchs

Kinderernährung: Vitamine für Gemüsemuffel

  • Restaurants bieten häufig nur ungesunde Kinderteller
  • Wichtig ist die gute Kost zu Hause
  • Ernährungsexpertin gibt Tipps für Kinder und Jugendliche

WDR: Was können Eltern machen, wenn Sie auf der Speisekarte nur Pizza und Pommes vorfinden?

Professorin Mathilde Kersting: Eltern können zunächst keinen anderen Kinderteller herbei zaubern. Es wäre natürlich wünschenswert, wenn alle Anbieter an einem Strang ziehen und zu Pommes noch Gemüse oder Salat anbieten würden. Aber wichtiger ist, dass Eltern ihre Kinder zu Hause gesund ernähren. Denn ins Restaurant geht man in der Regel nur alle paar Wochen.

WDR: Was mache ich, wenn mein Kind ein Gemüse- und Obstmuffel ist?

Kersting: Die meisten Kinder mögen gerne Obst und sind eher von Gemüse nicht so begeistert. Grundsätzlich essen sie aber lieber Rohkost als gekochtes Gemüse. Deshalb können Eltern dem Nachwuchs immer die Lieblingsrohkost anbieten. Die Auswahl an Gemüse ist so groß, dass sich eigentlich für jeden etwas findet. Wichtig ist, dass Eltern eine Vorbildfunktion einnehmen und sich ebenfalls ausgewogen ernähren.

WDR: In der Kritik steht auch immer wieder die Verpflegung in der Kita und Schule.

Porträt Mathilde Kersting

Mathilde Kersting

Kersting: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat Standards für die Verpflegung in Schulen und Kitas herausgegeben, an die sich die Anbieter halten sollten. Die Frage ist hier, was essen Kinder von diesem Angebot. Auch hier spielt die Vorbildfunktion eine große Rolle. In diesem Fall sind es die Lehrer und Betreuer, die gemeinsam mit den Kindern am Tisch essen sollten.

WDR: Die Pausendose mit Vollkornbrot und Obst kommt ungeöffnet zurück – das Graubrot mit Nutella wird gegessen. Wie kommen Eltern aus diesem Dilemma heraus?

Kersting: Süßen Aufstrich sollten Kinder nur zu Hause essen, weil sie sich dort die Zähne putzen können. Wir haben in einer Studie nachgewiesen, dass Kinder fein gemahlenes Vollkornbrot genauso gerne essen wie Graubrot. Vollkorn ist ein wesentlicher Nährstofflieferant für Kinder. Daher raten wir zu einem fein gemahlenem Vollkornbrot belegt mit Wurst oder Käse und dazu die Lieblingsrohkost des Kindes.

Professorin Mathilde Kersting leitet das Forschungsdepartment Kinderernährung der Universitätskinderklinik der Ruhr-Universität Bochum. Das Institut entwickelte unter anderen das Konzept der Optimierten Mischkost, das mit einfachen Regeln eine gesunde Ernährung für Kinder und Jugendlichen bietet.

WDR: Schwieriger wird es noch mit Jugendlichen. Wie motiviert man diese zu gesunder Ernährung?

Kersting: Grundsätzlich sollte nichts verboten werden. Wichtig ist, dass zur Pommes auch noch Gemüse oder Obst gegessen werden sollte. Auch Jugendliche können Kohlrabi, Paprika und Äpfel mit in die Schule nehmen und in der Mittagspause in die Imbissbude gehen.

WDR: Wie viel "ungesunde" Ernährung vertragen Kinder?

Kersting: Die Frage ist hier, was ist ungesund? Das ist selten ein Lebensmittel. Vielmehr ist in der Regel die Zusammenstellung der Nahrung problematisch. Dabei ist gesunde Ernährung sehr einfach, das zeigt das von uns entwickelte Konzept der Optimierten Mischkost.

Das Konzept der Optimierten Mischkost

  • pflanzliche Lebensmittel wie Getreideprodukte, Kartoffeln, Gemüse, Obst und Getränke sollten reichlich
  • tierische Lebensmittel wie Fleisch, Milch, Fisch, Eier sollten mäßig
  • fett- und zuckerreiche Lebensmittel sollten sparsam gegessen werden.

Besonders wichtig ist es, dass es den Kindern schmeckt, ansonsten lässt sich eine ausgewogene und gesunde Kost nicht umsetzen.

Das Gespräch führte Anke Fricke.

Stand: 27.03.2019, 09:24