Geschichte der Tiefkühlkost

Das Bild zeigt wie damals im Eis geangelt wurde. Dort wurde das Haltbarmachen von Lebensmitteln erfunden.

Geschichte der Tiefkühlkost

Lebensmittel durch Frost haltbar zu machen, ist heute eine relativ einfache und auch für die Produkte vergleichsweise schonende Methode. Aber wie war das früher?

Vor der Forschung bis zur Erfindung

Was bei uns Kapitän Iglo ist, ist bei den Amerikanern Captain Birdseye. Mit dem Unterschied, dass es letzteren tatsächlich gab. Der Meeresbiologe Clarence Birdseye unternahm zwischen 1915 und 1922 mehrere Forschungsreisen nach Neufundland, um im Auftrag der US-Behörden das Leben der Ureinwohner zu studieren. Er konnte beobachten, wie die dort lebende Bevölkerung ihre Nahrungsmittel durch Einfrieren haltbar machte. Sie hängten ihren frischen Fang oder die gerade erlegte Beute einfach in den eisigen, bis zu minus 45 Grad Celsius kalten Wind. Innerhalb kürzester Zeit waren Fisch und Fleisch tiefgefroren. Die so haltbar gemachten Lebensmittel waren den ganzen Winter haltbar.

Birdseye entwickelte nach langer Forschung und einigen Fehlversuchen 1924 den „double belt freezer“ – eine Möglichkeit, zwischen zwei eisgekühlten Platten unter Druck Fisch zu frieren. Nach diesem Erfolg experimentierte er auch mit Fleisch, Obst und Gemüse. Am 6. März 1930 dann der erste Feldversuch: In Springfield (USA) wurden erstmals in 18 Supermärkten tiefgekühlte Produkte verkauft. Der Tag gilt als die wahre Geburtsstunde der Tiefkühlkost.

In Deutschland gab es Tiefkühlprodukte erst viel später. Auf der „Anuga“ in Köln (Allgemeinen Nahrungs- und Genussmittel-Ausstellung) wurden 1955 die ersten tiefgekühlten Lebensmittel auf dem deutschen Markt vorgestellt. Sie wurden zunächst nur zögerlich angenommen, das änderte sich aber bald. 1960, kurz nach Einführung der neuen Produkte aus der Tiefkühltruhe, lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei durchschnittlich 400 Gramm. Heute liegt er bei rund 41 Kilogramm.

Tiefkühlen heute

Lebensmittel durch Frost haltbar zu machen, ist heute eine relativ einfache und auch für die Produkte vergleichsweise schonende Methode. Aber was passiert eigentlich genau beim Einfrieren? Abhängig von der Zellstruktur und vom Fettgehalt sind Lebensmittel unterschiedlich lange haltbar. Lagern wir Fleisch, Fisch, Obst oder Gemüse bei Raumtemperatur, verändern chemische und biologische Prozesse die Produkte, bis sie nicht mehr genießbar sind – sie faulen, schimmeln oder werden ranzig.

Beim Absenken der Temperatur auf mindestens -18 Grad Celsius wird das Wachstum von Keimen weitestgehend gestoppt und Abbauprozesse durch Enzyme aufgehalten. Das Wasser im Lebensmittel gefriert und bildet Eiskristalle. Je schneller das Produkt eingefroren wird, umso kleiner werden die Kristalle. Das ist von Vorteil, denn grobe Kristallstrukturen zerstören die Zellen, Wasser tritt aus, das Lebensmittel wird matschig oder trocken. Solche trockenen Stellen bezeichnet man als Gefrierbrand. Er beeinträchtigt zwar nicht die Genießbarkeit, wohl aber die Konsistenz, das Aussehen und den Geschmack und ist daher unerwünscht.

Tiefkühlen ist eine schonende Art der Konservierung. Vitamine und andere Nährstoffe verbleiben länger im Produkt als im frisch gelagerten. Unbegrenzt sind aber auch gefrorene Lebensmittel nicht haltbar. Die Abbauprozesse sind lediglich stark verlangsamt. Nach dem Auftauen setzt der natürliche Zerfall des Lebensmittels wieder ein. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Deutschen stehen laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Nielsen Company Tiefkühl-Gemüse und Kräuter.

Stand: 13.07.2020, 12:25