Halal-Ernährung liegt im Trend

Ein Schild an einem Frankfurter Restaurant zeigt den Schriftzug "Halal Food".

Halal-Ernährung liegt im Trend

Von Carolin Jackermeier

  • Halal-Branche boomt
  • Auch immer mehr Nicht-Muslime kaufen halal
  • Erste Halal-Messe wegen Corona-Virus verschoben
  • Kein einheitliches Halal-Siegel

Inhaber Younnes Mahi Settouti schneidet Lammkoteletts und legt sie zwischen Hähnchenkeulen und Rinderpatties in die Theke seines Ladens. Schweinefleisch suchen Kunden im Tanger Markt, in der Kölner Innenstadt, vergeblich. Das Geschäft verkauft ausschließlich Halal-Produkte.

Halal und haram

Halal bedeutet "nach muslimischem Recht erlaubt". Das Gegenteil ist haram, also verboten. Haram sind Schweinefleisch, Alkohol und Drogen. Fleisch soll außerdem geschächtet werden. Das heißt, die Kehle des Tieres wird bei Bewusstsein durchtrennt und blutet anschließend aus. In Deutschland ist das nicht erlaubt, weshalb das Fleisch importiert wird.

Erste Halal-Messe in Hannover

Die Deutsche Messe AG veranstaltet 2020 in Hannover die erste Halal-Messe Deutschlands. Eigentlich sollte diese am Freitag (06.03.2020) beginnen, ist aber wegen des Coronavirus auf einen noch unbestimmten Termin verschoben worden. "Wenn Sie bedenken, wie viele Personen das betrifft, ist das Thema Halal in Deutschland eindeutig unterrepräsentiert", sagt Vorstandsmitglied Andreas Gruchow.

Ein Aufkleber mit einer türkischen Fahne und der Aufschrift "Helal" klebt auf einer Tüte Gummibärchen

Gummibärchen mit Halal-Siegel

Halal ist längst nicht nur ein religiöser Ritus. Es ist ein Markt. Es gibt Halal-Kosmetik, Halal-Dating und Halal-Tourismus. Nestlé, Dr. Oetker, Wiesenhof, Meggle, Haribo -  sie alle bieten Halal-Produkte an. Zum Beispiel Gummibärchen mit Rindergelatine.

Halal ist zum Lifestyle geworden

Dass Halal teilweise zum Lifestyle wird, merkt auch Mahi Settouti: "Es kommen viele nicht-muslimische Leute, die nach halal fragen", sagt er.

Bis 2025 soll das weltweite Marktvolumen solcher Produkte um 300 Milliarden Euro auf 740 Milliarden Dollar wachsen. "Es ist auf jeden Fall ein Trend, und es ist eben nicht nur ein deutscher Markt, es ist weltweit einer der am stärksten wachsenden Märkte", sagt Tilman Brunner von der IHK Hannover.

Alkohol und Schweinefett auch in Kosmetik

Die Kölner Firma Fair Squared verkauft Halal-Kosmetik. Sie darf keine tierischen Inhaltsstoffe oder Alkohol enthalten. Das komme auch bei Nicht-Muslimen gut an. "Es ist auf jeden Fall noch eine Nische, weil sich nicht jeder bewusst ist, dass konventionelle Kosmetik manchmal mit Schweinefett oder Alkohol produziert ist", sagt Sprecherin Jana Saure.

Kein einheitliches Halal-Siegel

Bisher gibt es noch kein einheitliches Halal-Siegel. Zahlreiche Moscheen haben eigene Zertifikate. Oft sind die Prüfkriterien unklar. "Ich bin pessimistisch, was die Zukunft da angeht. Ich glaube nicht, dass wir irgendwann ein einheitliches Zertifikat haben werden, das weltweit gültig ist", sagt Brunner.

Rewe, Edeka, Lidl und Aldi Nord bieten flächendeckend noch keine Halal-Produkte an, nur Aldi-Süd testet seit Oktober eine halal-konforme Knoblauchwurst.

Halal kann nicht "Bio" sein

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 26.02.2019 05:32 Min. Verfügbar bis 26.02.2024 WDR 5

Download

Stand: 05.03.2020, 07:14